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Neue Ermittlungen in zwei Mordfällen: Bornheimer Mordfall "Ulrike Hingkeldey" bei Aktenzeichen XY

Neue Ermittlungen in zwei Mordfällen : Bornheimer Mordfall "Ulrike Hingkeldey" bei Aktenzeichen XY

Vor knapp 33 Jahren wurde die damals 20-jährige Ulrike Hingkeldey in Bornheim tot aufgefunden. Nach neustem Stand der Ermittlungen gibt es nun Zusammenhänge zu einem Mord einer damals 17-Jährigen in Velbert 1979. In der kommenden Woche werden diese Fälle bei Aktenzeichen XY neu aufgerollt.

In einen 33 Jahre zurückliegenden Bornheimer Mordfall kommt Bewegung. Am 19. August 1984 wurde an der heutigen Landstraße 281 bei Bornheim die Leiche der 20-jährigen Bonner Studentin Ulrike Hingkeldey aufgefunden. Von einem „Anhaltermord“ war seinerzeit die Rede, weil sich die Spur der jungen Frau am Kölner Verteilerkreis verlor, wo sie zu einem Mann in einen Sportwagen gestiegen sein soll, um zu ihren Eltern nach Wuppertal zu trampen.

Durch eine DNA-Untersuchung konnte die Kreispolizei Mettmann jetzt eine Verbindung zu einem Mordfall von 1979 in Velbert herstellen. Dort war ein Reiter am 26. Mai auf die zerstückelte Leiche der 17-jährigen Regina Neudorf aus Wülfrath gestoßen.

„Wir sind uns sicher, dass es sich um den gleichen Täter handelt“, sagt Ulrich Löhe, Leiter der Pressestelle der Kreispolizei Mettmann. Das habe eine DNA-Untersuchung jetzt ergeben. Hinweise, wer die Taten begangen hat, erhoffen sich die Ermittler nun insbesondere von einer Ausstrahlung in der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ am kommenden Mittwoch (26. April, 20.15 Uhr). Vor allem die „Zusammenführung der Fakten aus beiden Fällen“, so Löhe, könne in den Augen der Polizei dazu beitragen, dass sich jemand auch nach mehr als 30 Jahren noch an etwas Verdächtiges erinnere.

Hintergründe zum Mordfall Regina Neudorf

Auf Anfrage des GA teilte Ulrich Löhe, Leiter der Pressestelle der Kreispolizei Mettmann mit, dass sich neue Ermittlungsergebnisse aus einer DNA-Untersuchung ergeben haben: "Wir sind uns sicher, dass es sich um den gleichen Täter handelt."

Es sei nach so langer Zeit auch noch mal „eine besondere Art des Fahndungsdrucks“, meint Pressesprecher Robert Scholten von der Bonner Polizei, gerade auch weil gleich zwei Großräume – Mettmann und Bonn – betroffen seien. Zur DNA-Untersuchung sagt Scholten, dass an beiden Tatorten Spuren gesichert worden seien. Aus taktischen Gründen wollten die Polizeibehörden nicht näher darauf eingehen. Aber: Ein Abgleich mit einem Verdächtigen, ob dieser die Tat begangen hat, wäre möglich, so Scholten.

Parallelen zwischen den Mordfällen

Parallelen in den beiden Fällen gibt es zum einen bezüglich der Brutalität der Taten. So muss die junge Bonnerin so schwere Kopfverletzungen erlitten haben, dass ihr Gesicht unkenntlich wurde, berichtete der General-Anzeiger 1984. Vom Körper der 17-jährigen Verkäuferin aus Wülfrath trennte der Mörder Arme und Beine ab. Die „fachmännische Art und Weise“, wie die Gliedmaßen der Toten bereits vor dem Ablegen am Fundort abgetrennt worden seien, deuten laut der Polizei Mettmann darauf hin, dass es sich bei dem Täter „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ um einen Jäger, Metzger oder Schlachter handeln könnte.

Auf eine weitere Ähnlichkeit der Fälle weist Scholten hin: „Beide junge Frauen waren alleine unterwegs.“ Regina Neudorf machte sich am 24. Mai 1979 gegen 0.30 Uhr aus der Disco „Oldtimer“ in Velbert zu Fuß auf den Heimweg ins benachbarte Wülfrath. Ulrike Hingkeldey, die in Bonn Psychologie studierte und dort in einem Studentenwohnheim lebte, wollte am 18. August vom Verteilerkreis in Köln-Süd aus per Anhalter zu ihren Eltern nach Wuppertal fahren. Dort wartete sie zwischen 20.30 und 20.50 Uhr an einer Tankstelle auf eine Mitfahrgelegenheit. Ein Pappschild mit einem aufgemalten „W“ soll sie dazu bei sich gehabt haben. Mit Plakaten suchte die Polizei damals nach Zeugen in Gestalt von anderen Trampern – und wurde schließlich auch fündig.

Tätersuche bei "Aktenzeichen XY"

Von der Ausstrahlung in der Fernsehsendung Aktenzeichen XY erhofften sich die Ermittler daher speziell Hinweise zum Täter. Insbesondere die "Zusammenführung der Fakten aus beiden Fällen", so Löhe, könne in den Augen der Polizei dazu beitragen, dass sich jemand auch nach mehr als 30 Jahren noch an etwas Verdächtiges erinnere.

So gibt es auch eine Beschreibung des Wagens sowie des Mannes, mit dem sich Ulrike Hingkeldey auf den Weg in Richtung Bonn gemacht haben soll. Im November 1984 berichtete „Aktenzeichen XY“ schon einmal über den Fall und veröffentlichte die Hinweise: Der Autofahrer soll etwa 30 Jahre alt gewesen sein – er wäre heute also circa 63 Jahre – , hatte damals ein schmales Gesicht, dünnes, stark gewelltes blondes Haar und einen blonden Oberlippenbart, der bis zu den Mundwinkeln reichte. Er soll ein knallrotes Sweat-Shirt und darüber eine dunkle, ärmellose Jacke getragen haben. Das Auto mit Wuppertaler Kennzeichen soll einem Sportwagen geähnelt haben, etwa einem Datsun 260 ZX oder 280 ZX. War damals von einer Lackierung in rot oder dunkelorange die Rede, geht die Polizei laut Scholten heute davon aus, dass es sich auch um einen helleren Wagen gehandelt haben könnte.

Ein Radfahrer aus Wesseling war es dann, der am frühen Abend des 19. August 1984 den grausigen Fund machte und Ulrike Hingkeldey tot im Gebüsch fand. Beim Fundort handle es sich um einen „verwilderten Randstreifen neben einem asphaltierten Wirtschaftsweg, der dort eine Kurve macht“, so Scholten. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse gehen die Ermittler laut dem Polizeisprecher davon aus, dass der Fundort nahe der heutigen L 281 auch der Tatort war. Im Fall von Regina Neudorf, deren Leiche auf einer Zuwegung zu einem Gehöft in Velbert-Neviges nahe der Gebietsgrenze zu Wuppertal entdeckt wurde, nimmt die Polizei dagegen an, dass es sich nicht um den Ort der Tötung handelt.

Die Staatsanwaltschaft Bonn hat eine Belohnung von 3000 Euro ausgeschrieben für Hinweise, die zur Aufklärung des Falls Hingkeldey führen.

Wer Hinweise zu den Fällen geben kann, wendet sich an die Polizei Bonn unter 02 28/1 50 oder an die Polizei Mettmann unter 0 21 04/ 9 82 10 10.Im Fall Regina Neudorf wenden sich Zeugen an die Polizei Düsseldorf unter der Telefonnummer 0211/8700 und die Polizei in Velbert unter der Nummer 02051/9466110.