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Trucker, Typen, Temperamente: Treue Fans beim Truck-Grand-Prix auf dem Nürburgring

Trucker, Typen, Temperamente : Treue Fans beim Truck-Grand-Prix auf dem Nürburgring

Der Truck-Grand-Prix auf dem Nürburgring findet auch abseits der Strecke statt. Er ist für viele Männer ein Lebensgefühl.

Parkplatz D6 ist ihr Domizil. Viele treue Fans des Truck-Grand-Prix auf dem Nürburgring kommen schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, um ihre gemeinsame Leidenschaft für den Motorsport der tonnenschweren Gefährte auch abseits der Strecke und Tribünen zu zelebrieren.

Schon lange ist Ordnerin Rita Schmitz gemeinsam mit ihrem Mann Karl keine Barriere mehr, die es in Richtung Campingplatz zu überwinden gibt, sondern das lieb gewonnene Eingangstor zu einem festen Urlaubstermin im Jahr. Seit 1995 sorgt sie tagsüber die ganze Woche vor und während der Veranstaltung dafür, dass die Anfahrt geregelt verläuft und der Platz bestmöglich besetzt werden kann: „Wir sind hier eine große Familie, viele kommen mit Kind und Kegel.“ So einige Kinderwagen sind mit den Jahren schon an ihr vorbeigerollt: „die Tradition vererbt sich.“

Der Truck-Grand-Prix wie er sich auf dem D6 zeigt ist nicht nur eine Angelegenheit für harte Männer. Auch wenn diese gerne einmal spätnachts mit einer Sirene auf ihrem Zeltdach die Familienväter aus der Nachbarschaft aufscheuchen, hält sich Streit doch in Grenzen. Jeder findet morgens wie abends ein nettes Wort und klagt höchstens einmal über platt gestandene Füße.

„Das Wetter ist durchwachsen, schlecht“, doch davon lassen sich Hajo Baumans und seine Krefelder Mannen von den „Truckfreunden Traar“ nicht unterkriegen: „Urlaub kann man planen, das hier steht fest!“ Mit Hausschlappen an den Füßen und einem kühlen Gerstensaft im Glas zelebrieren sie ihren zehnten Ausflug an den Ring nach der Premiere 2005. Einst haben sie mit einem kleinen Zelt begonnen, jetzt spannt sich eine große Plane vom mitgebrachten Anhänger bis in die dunkle Höhle ihres Zeltes, wo sich neben zwei Feldbetten und zwei Luftmatratzen alles findet, was man für einen viertägigen Trip braucht, den auch das schlechteste Wetter nicht mehr schocken kann.

„Nachts werden es auch einmal bloß zehn Grad, aber wir sind mittlerweile abgehärtet“, grinst Baumans. Während man am Campingtisch sitzt, kommen einige Erinnerungen hoch. So wunderte sich Wolfgang Jungrichter bei einem Rennen, was das für seltsame Krähen seien, die da von der Rennstrecke herüberfliegen. Als die „Krähen“ knapp vor den Zelten aufschlugen wurde klar: das waren Reifenteile. Unvergessen auch das Rennen, als eine einzige Regenwolke dafür sorgte, dass komplettes Chaos auf der Rennstrecke ausbrach.

Der Truck- Grand-Prix ist für die vier Männer ein Lebensgefühl: „Am Ende sind wir natürlich wieder froh zu Hause zu sein, aber schon nächsten Dienstag ist uns allen klar, dass es nächstes Jahr wieder an den Ring gehen wird.“

Eine Rabatte weiter sitzt Familie Schraa in großem Kreis beieinander und genießt einen der wenigen Sonnenstrahlen des Tages. 1986 haben die Trucks Peter Schraa zum ersten Mal an den Nürburgring geführt. Der typische Truckerhut, den hier alle Männer tragen, gibt mit seinen zahlreichen Plaketten ein beredtes Zeugnis der vergangenen 31 Jahre. Mittlerweile in dritter Generation sind die Schraas aus Gelsenkirchen überzeugte Fans der Brummiboliden. „Die Familie wurde immer größer“ und so säumen heute vier große Zelte den Weg: „Wir kommen immer dienstags, immer dritte Reihe.“

Für Großvater Peter steht das Gesamtpaket des Grand Prix im Vordergrund. Zu einem spannenden Rennen müssen auch die Traditionen des Campingsplatzes wie gute Country-Musik und der enge Austausch mit den Nachbarn kommen und die Angebote rund um den Ring dürfen auch nicht fehlen.

„Es ist hier alles sehr kinderfreundlich“, freut sich das Familienoberhaupt, dessen Kindern und Enkeln ein Leben ohne die Trucks, ohne den Ring nicht vorstellbar ist. „Um den Lärm wissen wir“, aber man wüsste worauf man sich einlasse: „Bis drei Uhr spielt jeder seine eigene Musik. Das ist in Ordnung und dann auch meistens gut.“

Langsam sinkt die Sonne über dem D6 hernieder und die ersten Grills werden hervorgekramt. Man hat gehört, dass in der Nachbarschaft fünf Dutzend Eier vorhanden seien. Mit der Perspektive, dass das Frühstück gerettet ist und mit der Erwartung auf ein hoffentlich trockenes Hauptrennen senkt sich die Nacht hernieder, die aber am Nürburgring niemals früh endet.