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Diskussionen um Onlinespiel: Entwickler entfernen Petry aus "Schulzzug"

Diskussionen um Onlinespiel : Entwickler entfernen Petry aus "Schulzzug"

Ein Onlinespiel um Martin Schulz hat für Diskussionen gesorgt. Darin konnte der Spieler den SPD-Kanzlerkandidaten im Zug steuern und seine Gegner aus dem Weg räumen. Entwickler haben nun auf die Kritik reagiert.

Martin Schulz kennt derzeit scheinbar nur eine Richtung: geradeaus, ohne zu bremsen. Die Ernennung zum Kanzlerkandidaten löste eine Eintrittswelle bei der SPD aus, am Wochenende wurde er mit 100 Prozent der Stimmen zum SPD-Chef gewählt. Nun wurde das Onlinespiel "Schulzzug" herausgebracht. Und auch da geht es virtuell nur vorwärts.

Der SPD-Kandidat sitzt darin in einer kleinen Lokomotive und fährt immer vorwärts - natürlich in Richtung des Kanzleramtes. Der Spieler lenkt den Politiker über die drei Gleise und sammelt dabei Sterne und Münzen ein. Vorbei an Mauern und über Schranken nimmt der Schulzzug immer mehr Geschwindigkeit auf, sofern der Spieler den Hindernissen ausweicht.

Doch in der Urfassung ist es nicht nur bei Mauern und Schranken geblieben. Frauke Petry oder Donald Trump standen plötzlich selbst im Weg. Schaffte es der Spieler nicht rechtzeitig auszuweichen, gab es Minuspunkte. Wer allerdings den Europa-Stern aufsammelt, bekam Extrapunkte, wenn er beispielsweise in die Schranken oder in die Mauern mit den dahinterstehenden Politikern fuhr.

Das Spiel mit der rudimentären 8-Bit-Grafik, das sowohl im Internetbrowser als auch in der App für Android- und IOS-Geräte gespielt werden kann, entstand im März beim sogenannten Hackathon, wie die Berliner Morgenpost schreibt. Die SPD hatte dazu 40 Programmierer, Entwickler und Webdesigner eingeladen, die ihre Ideen dem Parteivorstand vorgelegt hatten. Dort wurde neben einer Foto-Plattform und einem Twitter-Analyse-Programm auch der Schulzzug von einem sechsköpfigem Team innerhalb von 18 Stunden entwickelt.

Ironisch oder geschmacklos?

Zu ernst sollte das Spiel nicht genommen werden, meint Henning Tillmann vom SPD-nahen Verein D64, der die Veranstaltung Hackathon organisiert hatte. "Ich denke, dass das alles mit gewisser Ironie zu sehen ist", sagte er gegenüber der Morgenpost.

Für Kritik sorgt das Spiel trotzdem. "Menschen in einem Spiel überfahren zu lassen, ist nicht wirklich witzig, geschmacklos", twitterte Julia Klöckner, Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz. Andere Twitter-Nutzer sprechen von einem "erbärmlichen Spiel" und bemängeln, dass Personen einfach so umgefahren werden können.

Viele scheint das jedoch nicht abzuschrecken: Mehr als 4000 Spieler haben bis Dienstagmittag den "bremsenlosen Spielspaß", wie die Macher das Spiel ankündigen, schon mitgemacht und mehr als 1,2 Millionen Schulzcoins eingesammelt.

Macher reagieren auf Kritik

Die Macher des Spiels haben nun allerdings auf die Kritik reagiert und angekündigt, das Spiel zu entschärfen. "Die Populisten, die dem Schulzzug den Weg versperren und wie von einem Schneepflug zur Seite geräumt wurden, haben zu dem Missverständnis geführt, dass wir es gut finden würden, Menschen zu überfahren", schrieb das Unternehmen auf Twitter. "Dem ist natürlich nicht so - das Spiel zielt nur auf die Ideologien und Weltanschauungen ebendieser Populisten ab." Als kurzfristige Lösung seien die Figuren aus dem Spiel genommen worden. Man arbeite an einer Alternative.