Kommt jetzt der Staatsbankrott? Eurozone bereitet sich auf Griechenland-Pleite vor

BRÜSSEL · Damit dürfte die griechische Regierung nicht gerechnet haben: Die Unterhändler des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Gespräche über eine Rettung des Landes am Donnerstag verlassen. Was bedeutet das? Taumelt Athen nun ungebremst der Staatspleite entgegen? Unser Brüsseler Korrespondent Detlef Drewes beantwortet die wichtigsten Fragen.

Bedeutet der Auszug des IWF das Ende der Rettung Griechenlands?

Nein. Die IWF-Vertreter haben nur so reagiert, weil es seit Wochen keinerlei Fortschritte bei den Verhandlungen in Brüssel gegeben hat. Sollte Athen zu Zugeständnissen bereit sein, würde der IWF zumindest bisher wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Ist der Staatsbankrott damit unausweichlich?

Eine allerletzte Chance gäbe es, wenn sich die Beteiligten bis zum kommenden Donnerstag einigen. Dann tagen die Finanzminister des Euro-Raums, die ein positives Verhandlungsergebnis billigen und damit die noch ausstehenden 7,2 Milliarden Euro aus dem zweiten Rettungspaket freigeben könnten. An dieser Summe ist der Internationale Währungsfonds ja auch beteiligt.

Die Einbeziehung des IWF ist ja sehr umstritten. Warum eigentlich?

Ursprünglich wollte man die 1944 in Washington gegründete Organisation, die auf internationale Finanzhilfen spezialisiert ist und die von 188 Länder finanziert wird, unbedingt dabei haben. Nicht nur, weil der IWF eigenes Geld mitbrachte, sondern weil er an den Finanzmärkten auch einen guten Ruf hatte - trotz einiger schwerer Fehler bei Rettungsversuchen maroder Länder in der Vergangenheit. Dennoch sagte man dem IWF nach, ein strenger Prüfer zu sein, der Geld nur bei entsprechenden Reformen freigab. Viele Europa-Abgeordnete sind deswegen ebenso wie die Bundesregierung davon überzeugt, dass man ohne den Fonds keine weiteren Hilfen leisten sollte.

Aber nicht alle sind davon überzeugt?

Es ist kein Geheimnis, dass die EU-Kommission und auch die Europäische Zentralbank lieber ohne den IWF weitermachen würden. Diese beiden Organisationen scheinen eher bereit, auf strenge Regeln zu verzichten und großzügig zu sein.

Hinzu kommt aber auch, dass den IWF-Experten im Fall Griechenland Fehleinschätzungen unterlaufen sind. 2010 sagten sie für Griechenland im Jahr 2012 eine Arbeitslosigkeit von 15 Prozent voraus. Heute sind es 26 Prozent. Der Wirtschaftseinbruch wurde für 2012 mit 5,5 Prozent berechnet. Tatsächlich waren es bis dahin 17 Prozent, inzwischen sogar 25 Prozent. Das hat dem Ansehen des IWF und den Hilfsbemühungen der Europäer sehr geschadet.

Mit wie viel Geld ist der IWF in Griechenland engagiert?

Washington hat 30 Milliarden Euro für das zweite Hilfspaket zugesagt, das sind zwölf Prozent des griechischen Bruttoinlandsproduktes.

Stürzt Griechenland ab, wenn der IWF aus den Verhandlungen aussteigt?

Vermutlich würden EU-Kommission, Euro-Zone und die Europäische Zentralbank noch einmal versuchen, einen Ausweg zu finden. Aber so, wie die Verhandlungen in den vergangenen Wochen gelaufen sind, sind die Chancen dafür gering.

Sollte man in Athen also hoffen, dass der Euro-Raum in letzter Minute nachgibt und das Geld auszahlt, obwohl die Reformen nicht zugesagt wurden, hat man sich wohl verrechnet. Die Verärgerung über die hellenische Regierung sitzt zu tief, und das Gespenst eines Ausstiegs aus dem Euro hat längst seinen Schrecken verloren. Auch wenn der Image-Schaden für die Währungsunion zweifellos groß wäre.