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Kommentar zur Diesel-Abgasaffäre: Samthandschuhe

Kommentar zur Diesel-Abgasaffäre : Samthandschuhe

Die Autobauer verbuchen immer neue Absatzrekorde. Der passende Moment, sie in Sachen Nachrüstung zur Kasse zu bitten.

Man reibt sich die Augen vor Ungläubigkeit. Während die Bundesregierung hektisch nach Lösungen sucht, wie drohende Fahrverbote für Dieselfahrzeuge vermieden werden können, vermelden die für die Abgasmanipulationen verantwortlichen Autobauer immer neue Absatzrekorde. Der VW-Konzern hat in einem Januar noch nie so viele Fahrzeuge weltweit ausgeliefert wie im vergangenen Monat. Abgasaffäre hin oder her, Milliardenstrafzahlungen in den USA und ein überführter VW-Manager, der wegen der betrügerischen Reinigungssoftware ins Gefängnis musste – all das hat das Vertrauen der Kunden in die rollenden Produkte aus Wolfsburg in keiner Weise beschädigt.

Und was macht das Bundesverkehrsministerium? Es fasst die Branche immer noch mit Samthandschuhen an. Wenige Tage, bevor das Bundesverwaltungsgericht in der nächsten Woche ein Urteil zum Thema Fahrverbote wegen Stickoxidbelastung der Luft fällen soll, sickern Vorschläge durch, die Nachrüstung von Dieselmotoren mit Steuergeld zu subventionieren. Es reicht nicht, dass es in Deutschland keine Sammelklagen gibt, mit denen von den Autobauern geschädigte Dieselkäufer wie in den USA einfach auf ihre Kosten kommen. Nun könnte auch noch der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden, damit es klappt mit der Nachrüstung der veralteten Luftreinigungssysteme.

Tatsächlich gibt es keinen Grund, die Autobauer jetzt nicht zur Verantwortung zu ziehen. Oder andersherum: Es gibt viele Gründe, sie für die Nachrüstung allein zahlen zu lassen.