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Freizeitkapitäne auf dem Rhein: Winterpause im Yachthafen von Hersel

Freizeitkapitäne auf dem Rhein : Winterpause im Yachthafen von Hersel

Noch sind die Bootsstege leer, aber Besitzer wie Bernhard und Sabine Krämer machen ihre Schiffe bereits fit fürs Frühjahr. Ab Ostern werden viele Boote wieder ins Wasser gelassen.

„Da geht heute gar nichts“, sagt Bernhard Krämer (57) während er versucht, eine Wetterprognose anhand der Wolkenbilder abzugeben. Eigentlich wollte er mit seiner Frau Sabine (56) an diesem Wochenende an der „Sabin“ („Heute würden wir unser Schiff anders nennen…“), einem zehn Meter langen Kajütkreuzer, gearbeitet haben. Doch bei der Kälte macht die Arbeit weder Spaß, noch Sinn. Das dicke, noch zu verlegende Kabel des neuen Bugstrahlruders lässt sich bei Kälte kaum biegen.

„Für anstehende Lackarbeiten sollten die Temperaturen auch nachts mindestens über fünf Grad liegen“, sagt er. Sein prüfender Blick zu den schweren Regenwolken ist größtenteils durch Boote verstellt, die unter ihren tropfend nassen Planen darauf warten, dass das Wasser bald wieder von unten kommt.

Schon bei dem Wort „Winterlager“ werden die meisten Bootsbesitzer melancholisch. Ihre Ausfahrten vom Herseler Werth in Richtung Mosel, Lahn, nach Holland oder auch mehr müssen warten. Erst zu Ostern werden die ersten der tonnenschweren Schiffe, die im Moment noch auf teilweise filigran anmutenden Stützen oder Holzkonstruktionen auf dem Land aufgebockt sind, wieder ins Wasser gelassen.

Jetzt sind noch die ansonsten verborgenen Schiffsrümpfe mit ihren teils mächtigen bronzenen Propellern, ihren Ruderanlagen und Kielflossen sichtbar. Meist sind die Rümpfe bis zur Wasserlinie mit schwarzer, grauer oder auch dunkelroter Antifoulingfarbe gestrichen, die einen geschwindigkeitsmindernden Algenbewuchs während der Liegezeiten im Wasser verhindern soll.

Erst darüber beginnen die meist weiß lackierten Schiffswände. Sie werden vor dem Wiedereinsetzen der Boote in den Rhein noch mit einer kräftezehrenden Politur auf Hochglanz gebracht. „Wir haben bisher in jedem Winter am Ausbau unseres Bootes gearbeitet“, sagt Krämer, der 1990 das von dem Herseler Bootsbauer und Stegbesitzer Peter Bauersch vor 35 Jahren gebaute Zehn-Meter-Schiff übernommen hat.

Mit viel Herzblut und Zeit

„Damals gab es nur einen recht unvollständigen Holzausbau“, erinnert sich Krämer. Inzwischen ist nicht nur der gesamte Innenausbau erneuert, sondern auch die Elektrik und die umfangreiche Navigationselektronik. Unzählige Stunden haben der Ingenieur Krämer und seine Frau Sabine mit der steten Verbesserung ihres Bootes verbracht. Noch im vergangenen Winter wurde ein neuer 200 PS starker Dieselmotor eingebaut. Und gerade sind die Schweißarbeiten am Bugstrahlruder beendet. Das Boot hat nun einen Grad an Perfektion erreicht, der den Traum, eines Tages damit ins Schwarze Meer zu fahren, immer realistischer erscheinen lässt.

Die Winterzeit ist für die meisten der etwa 70 Bootsbesitzer, die im Frühjahr an den Steg 5 zurückkehren werden, auch eine Zeit zum Träumen. Man geht zur jährlich in Düsseldorf stattfindenden Bootsmesse, um sich über den neuesten Stand der Technik zu informieren, Zubehör oder Ersatzteile zu kaufen oder auch den Gedanken durchzuspielen, wie es wäre, sich ein neues Schiff zu kaufen. Die Verführungen sind groß.

Doch Bootsbesitzer wie die Krämers, die viel Herzblut und Zeit in ihre bewährte „Sabin“ investiert haben, sind weit davon entfernt, sich von Neuem verführen zu lassen. „Ich kann mir nicht vorstellen, ohne Boot zu leben“, sagt auch Dieter Höfer (64) aus Widdig. 28 Jahre lang ist er mit einem kleinen Kajütboot auf dem Anhänger zur Insel Žut in Kroatien gefahren, bis er sich vor wenigen Jahren mit dem Kauf einer neun Meter langen norwegischen Nidelv-Yacht seinen Traum erfüllte. Dass er das komfortable Kunststoffboot „Žut“ genannt hat, lässt schon ahnen, wohin die Reise gehen soll, wenn erst einmal genügend Zeit dafür ist. Obwohl an seinem Boot alles perfekt zu sein scheint, gibt es auch hier in jedem Winter viel zu tun.

Die Wind und Wetter ausgesetzten Holzteile an Reling und im Cockpit müssen im Winterlager genauso gepflegt oder auch lackiert werden wie der Schiffsrumpf, der auf seinen Anstrich wartet, bevor er wieder zurück an den Steg geht, dem Höfer immerhin schon seit mehr als 40 Jahren die Treue hält.