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Flüchtlinge in Ahrweiler: Kreis muss 1,3 Millionen Euro zusätzlich aufbringen

Flüchtlinge in Ahrweiler : Kreis muss 1,3 Millionen Euro zusätzlich aufbringen

476 Flüchtlinge hat der Kreis Ahrweiler in den vergangenen Monaten aufgenommen. Darin nicht enthalten sind die rund 300 Syrer, Iraker oder Afghanen, die derzeit in der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz oberhalb von Ahrweiler untergebracht sind. Sie wurden im Rahmen der Amtshilfe vom Land Rheinland-Pfalz unmittelbar in die Akademie vermittelt.

"Hinter diesen Zahlen stehen schlimme Einzelschicksale", meinte Landrat Jürgen Pföhler am Mittwoch. Gemeinsam mit Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger besuchte das Kreisoberhaupt das in ein Flüchtlingsheim umfunktionierte ehemalige Pfarrhaus in Westum, das drei Jahre lang leer stand und nun von der Barbarossastadt angemietet worden ist.

Derweil zieht der Flüchtlingsstrom auch finanzielle Folgen nach sich. Für den Kreis zeichnet sich bereits jetzt ab, dass alleine die Entwicklung der vergangenen Monate mit Zusatzkosten im Sozialetat von 1,3 Millionen Euro verbunden sein werden, die alleine vom Landkreis zu schultern sein werden. Zwar zahlen Bund und Land für einen Zeitraum von drei Jahren pro Flüchtling eine Pauschale von monatlich 513 Euro, doch die Kosten für Mieten, Nebenkosten, Krankenhilfe und nicht zuletzt Verpflegung sind weitaus höher: nämlich nahezu doppelt so hoch. "Gegenüber dem, was uns erstattet wird, bleiben wir auf 1,3 Millionen Euro sitzen", bilanzierte Pföhler, dessen Kreishaushalt ohnehin dramatisch von Sozialausgaben dominiert wird. Pföhlers Hilferuf an Bund und Land: "Wir brauchen finanzielle Entlastung."

Etwa die Hälfte der Flüchtlinge, die sich derzeit im Kreis Ahrweiler aufhalten, stammen aus Syrien, 36 Prozent sind aus den Balkanländern nach Deutschland und weiter nach Rheinland-Pfalz ins Ahrtal gereist. 35 Prozent der Flüchtlinge sind übrigens minderjährig, 59 Prozent sind unter 27 Jahren, keiner ist über 65. Das Gros sind Männer. Sie machen sich alleine auf den gefährlichen Weg nach Europa. "Nach ihrer Anerkennung als Asylant können die Familien dann legal nachreisen", berichtete Bruno Schlösser von der Ausländerbehörde des Kreises.

Safaa Souleimann wohnt nun mit ihren zwei Kindern im früheren Westumer Pfarrhaus. Sie stammt aus Syrien, ihre Kinder haben die irakische Staatsbürgerschaft, ihre Ehemann hält sich aktuell im Libanon auf. Seit einer Woche gehen die beiden Töchter in Sinzig zur Schule, Safaa Souleimann wird ab Montag im Westumer Kirchenchor mitsingen. Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger: "So wird die Integration schnell gelingen." Er hatte noch eine Überraschung parat: Ab nächsten Monat kann die kleine Familie in der Sinziger Innenstadt eine Wohnung beziehen, so dass Räume im Pfarrhaus dann für neue Flüchtlinge frei werden.

Denn mit ihnen rechnet Kroeger fest. Seine Stadtverwaltung habe sich darauf auch längst eingestellt. Die Sinziger Volkshochschule bietet daher Sprachkurse für Flüchtlinge an, die bestens angenommen werden. 80 Teilnehmer aus Krisenländern werden aktuell unterrichtet.