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Kommentar zur Absetzung von Bernie Ecclestone: Überfällige Ablösung

Kommentar zur Absetzung von Bernie Ecclestone : Überfällige Ablösung

Mehr als vier Jahrzehnte bestimmte Bernie Ecclestone die Formel 1, in den letzten Jahren wurde er mehr und mehr zur Belastung.

Nichts bleibt für ewig, nur Bernie Ecclestone. Diesen Eindruck hatte man in den vergangenen Jahrzehnten in der Formel 1 gewonnen. Teams kamen und gingen, mehrere Fahrer-Generationen durchliefen den Rennzirkus, Sponsoren sprangen auf und wieder ab – und sie alle tanzten die ganze Zeit nach seiner Pfeife. Was der Zampano sagte, war Gesetz.

Es ist aber nicht angebracht, angesichts des Abgangs des kauzigen Briten zu frohlocken. Vielmehr muss man ihm Anerkennung dafür zollen, dass er eine einst von Schraubern, Bastlern und lebensmüden Piloten bestimmte Rennserie zu einem weltumspannenden Milliardenspektakel gemacht hat.

Ohne Ecclestone wäre aus der Formel 1 nicht das geworden, was sie heute ist. So brillant er als Geschäftsmann war, so fragwürdig waren seine Methoden. Er ging mit äußerster Härte vor, knebelte seine Partner, allen voran die Rennstrecken. Hauptsache, es zahlte sich für ihn aus. Die Geschäftsbeziehungen, die er aufbaute, waren so undurchsichtig wie die von ihm kreierten Firmengeflechte. Am Ende waren es die daraus generierten Gelder, die die Formel 1 groß machten. Doch zukunftsfähig war sie mit Ecclestone nicht mehr. Der 86-Jährige war in den letzten Jahren durch juristisch fragwürdige Winkelzüge und zunehmend irritierende öffentliche Verlautbarungen zur Belastung geworden. Auch für die Herausforderungen des digitalen Zeitalters war er nicht mehr der richtige Mann, seine Ablösung überfällig.

In Zeiten rückläufiger Zuschauerzahlen auf den Tribünen und vor den Fernsehern will Liberty Media mit Boss Charles Carey die Krone des PS-Sports in neuem Glanz erscheinen lassen. Was er und sein Sportchef Ross Brawn bisher von sich gaben, hört sich gut an und lässt hierzulande auch die Rennstrecken aufhorchen. Am Nürburgring darf man wieder auf Rennen hoffen – und, zusammen mit dem Hockenheimring, auf harte, aber faire Verhandlungspartner, die ihnen Spielraum geben, auch selbst Geld zu verdienen. Profitieren könnte am Ende auch der Fan durch womöglich wieder niedrigere Ticketpreise.