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Naturschutz im Siebengebirge: Die Kröten können kommen

Naturschutz im Siebengebirge : Die Kröten können kommen

Die Amphibienwanderung kann beginnen. Denn die Krötentunnel entlang, beziehungsweise unter der Kreisstraße 25 zwischen der L 268 bei Kloster Heisterbach und der L 490 bei Vinxel sind fertig.

Wie die 14 Querungshilfen für die Sicherheit der Tiere sorgen sollen, erklärten am Mittwoch Patrick Andres vom Auftrag gebenden Rhein-Sieg-Kreis und Martin Jacobi, der das Vorhaben für „Chance 7“ begleitet hat. Aus den Mitteln des Naturschutzgroßprojekts wurden die 479.000 Euro teuren Arbeiten für die Querungshilfen zu 95 Prozent gefördert. Den Rest übernahm der Kreis selbst.

Zwölf Wochen haben die Bauarbeiten gedauert, und genau so lange war auch das Teilstück der K 25 dafür gesperrt. Die Strecke ist seit Karfreitag wieder für den Verkehr freigegeben. „Noch hat die Krötenwanderung nur zaghaft begonnen“, sagte der Geo-Ökologe Jacobi (51) am Mittwoch. Dafür seien die Nächte bisher einfach noch zu kalt gewesen.

Jedoch sei es möglich, dass es an diesem Wochenende richtig losgehe. Vorausgesetzt, die Temperaturen steigen um etwa fünf Grad. Dann können die Experten beobachten, ob die Tunnel angenommen werden.

Um es den Tieren leichter zu machen, haben die Planer die Tunnel an den Stellen platziert, wo die Amphibien seit Langem die Straße queren. „Erdkröten sind Traditionslaicher. Sie nehmen also immer die gleichen Wege“, erklärte Jacobi. Von der Dollendorfer Hardt aus, wo sich ihr Sommer- und Winterlebensraum befindet, wandern die Tiere zu ihren Laichgewässern Frankenforster Weiher und Schlüsselweiher. Später wandern die Jungtiere wieder zurück.

Damit die Lurche sicher die Straße passieren können, wurden 14 Röhren, zusammengesetzt aus 1,30 Meter breiten und 80 Zentimeter tiefen Betonelementen, unter der K 25 verbaut. Dafür musste die Fahrbahn jeweils auf einer Breite von drei Metern aufgefräst werden. Dazu kommen Leiteinrichtungen auf einer Länge von 1600 Metern, über die die Kröten zu den Tunneln geführt werden sollen. An den in die Kreisstraße mündenden Waldwegen wurden zusätzlich weitere vier Stopprinnen gebaut. Wenn die Kröten dort die Straße überqueren wollen, fallen sie automatisch in den „Tunnel-Zubringer“.

Im Gebiet der Dollendorfer Hardt hat vor allem die Erdkröte ihr Refugium. „Bei etwa 7.000 Tieren kann man schon von einem Massenvorkommen sprechen“, sagt Jacobi. Hinzu kämen deutlich kleinere Populationen von Grasfröschen, Teich- und Bergmolchen.

Mehr als 30 Jahre lang hatten Ehrenamtliche dort die Kröten aus Fangzäunen und Eimern gesammelt und Richtung Laichgewässer und Dollendorfer Hardt getragen. Zeitweise wurde die Straße während der Krötenwanderung im Frühjahr nachts sogar gesperrt.

„Das ist nun nicht mehr nötig“, erklärte Andres vom Amt für Mobilität des Kreises. Nach seinen Angaben tragen weiterhin ehrenamtliche Helfer die Kröten über die angrenzende Landesstraße 490. „Der Landesbetrieb Straßenbau will auf dieser Strecke künftig auch Amphibientunnel bauen, aber das dauert noch ein bis zwei Jahre“, so der 46-jährige Ingenieur.

Projekt "Chance 7"

Seit dem 1. Dezember 2010 beteiligt sich der Rhein-Sieg-Kreis unter dem Projektnamen „Chance7“ an dem Bundes-Förderprogramm „chance.natur“. Zwischen dem Siebengebirge im Westen und Windeck an der mittleren Sieg sollen auf einer Fläche von rund 11.000 Hektar bedeutsame Lebensräume und Arten erhalten und gefördert werden.

Träger von „Chance 7“ ist der Rhein-Sieg-Kreis. Viele regionale Akteure wie die Städte Bonn, Königswinter, Bad Honnef, Sankt Augustin und Hennef sowie die Gemeinde Windeck, Land- und Forstwirtschaft, die Naturschutzverbände BUND und Nabu, die Biologischen Stationen sowie der VVS sind beteiligt. Die Maßnahmen beruhen auf der Freiwilligkeit der Akteure, so auch privater Flächeneigentümer.

Weitere Infos unter www.chance7.org