Mayschoß: Holzverkauf füllt den Gemeindesäckel

Mayschoß : Holzverkauf füllt den Gemeindesäckel

Mit schweren Schuhen, Regenjacken, Mützen und Handschuhen haben sie sich wetterfest eingepackt: Mitglieder des Mayschosser Gemeinderats auf dem Weg durch den Wald.

An dem trüben, regnerischen Tag wollen sie nicht etwa dem Christkind helfen, geschweige denn, einen Weihnachtsbraten organisieren. "Verkehrssicherung" und "Holzeinschlag" stehen auf der Tagesordnung für die Zusammenkunft der Vertreter des Weinorts. Revierförster Markus Noack ist dabei.

Es geht über den Radweg Ahr aufwärts. Ein paar blattlose Bäume hängen schräg über den Fluss. Es stellt sich die Frage, ob sie gefällt werden müssen. "Nein", sagt der Förster, wenn sie kippen, fallen sie ins Wasser und können herausgezogen werden, kein Verkehrsrisiko.

Anders ein Stück weiter auf dem Hang zwischen Bahn und Ahr. Die Böschung dort ist hoch aufgeschüttet, mit hohen Robinien und Ahornbäumen bestanden, starke Äste ragen über den Radweg. Sie könnten brechen und dabei nicht nur Radler in Gefahr bringen, sondern auch den Bahnverkehr.

Das Forstamt verfügt nicht über die erforderlichen Maschinen für Arbeiten an dieser sensiblen Stelle, sagt Noack. Spezialisten müssten her. Dann stellt sich die Frage, ob der Hang nicht Eigentum der Bahn ist, und diese zuständig wäre. Ein kleineres Problem ist der Belag des Radwegs, der an den Rändern stark mit Gras bewachsen ist. Die Gemeinde will den Bewuchs entfernen.

Eine schwer zu beantwortende Frage über Eigentum und Zuständigkeit stellt sich an der schmalen Unterführung unter dem Bahnkörper ein Stück weiter. Risse zeigen sich im Beton der Röhre, darum will die Bahn den Tunnel und damit den Weg zum südlichen Hang zuschütten. Falls die Gemeinde die Passage erhalten wolle, müsse die Unterführung laut Bahn für viel Geld erneuert werden, berichtet Bürgermeister Hans-Ulrich Jonas.

Geld, das Mayschoß nie wird aufbringen können. Durch Zuschütten würde allerdings der Zugang zu den Waldparzellen gekappt. Rechtsfragen und Eigentumsverhältnisse sind unklar. Man könne der Bahn anbieten, auf der Südseite der Schienen einen Fahrweg auszubauen, wenn sie den Tunnel schließt, schlagen einige vor. Angesichts des Steilhangs bezweifeln andere Ratsmitglieder die Machbarkeit.

Der Weg führt durch jüngst flurbereinigte Wingerte bergan und in immer neuen Windungen auf das von Wildschweinen kräftig durchwühlte Plateau, Gemarkung Altenahr. Dann geht ein schmaler Steig am Hang entlang durch den Wald und hoch zu einer Wegekreuzung. Der Schrock bleibt rechts liegen, es geht geradeaus über einen idyllischen schmalen Pfad zwischen Felsen und Abhang, der nach Meinung der Mayschosser Teil des Ahrsteigs werden soll. Er muss stellenweise dringend gesichert werden, einige Partien sind abgerutscht.

An der "Marienruh" ist die gefährliche Strecke überwunden. Im Wald sind kleinere Bäume markiert, die die Gemeinde an sogenannte "Selbstwerber" verkaufen will, Interessenten, die das Holz selbst schlagen und abtransportieren. Die Versicherungsfrage ist zu klären.

Wie Förster Noack ausführt, ist Holz im Preis kräftig gestiegen. Bruchholz, das abzufahren sich noch vor Jahren nicht lohnte, kann derzeit gut für Pellets verkauft werden. Selbst Material für Spanplatten erziele "hervorragende Preise", sagt der Förster. Äußerst lukrativ ist für Mayschoß der reguläre Holzschlag.

Unterm Strich kann die Gemeinde für 370 Festmeter Douglasien, die im kommenden Jahr geschlagen werden sollen, einen satten Gewinn von 8000 Euro erwarten, im laufenden Jahr sind es sogar 9000 Euro.

Auch Windkraftanlagen auf Gemeindeland könnten Geld in die Kasse bringen. Nach Meinung einiger Ratsmitglieder besteht allerdings kaum Aussicht auf Genehmigung, weil "nur nach Verhinderungsgründen gesucht" werde und "Barrieren hoch gespielt" würden. Noack führt dagegen die weiten Wege zur Einspeisung des Stroms ins Netz nach Altenahr oder Heckenbach an. Potenzielle Betreiber müssten die Rentabilität prüfen.

Der Regen hat sich verzogen, Sonne blinkt durch. Der Rat hat die Probleme erkannt, lösen konnte er sie unterwegs nicht. Auf der Saffenburg erwartet die Wanderer nach vier Stunden eine Stärkung mit Stockwurst und Brötchen und abschließend eine Sitzung in der kuschelig warmen Hütte.