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Präsidentschaftswahlen am Sonntag: Wie Putin die Supermacht Russland erschaffen hat

Präsidentschaftswahlen am Sonntag : Wie Putin die Supermacht Russland erschaffen hat

Schon vor seinem absehbaren Sieg bei den Präsidentschaftswahlen am Sonntag wird Wladimir Putin von seinen Anhängern gefeiert. Als der Mann, der das Land zur Supermacht geformt hat.

Putins Gefolge feiert schon. „Russland ist offiziell Supermacht geworden“, erklärte der Duma-Abgeordnete Andrei Kosenko bei einem Wahlkampfauftritt auf der Krim. „Das Land Nummer Eins, offiziell, kompromisslos und unabänderlich.“ Kosenko verwies auf die Videoshow, mit der Putin am 1. März bei seiner Rede zur Lage der Nation neue Atomwaffen demonstriert hatte, die er „einzigartig“ „ideal“ und „fantastisch“ nannte.

Putins glatter Sieg bei den Präsidentschaftswahlen am Sonntag gilt als sicher, fast als nebensächlich angesichts des neuen russischen Selbstverständnisses: Wir sind wieder Weltmacht! Schon im Januar hatte die Trump-Administration in ihrer neuen Militärdoktrin Russland und China als Hauptbedrohungen bezeichnet.

Amerika billigt den Russen wieder den Status eines direkten Konkurrenten zu. Große Teile der westlichen Öffentlichkeit reiben sich die Augen: Das marode Russland ist wieder Supermacht? Wie hat Putin das geschafft? Wohin will er sein Land noch führen?

Atommacht und Land mit den größten Rohstoffreserven

Eigentlich ist Russland immer Supermacht geblieben. Das größte Land der Welt, das praktisch von jedem Konflikt in der nördlichen Hemisphäre betroffen ist, die größten Rohstoffreserven hat. Und als Erbe der Sowjetunion eine Atommacht, mit deren Arsenal von 6000 Nuklearsprengköpfen nur die USA (6000 Gefechtsköpfe) mithalten können.

Aber schon in den letzten Sowjetjahren hing die Weltmacht sichtlich durch. Der Absturz des Rubels auf dem Schwarzmarkt mündete 1991 in wirtschaftlichem Chaos, das bankrotte Imperium überließ ganz Osteuropa dem Westen, Staatschef Boris Jelzin torkelte durch die Öffentlichkeit, dazu fiel der Ölpreis Ende 1998 auf 10,45 Dollar pro Barrel.

Ein Jahr später dankte Boris Jelzin ab, zugunsten Putins, da kostete das Öl schon wieder 25,48 Dollar. Putin, keine 48 Jahre alt, wurde ein Präsident im Glück. Der Ölpreis stieg und stieg, bis 2013 auf 111 Dollar, das Bruttoinlandsprodukt verelffachte sich auf 2297,1 Milliarden Dollar. Russland erlebte sein Rohstoffexportwirtschaftswunder.

Zahl der Krankenhäuser halbiert

Putins Staat steckte den neuen Reichtum nur begrenzt ins Sozialwesen, die Zahl der Krankenhäuser hat sich unter ihm von 10.700 auf 5400 halbiert. Dafür veranstaltete Russland 2014 in Sotschi die teuersten Winterspiele in der olympischen Geschichte – für offiziell 44 Milliarden Dollar. Oder baut gerade mit der 462 Meter hohen Gasprom-Zentrale in Sankt Petersburg den höchsten Büroturm Europas.

Solcherlei Protz verweist auf neureichen Geltungsdrang. „Es ist geradezu rührend, wie diese Leute, die in den kriminellen 90er Jahren zu Geld und Macht gekommen sind, um Anerkennung ringen“, sagt die investigative Journalistin Anastasia Kirilenko, die sich mit den Verbindungen Putins und seiner Freunde zur russischen Unterwelt beschäftigt. „Sie wollen, dass die Welt sie liebt.“

Wie die meisten Russen denkt Putin viel mehr über den Westen nach als umgekehrt. Er hat seine Töchter in Moskau auf die Schule der deutschen Botschaft geschickt, 2001 bot er dem Bundestag in einer Rede auf Deutsch eine eurasische Sicherheits- und Wirtschaftsgemeinschaft an.

Der Westen aber hat sein Werben nicht ernstgenommen, hat nach Putins Ansicht den arabischen Frühling und den Maidan angezettelt, den Diktatorenkollegen Gaddafi totschlagen lassen. Seitdem beschwert sich Putin, der Westen wolle auch dem russischen Bären das Fell über die Ohren ziehen. Er meint vor allem sich.

Modern ausgerüstete Elitesoldaten

Putin wappnet sich, wehrt sich, kontert. Unter ihm explodierte auch der Militärhaushalt, von 3,8 Milliarden Dollar 1999 auf 90,4 Milliarden Dollar 2013. Im nächsten Jahr besetzten Putins „kleine grüne Männchen“ die Krim, modern ausgerüstete Elitesoldaten, die er freilich zuerst als Heimwehr der Krimrussen verkaufte.

Es folgte der als Volksaufstand getarnte Vorstoß ins Donbass und 2015 die Militärintervention in Syrien, wo die russische Luftwaffe Staatschef Baschar Assad aus der militärischen Klemme bombte. Fast scheint es, als versuche Putin jetzt als Kriegsherr, die Anerkennung des Westens erzwingen.

Dabei setzen die Russen in Syrien alte Kampfbomber wie die Su-25CM ein, Modelle, die schon vor 40 Jahren im Afghanistankrieg flogen. Aber sie setzen sie ein. „Niemand hat damit gerechnet, dass wir so entschlossen, so schnell und so dreist agieren“, freute Putin sich im Nachhinein über den Handstreich auf der Krim.

Ein ganzes Jahrhundert Siege

Dabei haben die vergangenen drei Krisenjahre Russlands offiziellen Wehretat auf 46 Milliarden Dollar gedrückt, ein Bruchteil der über 700 Milliarden Dollar des US-Militärhaushalts. Mit einem BIP, das niedriger ist als das Südkoreas, bleibt Russland eine Supermacht auf wackligen wirtschaftlichen Beinen.

Putin sagt über sich, von ihm heiße es, er „spiele mit schlechten Karten stark“, im Gegensatz zu seinen westlichen Gegenübern. Das bedeutet, der russische Präsident blufft eifrig, außerdem hält er sich für abgezockter als Merkel oder May. Aber inzwischen hat er es auch mit dem egozentrischen Bauchmenschen Donald Trump zu tun. Der macht auch gern den Cowboy, hat keine Skrupel, selbst scharf zu schießen. In Syrien mussten russische Söldner bei einem Vorstoß über den Euphrat eine blutige Niederlage gegen US-Truppen einstecken, die die Moskauer Staatsmedien lieber totschweigen.

Zuhause aber ist Putin unangefochten. „Ohne Putin kein Russland“, die Parole hat Parlamentssprecher Wjatscheslaw Wolodin schon vor Jahren ausgegeben. Putin, 65, ist topfit, sein Job macht ihm sichtlich Spaß, vor ihm könnten noch einige Päpste in Rente gehen. Im Wahlkampf versprach er den Russen ein ganzes Jahrhundert Siege.

„Rückständigkeit ist unser größter Feind“, betonte Putin in seiner Rede zur Lage der Nation und rief zum wirtschaftlichen, sozialen und technologischen Durchbruch auf. Das Vorhaben kündigt er seit 18 Jahren an. Zugleich feiert er den überlegenen Heroismus seiner Krieger, ihre waffentechnische Überlegenheit. Bluff oder nicht, bei Siegen scheint Wladimir Putin vor allem an Schlachtfelder zu denken.