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Tomburger Hunnenhorde: Der letzte Tribut für Hunnenkönig Attila in Wormersdorf

Tomburger Hunnenhorde : Der letzte Tribut für Hunnenkönig Attila in Wormersdorf

Nach 22 Jahren ist Schluss mit dem Wormersdorfer Hunnenlager. Der Verein hat nur noch sechs Aktive und kann die Organisation des Treffens nicht mehr stemmen.

Abgesang auf das Hunnenlager in Wormersdorf: Zum letzten Mal nahm Attila, Chef der Tomburger Hunnenhorde von 1993, am Wochenende die Huldigungen von Freunden und Gästen entgegen. Nach 22 Jahren ist mit dem Hunnenlager auf dem Zeltplatz unterhalb der Tomburg Schluss.

Dementsprechend wehmütig war die Stimmung bei Gastgebern und Gästen. Mit Tränen in den Augen nahm Attila alias Bernie Leesemann die Ehrerbietungen und die Gastgeschenke befreundeter Könige, Fürsten und Krieger entgegen. „Dank sage ich Dir, Attila, für die vielen Male, die Ihr hier mit Eurer Hunnenhorde ein besonderes Lager auf die Beine gestellt habt. Ab nächste Woche werden Alle weinen, dass es das nicht mehr gibt“, bedauerte denn auch der „König der Könige“ Stefan Raetz als Bürgermeister Rheinbachs das Aus des Hunnenlagers.

Schon Anfang des Jahres entschlossen sich die Wormersdorfer Hunnen schweren Herzens, das Lager nicht weiterzuführen, da „es nicht mehr geht. Wir sind zahlenmäßig zu wenige“, erklärte Attila. Der Verein werde jedoch weiterbestehen .

Schon der Einzug war in diesem Jahr etwas Besonderes, hatten sich doch die befreundeten Hunnen- und Mongolenhorden zum Spalier aufgestellt, um den Wormersdorferrn – an der Spitze Schamane Malakai alias Charlie Braun, gefolgt von Attila, seinen Weibern und Kriegern – noch einmal ihre Ehrerbietung zu erweisen. Leesemann konnte denn auch seine Gefühle kaum im Zaum halten. Statt Furcht und Schrecken zu verbreiten – so kennt man die Hunnen aus der Geschichte – dankte Attila allen Freunden für ihre Unterstützung. „Das, was wir hier sehen, ist mehr als Freundschaft. Das ist Familie. Auf die Familie kann ich mich immer verlassen“.

25 bis 30 gewandete Gruppen wie unter anderem die Kölschen Mongolen, die Schwarzen Hunnen und die Bonner Löwen machten ihre Aufwartung, sechs Vereine hatten schon am Donnerstag ihre Jurten aufgebaut. Unter manchem Zeltdach gingen hunnenspezifische Artikel, der Verein hat nun keine Verwendung mehr dafür, über den „Ladentisch“. So wurden Tierfelle, Dekoartikel, Messingkerzenständer und -schalen zu günstigen Preisen verkauft.

Dennoch blickte Attila ein wenig optimistisch in die Zukunft, denn „das Ende eines Festes ist vor dem Fest“. So werden die Wormersdorfer Hunnen um ihren Vorsitzenden Torsten Koll – den Verein gründeten vor einem Vierteljahrhundert Bernie Leesemann, seine Frau Hanni und Monika von Sturm (Attilas zweite Frau) – künftig befreundete Vereine auf deren Festen besuchen und im Karneval vor Ort aktiv sein. In seiner „Rolle“ als Attila hatte Leesemann viel zu tun. Denn stundenlang musste er seine Gäste begrüßen, zivile aus Politik und Vereinen ebenso wie andere Hordenchefs, ihre Weiber und Krieger. Den Gästen voran schritt Kriegerin Nicole Beckmann von den „Ruhrtal Wölfen Witten“, um sie Attila vorzustellen. Der thronte auf seinem selbst gezimmerten, großen und hölzernen Thronsessel, umgeben von Königen und Fürsten, die alle durch ihr martialisches Aussehen in Fell, Leder und Nieten beeindruckten. Nach dem Austausch der Geschenke folgte für die Gäste der obligatorische Trunk aus einem metallenen Gefäß.

Im Lager mischten sich hunnische Riten und Gegenstände mit Fantasie. So bedeckten Felle verschiedenster Tiere Böden und Wände der Jurten, Sitzhocker aus Holz und Leder standen vor den Eingängen. Die Tribal-Gruppe „Sarafi aus dem Morgenland“– Damen aus Bonn, Wachtberg und Rheinbach – unterhielt mit Bauchtanz, Massagen für Hand und Gesicht und beschwor in einer Zeremonie die Geister herbei, um in Attilas Zukunft zu schauen. „Dabei versetzen wir uns durch Schütteln in Trance“, erklärte Chefin Nourani Gamal.

Kölsche Lieder präsentierte der Kölsche Hunne Fürst Balamber alias Jürgen Heikamp. „Das wussten wir vorher auch nicht. Bei uns erfolgen die Auftritte immer spontan“, so der 75-jährige Wormersdorfer Chef-Hunne Leesemann. Viel Schlaf bekamen die Horden am Wochenende nicht. Denn zum letzten Mal wollten alle das Lager im Schatten der der Tomburg ausgiebig genießen.