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"Arbeit 4.0": Ein Puzzle für die Arbeitsministerin

"Arbeit 4.0" : Ein Puzzle für die Arbeitsministerin

Andrea Nahles besucht das Fraunhofer-Institut in Birlinghoven, wo Anwendungen für die "Arbeit 4.0" entwickelt werden. Glaubt man Fachpolitikern und Wirtschaftsforschern, befindet sich Deutschland damit in die Arbeitswelt von morgen.

"Arbeit 4.0". Wieder so ein abstraktes Schlagwort des politischen Betriebes. Glaubt man Fachpolitikern und Wirtschaftsforschern, befindet sich Deutschland auf dem Weg in die "Arbeit 4.0", in die Arbeitswelt von morgen. Am Anfang war die Dampfmaschine, mit der die Industrialisierung begann. Dann kam das Fließband, dann der nächste Umbruch mit der Einführung von Computern in Büros und in der Fertigung. Und nun?

Auf die Frage, wie es weitergeht in der Arbeitswelt, haben sie im idyllischen Pleiser Hügelland eine Antwort. Im Schloss Birlinghoven sitzt die Fraunhofer-Gesellschaft mit rund 500 Beschäftigten und entwickelt Modelle und Anwendungen, die teilweise schon heute eine Brücke in die Zukunft schlagen. Gestern kam Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zu Besuch, um sich praktische Einblicke zu verschaffen.

Für Nahles steht das Thema ganz oben auf der Agenda. Vor wenigen Tagen hat sie ein Grünbuch "Arbeit 4.0" veröffentlicht, in dem sie Vorstellungen und Fragestellungen zur Arbeitswelt der Zukunft skizziert. 2016 soll ein Weißbuch folgen, in dem sie Antworten geben will. Sie wolle "versuchen, die gesellschaftliche Dimension darzulegen", sagt die Ministerin, und auch "über die Ängste ins Gespräch kommen".

Doch die gesellschaftlichen Auswirkungen von Digitalisierung und Vernetzung der Arbeitswelt sind bei den Fraunhofer-Forschern erst einmal nicht das Thema. Die beschäftigen sich mit ganz praktischen Anwendungen. Zum Beispiel für die Autoindustrie. Puzzleaufgabe für die Ministerin: Sie soll einige komplex geformte Aluminium-Werkstücke in einer kleinen Drahtkiste so anordnen, dass sie möglichst wenig Platz wegnehmen. Ein alltägliches Problem etwa in der Autoindustrie, wo hohe Kosten anfallen, wenn Teile zwischen den Produktionsstandorten hin und her transportiert werden müssen. Nahles stellt die Aluminium-Teile aufrecht hin, aber eigentlich müssen sie gelegt werden. Die Fraunhofer-Forscher haben für das Problem ein Programm namens "Pack Assistent" entwickelt.

"Wir liefern über die Software eine Ansicht, wie man die Teile möglichst platzsparend anordnet", erklärt Entwickler Stefan Rank. Der Autokonzern Audi habe errechnet, dass er durch den Einsatz des Programms allein bei Verpackung und Transport eines Scheinwerfer-Typs 57.000 Euro pro Jahr sparen kann, wie Institutsmitarbeiter Michael Krapp erläutert. Ein anderer Entwickler präsentiert eine Brille, die über ein internes Display Inhaltsstoffe von Flüssigkeiten anzeigen kann. Wieder ein anderer hat mit seinem Team eine Programmier-Software namens "Roberta" für Grundschulkinder entwickelt. Die können damit zum Beispiel einem handelsüblichen Lego-Roboter spielerisch beibringen, wie ein Segway auf zwei Rädern die Balance halten kann.

Institutsleiter Stefan Wrobel formuliert dafür ein anspruchsvolles Ziel: "Ich möchte, dass alle Grundschüler in Deutschland das Programm nutzen können", so Wrobel, "Wir wollen eine Generation der Gestalter heranziehen, nicht eine der Nutzer."

Für den Gast aus Berlin ein gutes Stichwort. Denn für Nahles steht beim Stichwort "Arbeit 4.0" das Thema Lernen ganz oben: "Qualifizierung ist die eigentliche Herausforderung", sagt sie - und zwar nicht nur für Schüler, sondern auch für jene, die in den Betrieben täglich mit dem Wandel der Arbeitswelt konfrontiert werden.