Eklat bei Neujahrsempfang in Dernau: Landeschef brüskiert Mittelstand mit AfD-Plädoyer

Eklat bei Neujahrsempfang in Dernau : Landeschef brüskiert Mittelstand mit AfD-Plädoyer

Seine Äußerungen zur Annäherung der CDU an die AfD bringen Gereon Haumann, dem Vorsitzenden der Mittelstandsvereinigung (MIT), Kritik ein.

Einen Einblick in das Innenleben der CDU gab es beim Neujahrsempfang der Mittelstandsvereinigung (MIT) im Dernauer Culinarium. Insbesondere bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Quo Vadis Deutschland“ wurden die Bruchlinien innerhalb der Partei deutlich, besonders was den Umgang mit der AfD bei der bevorstehenden Bundestagswahl betrifft. Annäherung oder Abgrenzung? Dazu gab es unterschiedliche Meinungen.

Dabei war es besonders der MIT-Landesvorsitzende, Gereon Haumann, der mit seinem Statement für Aufregung im Saal sorgte: „Die linken Medien wollen der CDU den Kontakt mit der AfD verbieten.“ Die AfD sei schließlich zur Wahl zugelassen und in Landesparlamenten vertreten. Deshalb müsse es für die Union auch eine Option sein, mit der AfD über eine Zusammenarbeit zu reden, plädierte Haumann „gegen Denkverbote“.

„Da können wir auch gleich mit der NPD reden, denn die ist schließlich auch zur Wahl zugelassen“, empörte sich Ingrid Näkel-Surges aus Dernau über die Position Haumanns. Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil konnte einer Annäherung ebenfalls nichts abgewinnen. „Ich bin froh, in einer Partei zu sein, die nicht am rechten Rand nach Stimmen fischt“, machte sie klar, dass eine Annäherung für sie keine Option sei. „Wenn die CDU weiter nach rechts in die Nähe der AfD rückt, dann ist das nicht mehr meine Partei“, sagte sie unter Beifall. Der MIT-Bundesvorsitzende, Carsten Linnemann, plädierte ebenfalls dafür, „die AfD überflüssig zu machen“.

Der Unternehmer Karl Tack (Rhodius) riet als Podiumsmitglied seinerseits dazu, „vorhandene gute Argumente stärker zu emotionalisieren und nicht so oberlehrerhaft wie bisher aufzutreten“ und sich „nicht mit der FDP zu fetzen, die ist nicht unser Hauptgegner“.

Für ihn ist die Industrie in Deutschland nicht ausreichend für die Zukunft aufgestellt. Tack beklagte „einen eklatanten Fachkräftemangel im IT-Bereich“. Erschreckend sei, dass eine Universität wie Berkeley in den USA ein größeres Bildungsbudget habe als die ganze Bundesrepublik.

In Vertretung des erkrankten MIT-Kreisvorsitzenden, Elmar Lersch, hatte zuvor sein Stellvertreter, Werner W. Jung aus Altenahr, die knapp 100 Gäste begrüßt. „2016 – gut, dass das vorbei ist“, blickte er zurück auf ein von Terror geprägtes Jahr, das das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung massiv gestört habe. Populisten griffen diese Ängste auf und gäben vor, mit einfachen Parolen Lösungen bieten zu können, die aber der Realität nicht standhielten. Er verstehe nicht, dass es Bürger gebe, die erfolgreich seien und keinesfalls dem rechten Gedankengut anhingen, und dennoch von der CDU zur AfD wechselten. Detlef Odenkirchen, ebenfalls stellvertretender MIT-Kreisvorsitzender, übernahm den regionalen Rückblick. Nach wie vor gebe es drei Voraussetzungen für das Unternehmertum: eine Geschäftsidee, Selbstbewusstsein und Mut. Die Mittelstandsvereinigung sehe sich als Bindeglied zwischen Politik und Unternehmen, wolle politisches Sprachrohr in beide Richtungen sein. „Der Kreis Ahrweiler hat viel Potenzial, das bei Weitem noch nicht ausgereizt ist“, so Odenkirchen.