Finanztipp : Sachwerte als sicheres Polster

Die Bundesbank und das Ifo-Institut prognostizieren für 2022 eine Inflationsrate von fünf oder mehr Prozent. Weitere Steigerungen der Energie- und Lebensmittelpreise treiben die Lebenshaltungskosten in die Höhe. Anleger suchen nach Lösungen, um ihr Erspartes vor einem Wertverlust zu schützen

Die Aktienbörsen stehen unter Stress: Auf ihnen lastet der Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie die unerwartet hohe Inflation“, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG in Köln. Dennoch bieten aus seiner Sicht Aktien den besten Schutz gegen die Geldentwertung.

Das belegen Daten der Investmentgesellschaft Ibbotson & Associates, die im langen Zeitraum von 1926 bis 2018 von einer jährlichen Rendite im Schnitt von mehr als 10 Prozent ausgehen. „Bei dieser Jahresrendite konnten Anleger trotz Inflation über die Jahrzehnte hinweg sehr effektiv ihr Vermögen mehren. Schließlich führt eine Aktienrendite von sieben Prozent nach Inflation nach etwa zehn Jahren zur realen Verdopplung des Vermögens, nach 20 Jahren zur Vervierfachung und nach 30 Jahren zur realen Verachtfachung“, rechnet Albrech vor. Der Haken liege eher in den temporären Rückschlägen – wie momentan als Folge des Krieges. „Als langfristige Anlage aber gleicht sich das aus. Anleger sollten die Zuversicht behalten“, so Albrech. Dennoch kommt es auf das richtige Portfolio an. „Wir gehen nach der Bottom-Up-Methode vor. Wir analysieren zuerst das Unternehmen. Dann sehen wir uns die Landschaft an, in der es sich bewegt. Wir meiden erodierende Branchen, deren Fortbestand in Frage steht oder denen Kapitalrenditen sehr niedrig sind“, sagt Albrech. Der Vermögensverwalter packt etwa Unternehmen aus dem Segment fossiler Energieträger nicht an. „Die horrend hohen Energiepreise versprechen zwar momentan vielleicht kurzfristig eine positive Unternehmensentwicklung. Doch langfristig sehen wir hier aufgrund des Klimawandels keine Zukunft“, so Albrech. Auch den Markt für Büroimmobilien sieht er kritisch, da sich Home-Office etabliert. Große Probleme sieht er auch in den Branchen stationärer Handel, bei den Modekonzernen und auch bei Medienunternehmen, die sich in erster Linie weiter auf Printmedien stützen und nicht digital aufgestellt sind.

„Wir fokussieren uns auf qualitativ hochwertige Unternehmen, die sich in unterschiedlichen Szenarien nicht nur behaupten, sondern darin sogar wachsen können“, erklärt Albrech. Als wachstumsstarke Branchen bewertet der Vermögensverwalter Health Care, also Gesundheit und Pharma sowie die Sektoren Bau und Infrastruktur. „Wir interessieren uns auch für Firmen, die sich auf Umwelt und Nachhaltigkeit spezialisiert haben“, meint Albrech.

Während der Aktienmarkt derzeit nachlässt, steigt der Goldpreis. „Das Edelmetall funktioniert aus Portfoliogesichtspunkten in Zeiten negativer Realzinsen und bei steigender Inflation. Der Goldpreis hat sich stets in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt und nicht nur bei den meisten Zusammenbrüchen die Wirtschaft überstanden“, sagt Petra Ahrens, Vorstand der Maiestas Vermögensmanagement AG in Köln. „Die aktuell mehr als unsichere Situation durch den Ausbruch eines Krieges mitten in Europa, dadurch noch höhere Energiepreise und somit womöglich eine Inflation, die doch nicht kurzweilig ist, lässt die Kapitalmärkte kräftig korrigieren und den Goldpreis in die Höhe steigen“, kommentiert Ahrens. Die Chancen, dass der Goldkurs sich weiter positiv entwickelt, bewertet sie entsprechend gut.

Auch die Stiftung Warentest empfiehlt Sachwerte als Inflationsschutz. „Anlegerinnen und Anleger setzen auf einen langfristigen Wertzuwachs und nehmen dafür Kursschwankungen in Kauf. Im Gegensatz zu Zinsanlagen begründen Sachwerte echtes Eigentum. Ob Aktien, Immobilien, Edelmetalle, Kunstwerke oder Sammelgegenstände – Käufer erwerben in allen Fällen etwas Handfestes“, erläutert die Stiftung auf ihrer Internetseite www.test.de. Preisschwankungen sind hier allerdings die Regel, daher unterliegen die Anlagen Risiken.

Anleger sollten auf sichere Zinsanlagen nicht verzichten, meinen die Experten. Als Faustregel bleiben rund drei Nettomonatseinnahmen auf Tagesgeldkonto. Darüber hinaus sollte das Ersparte in Sachwerte und Tages- bzw. Festgeld aufgeteilt sein.