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Bettelgang in Oberdollendorf: An der Haustür klingelt der König

Bettelgang in Oberdollendorf : An der Haustür klingelt der König

Die Mitglieder der Sankt Sebastianus-Junggesellen-Bruderschaft sind am Samstag wieder zu ihrem traditionellen Bettelgang durch Oberdollendorf gezogen. Mit der Kiepe auf dem Rücken, der Schlenderpursch und der Sammelbüchse in der Hand, sammeln sie für Bedürftige.

Selbst Hund Anton hatte den richtigen Riecher. Pünktlich auf die Minute kehrte er mit Johannes und Angelika Müller vom Morgenspaziergang nach Hause in die Lindenstraße zurück. Sein Herrchen zückte bereits auf den letzten Metern das Portemonnaie: Ein Sammeltrupp der Sankt Sebastianus-Junggesellen-Bruderschaft hatte sich für Samstag angekündigt – zum traditionellen Bettelgang. Und deren Lied „He wunnt der Herr vun Dibbedibbedibb, der hät noch Wing em Fass…“ drang schon aus Müllers Nachbarhaus.

„Da habt ihr aber Glück mit dem Wetter“, meinte Müller. Er weiß, wie es ist, bei Regen oder Schnee mit der Sammelbüchse, der Kiepe auf dem Rücken und dem gefüllten Schlenderpursch – dem Weinkrug – durch die Straßen zu ziehen. Der frisch gekürte Erste Brudermeister der Männer-Bruderschaft war früher selbst als Junggeselle auf Betteltour. Diesmal kam sogar der König zu ihm – Robert Ott, der mit Marcel Herzog, Tobias Grünthal und Christian Wischrath eine Gruppe bildete.

Gleich mehrere Anwohner kamen den jungen Männern entgegen. Elfrith Schäble steckte ihren Beitrag in die Sammelbüchse, ebenso ihre neue Nachbarin Linda Molitor. Seit 15 Jahren lebt Schäble in Oberdollendorf. „Da sollte man sich auch um die Bräuche kümmern. Und es gibt auch im Dorf Bedürftige.“ Ein Drittel der Summe geht an sozial schwache Mitbürger, ein Drittel an das Waisenhaus in Opoczno im Bistum Radom – der polnischen Heimat von Pastor Dariusz Glowacki – und ein Drittel ist diesmal für die Priesterhochschule des Bistums Kinkala in der Republik Kongo gedacht, ein Projekt des früheren Kaplans Charles Moukala.

Bevor auch nur eine Münze in den Sammelbüchsen rasselte, hatten die Junggesellen diesmal bereits ein respektables Fundament. Denn: Das Plus von 2000 Euro der 1050-Jahr-Feier wurde unter den Vereinen verlost. Auch die Bruderschaft hatte Glück und kann nun mit 500 Euro den Sammelerlös für die Bedürftigen aus Oberdollendorf aufstocken.

Viel Erfolg wünschte Bernd Kinder, als er auf der Straße die Büchse bestückte. „Wir sind gleich weg. Ich habe schon gewartet.“ Rudi Osterritter, der König der Junggesellen von 1981, war auf die Ankunft vorbereitet und hielt den gerollten Geldschein parat. „Ihr singt so schön“, lobte er die Nachfolger. Der König klingelte am nächsten Haus. Georg Stein von Kamienski öffnete. Die Junggesellen sangen – und der Hausherr fütterte die Gelddose. „Wir unterstützen das gern.“

Seine Frau Astrid: „Wir gehen während der Kirmes zu den Paraden, ins Festzelt und zum Vogelschießen.“ Und Söhnchen Konstantin liebt die Kirmes allein schon wegen der Süßigkeiten. „Aber wir sind protestantisch. Unsere Söhne werden später nicht mitmachen können“, meinte Georg Stein von Kamienski, während er den gereichten Wein trank.

Die Sankt Sebastianus-Junggesellen-Bruderschaft ist Teil der katholischen Pfarrgemeinde, deren Ursprünge wohl bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen. Als die Pest wütete, legten Junggesellen aus Oberdollendorf und Römlinghoven ein Gelübde ab. Sollte auf Fürsprache des heiligen Sebastianus diese Seuche zu Ende gehen, wollten sie die Bruderschaft wiedergründen – mit dem Ziel der Förderung des religiösen und gesellschaftlichen Lebens: Am 24. Februar 1659 setzten sie das Vorhaben in die Tat um.

Auch das Haus von Ehrenpräsident Franz-Hubert-Werner Sand lag an der „Königsstrecke“. Von 1977 bis 1994 war er Präsident. „Es ist lobenswert, dass die Mitglieder der Bruderschaft den Bettelgang nach wie vor absolvieren.“ Sand: „Durch das Gelübde hat man einen Auftrag.“ Auf Dauer kann er sich vorstellen, dass sich die Bruderschaft durch die Ökumene noch mehr öffnet. „Es besteht auch die Möglichkeit, Gastmitglied zu werden.“

Die jungen Männer mussten weiter. Der Mittagstisch war bei einigen Eltern gedeckt. Am Morgen wurden die 15 Teilnehmer diesmal von Petra Heinekamp im Weinhaus Weinmühle mit einem Frühstück überrascht. Am Abend hatten die Junggesellen den südlichen Teil Oberdollendorfs bis zur Bachstraße abgeklappert.

Am Samstag, 4. Februar, ziehen die Junggesellen mit ihren Sammelbüchsen durch den Ortsteil Römlinghoven. Wer den Sammeltrupp verpasst, kann seine Spende auch überweisen.