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Geheimnisse gelüftet: Der schwere Weg zum Hit

Geheimnisse gelüftet : Der schwere Weg zum Hit

Der Musikdozent Volkmar Kramarz hat in der Bad Godesberger Musikschule "StageFIT" Tipps zum Liederschreiben gegeben. Der 58-Jährige weiß, wovon er spricht. Er ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Kramarz ist Dozent für Musikwissenschaften an der Uni Bonn, Hörfunkexperte, Mitbegründer des WDR-Jugendradiosenders "1Live" und Autor des Buches "Die PopFormeln".

Der Sommer naht, die Temperaturen steigen. Da zieht es viele an den Rhein oder ins nächstgelegene Eiscafé. Doch längst nicht alle sind auf der Suche nach einer Abkühlung. Eine Gruppe von mehr als 30 musikbegeisterten jungen Bonnern hat ihren Weg in die "StageFIT"-Musikschule in Bad Godesberg gefunden, um in einem Kursus des Bonner Musiknetzwerks dem Geheimnis des Liederschreibens einen Schritt näher zu kommen. Denn Workshop-Leiter Volkmar Kramarz möchte verraten, wie man einen Hit schreibt.

Unter ihnen ist auch die 16-jährige Kirsten Fabritius. Kirsten schreibt, wie die anderen auch, Songs. Für sie sei es "nur ein Hobby", welches sie aber sehr ernst nehme, erzählt die Oberstufenschülerin des Bonner Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA). In diesem Jahr kam sie mit ihrem Song "Every Day", den sie im Rahmen des Musikunterrichts in der Schule geschrieben hat, sogar ins Finale des Songwriter-Wettbewerbs "XpressYourself".

Die Schülerin sitzt zusammen mit den anderen Songwritern im "Theater" der Musikschule. Es ist ein großer Veranstaltungsraum mit freiem Blick auf die Godesburg und den Petersberg. Doch die Augen der Workshop-Teilnehmer sind auf Kramarz gerichtet. Der 58-Jährige weiß, wovon er spricht. Er ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Kramarz ist Dozent für Musikwissenschaften an der Uni Bonn, Hörfunkexperte, Mitbegründer des WDR-Jugendradiosenders "1Live" und Autor des Buches "Die PopFormeln". Unter anderem erforscht er, nach welchen Parametern sich der Erfolg eines Songs berechnen lässt.

Während Kramarz seine Zuhörer in die jüngere Musikgeschichte entführt und unter anderem von der musique concréte erzählt, einer Musikrichtung, bei der Klänge beispielsweise aus der Natur aufgenommen und elektronisch verfremdet werden, herrscht absolute Stille im Raum. Einige haben Blöcke dabei und schreiben fleißig mit.

"Ihr müsst aus den alten Mustern herauskommen. Schafft Neues, haltet euch nicht an A- und C-Dur", sagt Kramarz. "Ihr müsst werkfixiert arbeiten." Früher habe man Songs nach einfachen Bausteinen zusammengebaut. Der Ton war vorgegeben. Heutzutage gäbe es nur noch sehr wenige Bausteine, die Songwriter intentionalisieren die Musik. Es werde tagelang am Sound gefeilt, so lange bis er perfekt sei.

Sogenannte Soundlogos - ungewöhnliche Klänge - würden eingebaut, die den Song unverwechselbar machten. Als Beispiel nennt der Dozent Lena Meyer-Landruts "Satellite". Kramarz greift zur Gitarre und spielt die ersten, unverkennbaren Akkorde, die sofort ins Ohr gehen. Es seien Akkorde, die beim Hörer eine "Wohligkeit" auslösen und ihn zum Kauf des Liedes anregen würden. Signifikant für Lenas Interpretation sei unter anderem auch ihr außergewöhnliches Englisch.

Kurz vor Ende des Workshops meldet sich Kirsten. Sie fragt, ob sie ihren mitgebrachten Song "Every Day" einmal vorspielen dürfe. Die junge Frau erhofft sich Feedback von Kramarz und den anderen Teilnehmern. Die 16-Jährige stellt sich vor das Publikum und spielt ihren Song ab.

Sie hat ihn nicht nur geschrieben, sie singt (und interpretiert) ihn auch. Ihr erwartungsvoller Blick schweift über das Publikum. Kramarz, der beim Song mitwippt, stoppt die Aufnahme und lässt sie vom Publikum analysieren. Einige Tipps gibt es: Der Musikprofi rät Kirsten, ein wenig am Rhythmus zu arbeiten, sowie ihre Stimme etwas "zickiger" zu gestalten. Eins aber sei sicher: Sie sei auf dem richtigen Weg und müsse "unbedingt dran bleiben".

Tipps fürs Songwriting

Wichtig sei es, sich von Beginn an für eine Musikrichtung zu entscheiden, sagt Dozent Volker Kramarz. Ein Mix aus verschiedenen Genres "sei gar nicht gut". Des weiteren soll man während des Liederschreibens experimentieren und sich nicht auf alte Musikmuster stützen. Der fertige Song soll eine "Wohligkeit" beim Hörer auslösen, die ihn dazu veranlasst das Lied auch zu kaufen. Dies kann man mit griffigen Akkorden, einer schönen Harmonie sowie Emotionen erreichen, so der Fachmann. Dankbare Hörer sind laut Kramarz vor allem die Zehn- bis Zwölfjährigen. Diese sind musikalisch noch relativ unvoreingenommen und lassen sich einfacher begeistern.