Gewerbegebiet Beuel-Ost : Gemischte Gefühle

In Bonns größtem Gewerbegebiet läuft vieles gut – und vieles könnte deutlich besser laufen

Es ist keiner der „schönen“ Stadtteile, in die man eintaucht bei einem Rundgang durch das riesige Gewerbegebiet Beuel-Ost. Aber das 4000 Hektar große Areal hat dafür eine Vielfalt, die außergewöhnlich ist. Ein geschäftiges Treiben auf den Straßen und Höfen zeigt, dass das Quartier boomt. Aber hinter der geschäftigen Fassade regt sich auch seit längerem schon einiger Unmut.

Für die Firma de Graaff ist das Gewerbegebiet schon seit 1983 die Heimat. Der 1953 gegründete Betrieb für Bauwerkserhaltung und Bautenschutz konnte sich auch während seiner Zeit in dem Gebiet ständig vergrößern, so dass er heute mit 4000 Quadratmetern in der Broistraße ein beträchtliches Grundstück nutzt. Für den Juniorchef Dr. Jan de Graaff ist der Standort nach wie vor ein wichtiger Faktor. „Wir arbeiten auf Baustellen von Koblenz bis Düsseldorf, und da ist das Gewerbegebiet mit seinen kurzen Wegen in alle Richtungen ein guter Stützpunkt.“

Die Verkehrsanbindung ist auch für Ralf Becker von Mobauplus ein wichtiger Faktor. „Wir sind seit den 70er Jahren bewusst in einem Industriegebiet angesiedelt, weil bei uns der Anlieferverkehr schon ganz früh morgens beginnt und wir hier um diese Uhrzeit niemanden stören“, erklärt der Geschäftsführer des Bauzentrums. Soweit klingt alles ziemlich gut, könnte man denken. Aber wer genauer nachfragt, hört schnell von vielen Seiten Kritik – und das schon seit geraumer Zeit.

Dass die seit nunmehr 30 Jahren zugesagte und Anschlussstelle Maarweg der Autobahn bis heute nicht realisiert wurde, ist sowohl für Becker als auch für de Graaf nur eines von vielen Indizien dafür, dass die Stadtverwaltung sich nicht mehr als unbedingt nötig für das Gewerbegebiet interessiert. „Immerhin sind wir hier das größte Gewerbegebiet in Bonn, da könnte man schon mehr erwarten“, empört sich de Graaff ganz offen und spricht damit vielen Unternehmern in Beuel-Ost aus der Seele. Ein Lichtblick in weiter Ferne ist der Ausbau der S 13, der eine bessere Anbindung der öffentlichen Verkehrsmittel an das Gebiet bringen soll. „Aber das wird ja auch noch ein paar Jahre dauern“, sagt Ralf Becker.

Ein weiteres äußeres Kennzeichen, das sich nicht von der Hand weisen lässt, ist der schlechte Zustand der Straßen. Ein weiterer Kritikpunkt: Da werden abgemeldete Kraftfahrzeuge schon mal für mehrere Wochen auf der Straße stehen gelassen, „und erst wenn endlich mal das Ordnungsamt einen roten Zettel dran klebt, kommen die weg“, berichtet ein Nachbar.

Aber es gibt auch Lichtblicke: Ein relativ neuer Lidl, ein renovierter Aldi, weitere Discounter in Aussicht, und auch das Quartier an der Röhfeldstraße mit Wohnungen, Geschäften und Restaurants tragen dazu bei, dass sich viele Unternehmen nach wie vor wohl fühlen. Das sieht auch Dr. Jan de Graaff so: „Wir sind als Beueler Firma hier historisch gewachsen und sind bisher immer gut zurechtgekommen.“ jöw