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Hälfte der Gründer findet Investoren: Heiratsantrag und Rieselmaschine in der "Höhle der Löwen"

Hälfte der Gründer findet Investoren : Heiratsantrag und Rieselmaschine in der "Höhle der Löwen"

Eine vielfältige Auswahl an Produkten präsentierten die kreativen Unternehmensgründer in der siebten Folge der aktuellen "Die Höhle der Löwen"-Staffel. Die Hälfte der Kandidaten ging erfolgreich nach Hause.

Für die Löwen hieß es am Dienstagabend: eine Reise durch rostfreie Spülmaschinen, die Welt der Apps für Kunstfans, eine neue Ära der Schultüten, funktionale Sportbekleidung und kulinarische Entdeckung der britischen Frühstückskultur. Drei der sechs Produkte fanden Anklang bei den Investoren und stehen nun auf dem Sprungbrett in die große Start-up-Szene. Vier der fünf Löwen gingen am Ende der Sendung zufrieden nach Hause, denn sie haben investiert: Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen und Ralf Dümmel. Nur Carsten Maschmeyer ging am Dienstagabend leer aus.

Rokitta´s Rostschreck und ein Heiratsantrag

Der 48-jährige Oliver Rokitta aus Stuttgart tüftelte bereits seit vier Jahren an seiner Idee und ist seit September 2016 auf dem Markt: Mit Rokitta's Rostschreck möchte er Rostbefall von Messern, Töpfen und Co. in der Spülmaschine vorbeugen und damit als "Problemlöser für Millionen Haushalte" auf dem Markt präsent sein. Rokitta beschreibt seine Erfindung als "kleinen Staubsauger", der wie ein starker Magnet den Rost anzieht und dann eliminiert. Er wird einfach in den Besteckkorb gepackt und zieht alle Rostpartikel an. Er übersteht rund 600 Spülgänge.

Bisher hat der Gründer knapp 400 Produkte verkauft, sieht aber einen Verkauf von einer Millionen jährlich mithilfe eines Investors als realistisch. Das wäre dann laut Rokitta "eine ganz andere Hausnummer".

Doch Oliver Rokitta startete am Abend nicht nur beruflich durch. Nach seinem Auftritt machte er seiner Freundin einen Heiratsantrag – live im TV.

Mit Tränen in den Augen blickte der 48-Jährige in die Kamera der Vox-Show und sagte: „Ich würde gerne mit meiner Freundin Nadine auch einen Deal machen. Ich würde dich gerne heiraten. Also, wenn du das jetzt siehst Nadine, halte ich hiermit um deine Hand an. Ich liebe dich!“

Die Angebote

Nachdem vier der fünf Löwen ausgestiegen sind, meldete sich Ralf Dümmel zu Wort, der bei den vorigen Diskussionen eher im Hintergrund geblieben war. Er nennt sich selbst einen "großen Fan von Problemlösern" und ist davon überzeugt, dass es einen riesigen Markt für Rokitta's Rostschreck gibt. Er bot Oliver Rokitta ein "Rundum-sorglos-Paket" an und der Deal war nach wenigen Sekunden in trockenen Tüchern. Für 100.000 Euro Investition vermachte der Erfinder Dümmel als Investor einen Firmenanteil von 35 Prozent.

WYDR

Timo Hahn (38) und Matthias Dörner (35) aus Zürich wollten mit der Unterstützung eines Investors den "angestaubten Kunstmarkt revolutionieren": Mit ihrer App WYDR – einem "Tinder für Kunst" – wollen die Erfinder Kunst für den breiten Markt sichtbar und zugänglich machen. Künstler, Studenten, Hobbymaler und Co. können ihre Werke jeglicher Art in der App hochladen und online verkaufen. Darauf kommt dann eine Kommission von 30 Prozent. Die potenzielle Käufer können dann entweder nach links "swipen", wenn ihnen das Bild nicht gefällt oder nach rechts, wenn es gefällt. Danach können sie weitere Details über das Kunstwerk erfahren, bevor es via Warenkorb nach dem Prinzip des Online-Shoppings gekauft werden kann.

Ihr Angebot für die Löwen - 20 Prozent Firmenanteil für 249.999 Euro - überzeugte keinen der fünf Jurymitglieder als Investor – und leider auch nicht als Kunden. Die Idee war gut, der Business-Plan ließ in den Augen der Profis jedoch zu wünschen übrig. Hahn und Dörner mussten zwar viel Kritik einstecken, sagten aber nach der Sendung, dass sie sich nicht unterkriegen lassen würden.

Schultüten und Sportbekleidung

Der kleine Knick

Bei Tobias Otto (35) und Johanna Kettner (37) aus Hamburg wurde es niedlich und bunt: In ihrer Elternzeit hatten sie plötzlich eine Idee, die Eltern unter die Arme greifen könnte, wenn die Kinder eingeschult werden. Um aufwändiges Basteln, Kleben und Verzieren zu ersparen und eine neue Form der Schultüte zu entwickeln, haben sie vor rund zwei Jahren "Der kleine Knick" entwickelt. Mit neuartigen Varianten in jeglichen Farben und Formen, die einfach zusammengesteckt werden, wollen sie die Welt der Schultüten verändern. Das Besondere: Ihre Schultüten haben die Form von Drachen, Einhörnern und Co. und können auf Beinen stehen. So sollen sie laut der Erfinder als "kleine Freunde" den Erstklässlern bei ihrer Einschulung als treuer Begleiter zur Seite stehen.

Für ihre Idee wollten Otto und Kettner 50.000 Euro von einem Investor erhalten und boten im Gegenzug 20 Prozent Firmenanteil. Doch trotz einer niedlichen Dino-Schultüte gefüllt mit Leckereien für jedes Jury-Mitglied konnte das Hamburger Paar nicht überzeugen. Die Löwen sahen die Idee als Saisongeschäft an, kritisierten ein fehlendes Geschäftsmodell und ließen sich nicht überzeugen. Fazit der Löwen: gutes Produkt, aber nicht überzeugend für eine Investition.

Morotai

Vier athletische Männer betraten mit schlichten Sportklamotten und Kapuzen bekleidet den Raum. Bei diesem Anblick erwarteten die Löwen viel – und wurden nicht enttäuscht. Mit ihren Sportoutfits der Marke Morotai vereint das vierköpfige Gründerteam Funktionalität und Style, mit dem Fokus auf Klarheit und Einfachheit. Desigener Rafy Ahmed (28) hat ursprünglich anstatt einer Bachelorarbeit den Versuch gewagt, eine eigene Modekette zu entwerfen. Sein Ziel: Sportkleidung für alle gängigen Sportarten anzufertigen, klare Farben und Design zu verwenden und gleichzeitig auch alltagstauglich zu sein. Gemeinsam mit seinen Freunden und Partnern Waldemar Wenzel (29), Werner Strauch (33) und Andreas Maier (31) hat Rafy Ende 2016 das Start-up gegründet und seit Mitte 2017 den Markt betreten.

Dank eines Online-Shops und Kooperationen mit Fitnessstudios lebt das Team bereits seinen Traum: eine 50-teilige Kollektion für Damen und Herren ist schon auf dem Markt, eine Kinderlinie ist ebenfalls geplant – diese soll sich hauptsächlich an Alltagssportler mit verschiedensten Anforderungen richten.

Die Angebote

Durch ihr charmantes und professionelles Auftreten wickelten die vier Gründer direkt zwei Löwen um die Finger: Ralf Dümmel bot 75.000 Euro Investition und forderte dafür einen Firmenanteil von 25,1 Prozent. Dagmar Wöhrl sah viel Potenzial und versprach sich als ideale Investorin für Morotai. Deshalb stellte sie 100.000 Euro zur Verfügung und forderte im Gegenzug 20 Prozent Anteil. Die Entscheidung fiel dem Morotai-Team nicht schwer: Sie entschieden sich für ihre "Wunsch-Löwin", die ihnen als Eintrittskarte in die Modehäuser ganz Deutschlands zur Seite stehen kann.

Rieselmaschine und Frühstücksbrei

Fairy Snow

Die Geschwister Romy (31) und Leon Stein (30) aus Frankfurt beeindruckten mit ihrem Familienunternehmen: Ursprünglich eine Idee ihres Vaters, präsentierten die beiden ihre einzigartige Rieselmaschine für den Theater- und Eventbereich – die Technik bereits patentiert. Ob Schnee, Regen, Laub, Konfetti oder Blumen – mit "Fairy Snow" machen die Geschwister jedes Event und jede Show zu einem Hingucker. Sie warben damit, dass es eine Revolution für die Bühnen der Welt sei und sie bereits europaweit "Fairy Snow" vertrieben haben. Dennoch wollen die Stein-Geschwister mehr und sehen bei ihrem Produkt ein "weltweit gigantisches Potenzial". Um endgütig den Markt offiziell zu betreten, planten die Gründer ein Investment von 150.000 Euro ein und boten dafür 20 Prozent ihrer Firmenanteile.

Die Idee der beiden erhielt viel Zuspruch unter den Löwen. Frank Thelen sah sogar so viel Potenzial, dass er eine Investition von extern für nicht notwendig hielt. Die anderen Löwen teilten ebenfalls die Begeisterung, sahen "Fairy Snow" aber als Nieschen-Produkt oder zu unpassend für ihre Portfolios an. Deshalb mussten Romy und Leon die Sendung mit leeren Händen verlassen.

3Bears

Caroline Steingruber (32) aus München und Freund Tim Nichols (35) aus Manchester haben sich direkt zu Beginn von Carolines Auslandspraktikum in England kennen und lieben gelernt. Und auch die britische Frühstückskultur hat es der jungen Frau mit ihrem Porridge angetan. Deshalb wollte sie die englische Variante des Haferbreis auch in Deutschland etablieren. "Wir wollen den deutschen Frühstücksmarkt verzaubern, mit einem Gericht, mit dem man in England aufwächst", beschrieb Tim die Intention hinter der Idee.

Die beiden wagten den Sprung, kündigten ihre Jobs, führten eine Fernbeziehung und investierten all ihr Erspartes und sind seit Mai 2016 auf dem deutschen Markt. Mit "3Bears", benannt nach dem englischen Märchen, im Deutschen als "Goldlöckchen und die drei Bären" bekannt, wollen sie als Qualitätsprodukt den Frühstücksmarkt erobern. Bereits drei Geschmackssorten sind in den Geschäften erhältlich, die allesamt den Prinzipien ohne Zuckerzusätze und andere Zusätze, fairer Preis und besonders lecker, folgen.

Die Angebote

Mit ihrem Auftritt haben Caroline und Tim gleich zwei Investoren überzeugt: Judith Williams und Frank Thelen. Im Team wollen sie den beiden Erfindern als Co-Gründer zur Seite stehen und den Porridge-Markt in Deutschland stürmen. Dafür investieren die Löwen 150.000, jedoch zu jeweils 15 Prozent, also 30 Prozent Firmenanteil insgesamt. Damit ist für das deutsch-britische Paar ein Traum in Erfüllung gegangen.