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Bornheim als Modellstadt für "Gut Drauf"

Bornheim als Modellstadt für "Gut Drauf"

Jürgen Klinsmann hat es vorgemacht. Millionen haben den Film "Sommermärchen" und die Motivationskunst des Bundestrainers verfolgt. Millionen haben auf den Straßen und in den Stadien gejubelt - motiviert und mitgerissen von einer positiven Einstellung. Das im Kleinen versucht auch der Rhein-Sieg-Kreis, bemüht sich als "Gut-Drauf-Modellregion", jungen Leuten in ihrer Entwicklung zu helfen.

Falsche Ernährung, Bewegungsmangel und unzureichende Stressbewältigung hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) als Gründe ausgemacht, dass viele Jugendliche Gesundheitsstörungen haben, die im Erwachsenenalter dann in schwerwiegende Krankheiten münden.

Nicht wenige junge Leute ernähren sich völlig falsch. Fast-Food, Süßes und Kalorienbomben finden sich eher auf den Tellern als Obst und leichte Kost. Nicht selten greifen selbst Kinder schon zur Flasche, Alcopops und andere Modegetränke kreisen bei so mancher Party. Stress und/oder Langeweile führen zu Aggressionen, Handgreiflichkeiten.

Das Sitzen vor dem Fernseher und Computer ersetzt heutzutage bei etlichen Jugendlichen die Bewegung. Sport und Spielen vor der Tür, aber auch Kommunikation und soziales Verhalten in der Gemeinschaft sind nicht wenigen jungen Leuten fremd. Alarmzeichen für die Zukunft, meint die Bundeszentrale und steuert dagegen. Da ist also der Rhein-Sieg-Kreis gefragt und hat unter der Regie von Kreisjugenddezernent Hermann Allroggen viele Veranstaltungen in der Region angeschoben.

Besonders hervorgetan hat sich dabei die Stadt Bornheim. Gerade in jüngster Zeit wurde da getrommelt und gebrüllt für die richtige Ernährung von Jugendlichen, für Bewegung und Integration, für Feiern ohne Alkohol und das Kennenlernen anderer Kulturen. Namen sind da zu nennen, angefangen bei Dezernent Ulrich Rehbann und Fachmitarbeiterin Biggi Ganssen-Schiller, über Leiter Heinz Houben und Chef Wolfgang Henseler, aber auch die Zuständigen in den Sportvereinen, Schulen, bei Ferienfreizeiten, Rettungsdiensten, Polizei und Stadtjugendring - die Liste der Mitarbeiter von "Gut Drauf" in der Stadt ist schier unendlich.

Aktionen im Bunten Viertel der Stadt, der Alkoholpräventionsvormittag am Bauhaus, die Drahttage in den Jugendeinrichtungen, Mädchenwochenenden und Jungsnachmittage, Erlebnisfreizeit und Skaterfestival - auch hier ist die Aufzählung schwer zu beenden. Geplante Termine sind noch gar nicht angesprochen.

Zertifizierung für den "Malteserhof"

Und wer sich besonders hervortut, der wird belohnt: mit einer Zertifzierung als "Gut-Drauf-Einrichtung". Darüber ist zum Beispiel Stefan Langerbeins stolz, dessen "Malteserhof" in Königswinter von der Bundeszentrale ausgezeichnet wurde. Die Tagungs- und Freizeitstätte bietet Ernährung und Entspannung nach Kriterien von "Gut Drauf".

Das fängt beim Koch an und hört beim Hausmeister noch nicht auf, Mineralwasser ist kostenlos, das Essen kalorienarm und gesund, bestimmte Räume geben Gelegenheit zu Entspannung und Kommunikation. "Wir haben von der Bundeszentrale Beratung bekommen, wie wir unser Haus umgestalten können. Wir hoffen, dass die Zertifizierung als Gut-Drauf-Einrichtung auch entsprechend gewürdigt wird und sich in der Übernachtungszahl niederschlägt, die aber zum Glück ohnehin gut ist."

Positive Auswirkungen, aber natürlich auch Anerkennung erhoffen sich auch die Bornheimer von der Zertifizierung. Denn es könnte die bundesweit erste "Gut-Drauf-Stadt" werden. Als erste Kommune führte Bornheim das entsprechende Leitbild ein, heute sind lediglich Baden-Baden und Lindau am Bodensee auf ähnlichem Weg. "In unseren Schulen wird weitestgehend nach den gesunden Kriterien gekocht. In städtischen Freizeiten wird das Essen danach bereitet, es gibt keinen Alkohol, und das soziale Miteinander wird von Fachkräften gestärkt", sagt Biggi Ganssen-Schiller.

Bornheim als Modellstadt habe keine direkten finanziellen Vorteile, in enger Kooperation mit Kreis, Trägern und natürlich BZgA gebe es aber viele Chancen, die Grundzüge von Gesundheit an die Jugend zu bringen. Zum Beispiel Sportvereine: Sie können Zuschüsse bekommen für die Anschaffung von Materialien, die das normale Angebot abrunden.

Wieder Klinsmann: Der führte in der Nationalmannschaft Entspannungsübungen ein, die niemand bei den Profikickern kannte. Da wurde mit Pfeil und Bogen geschossen, Interviews kamen aus Entspannungssesseln. Mit einfachen Mitteln viel erreichen wollen auch die Verantwortlichen von "Gut Drauf". Das kann eine kuschelige Decke sein, es können aber auch Informationen für den Sport und die Ernährung sein, oder Warnungen vor Drogen und Alkohol.

Nicht mit dem Hammer und nicht mit dem drohenden Zeigefinger, sondern einsehbar mit Argumenten. Das hat ja auch der Präventionstag gegen Alkohol gezeigt. Da konnten die Jugendlichen - und besonders gewünscht: auch die Eltern - beispielsweise per Suchtbrille und Fahrschulwagen am eigenen Körper die Folgen des Rausches sehen. Bei städtischen Veranstaltungen - nicht nur bei "jungen" Terminen - hat sich die "Null-Promillo-Bar" mit fruchtigen Säften als leckere Alternative bewährt.

Gut Drauf

Mit Projektpartnern und der Bundeszentrale will Bornheim dauerhaft Schul- und Freizeitangebote nach "Gut-Drauf-Kriterien" schaffen: Gesundheit und Ernährung durch Aktionen für Jugendliche in Szene setzen; Stressbewältigung der 14- bis 18-Jährigen verbessern zum Beispiel durch Ruhezonen; körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden erleben; Anreize für eine bewusste Körperwahrnehmung durch Abenteuer, Risiko, körperliche Selbst- und Grenzerfahrung; eigene Bedürfnisse erkennen, einordnen und mit ihnen umgehen.

Bornheimer Jugendorganisationen werden vernetzt, Partner kooperieren, zum Beispiel Schwimmbad, Sport, Schulen und Vereine. Entspannung, gesunde Ernährung und Bewegung werden in Bornheim vor allem in der Jugend- und Kinderarbeit, in den Jugendzentren, der aufsuchenden Jugendarbeit, in Vereinen und Verbänden umgesetzt.

Alle Institutionen, die an "Gut Drauf" interessiert sind, können teilnehmen an einem Seminar am 26. und 27. Januar im Café Carlson mit den hiesigen Organisatoren, aber auch mit dem Kölner Spielezirkus. Anmeldungen und Informationen bei Biggi Ganssen-Schiller, Rufnummer (02222) 94375416, Email: brigitta.ganssen-schiller@stadt-bornheim.de