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Kritik an Busverkehr: Elterntaxi ist in Bad Honnef oft die einzige Lösung

Kritik an Busverkehr : Elterntaxi ist in Bad Honnef oft die einzige Lösung

Der Honnefer Stadtelternrat befragte Familien zum ÖPNV und zur Schullandschaft. Ein Ergebnis: Die Busverbindungen für Schüler zwischen Berg- und Talbereich der Stadt sind unzureichend

In Rottbitze drängen sich Dutzende Kinder an der Haltestelle; Gymnasiasten müssen eine Stunde Wartezeit überbrücken, weil nach der dritten Stunde kein Bus mehr vom Siebengebirgsgymnasium abfährt: Zwei Beispiele für Ärgernisse, mit denen sich Bad Honnefer Eltern von schulpflichtigen Kindern herumschlagen. Sie gehören zu den Ergebnissen der Umfrage zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und zur Schulentwicklung, die der Stadtelternrat organisierte. Diese präsentierte er nun zunächst seinen Mitgliedern; sie werden der Politik bei der nächsten Schulausschusssitzung vorgestellt. Das Ziel ist klar: Verbesserungen müssen her.

Die zweite Stadtelternrats-Vorsitzende Doris Bell zog ein Fazit: „Die im Schulentwicklungsplan aufgeführten Maßnahmen wie die Zusammenlegung von Grundschulen gehen am Bedarf der Bad Honnefer Familien vorbei.“ Die Umfrage zeige, wo Bad Honnef in punkto Familienfreundlichkeit nachbessern müsse. Vorsitzende Annette Hillebrand: „Viele Eltern finden Bad Honnef toll. Aber die Stadt sollte noch familienfreundlicher werden. Wir werden uns weiter dafür einsetzen und Gespräche mit den Fraktionen und der Stadtverwaltung suchen.“

Nach der OGS fährt kein Bus

Deutlich wurde bei der Umfrage – ausgewertet wurden letztlich 314 vollständig ausgefüllte Interviews (siehe nebenstehenden Infokasten) – auch eine Zweiteilung der Stadt, denn offenbar sehen Eltern aus dem Bergbereich mehr Probleme als diejenigen, die im Tal wohnen. „Es muss einen vernünftigen Transport zwischen Berg und Tal geben“, betonten Teilnehmer nach der Präsentation. Es könne nicht angehen, dass nach der dritten Stunde am Sibi kein Bus mehr fährt und die Kinder sich eine Stunde in der Stadt herumdrücken müssten.

Ein weiteres Ärgernis: Im Neubaugebiet in Rottbitze warten regelmäßig an einer Haltestelle 45 Schulkinder, inklusive Drängeleien. Folge laut Doris Bell: „Dann bringen die Eltern die Kinder doch wieder mit dem Auto zur Schule.“ Und: Nach der Offenen Ganztagsschule (OGS) ab 16 Uhr fahre auf dem Berg kein Bus mehr. Eine Teilnehmerin meinte, auch die Schulen seien in der Pflicht, ihre Betreuungs- und Unterrichtszeiten anzugleichen, damit ein zeitnaher Schülertransport klappt. „Da sind Kompromisse von allen Seiten nötig.“

Eltern wünschen sich Schülerlotsen

Die Eltern wurden auch um Anregungen für die Schulwegsicherheit befragt. Den Einsatz von Schülerlotsen, sichere Geh- und Fahrradwege, breite Gehwege und insbesondere nahe gelegene Bushaltestellen wünschten die Eltern, und das im Berg- und Talbereich gleichermaßen.

Auch das Thema Sekundarschule für Aegidienberg wurde kurz angerissen. „Da wäre schon ein Bedarf vorhanden“, hieß es. Ein Sibi-Neubau, der im vergangenen Jahr als Alternative zu laufenden Reparaturmaßnahmen ins Gespräch gebracht worden war, könnte doch auch in Aegidienberg in Angriff genommen werden.

Ein weiterer Aspekt der Umfrage war die Beurteilung der Schullandschaft. Die Zufriedenheit mit dem Angebot an Grundschulen ist generell größer als mit dem an weiterführenden Schulen. Deutliche Unterschiede gibt es zwischen Tal- und Bergbereich bei den Grundschulen: In Aegidienberg sind 80 Prozent der Eltern zufrieden oder sehr zufrieden, im Talbereich nur 60 Prozent. Große Differenzen zeigt die Umfrage auch bei den weiterführenden Schulen: Im Tal sind 70 Prozent der Eltern zufrieden oder sehr zufrieden, im Bergbereich nur 30 Prozent. Das städtische Siebengebirgsgymnasium besuchen 60 Prozent der Kinder aus dem Tal, aber nur 25 Prozent der Berg-Kinder.