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"Bonn gehört uns!": Bürger demonstrieren auf Bonner Marktplatz

"Bonn gehört uns!" : Bürger demonstrieren auf Bonner Marktplatz

Rund 150 Teilnehmer haben sich an einer Kundgebung unter dem Motto "Bonn gehört uns!" am späten Samstagnachmittag vor dem Alten Rathaus beteiligt. Der Tenor: Stadtverwaltung und Kommunalpolitik entscheiden am Bürgerwillen vorbei.

Es waren ganz unterschiedliche Themen, die bei der von zahlreichen Bürgerinitiativen unterstützten Veranstaltung zur Sprache kamen. Einleitende Worte sprach der Kölner Publizist Werner Rügemer, der sich an Oberbürgermeister Ashok Sridharan und der neuen Stadtkämmerin Margarete Heidler abarbeitete. Vor allem kritisierte er ihre positive Grundhaltung zu sogenannten Public-Private-Partnerships (PPP), also öffentlich-privaten Projekten. Sridharan gilt schon aus seiner Zeit als Königswinterer Kämmerer als Befürworter solcher Finanzierungsmodelle, und auch Heidler hatte sich kürzlich in einem GA-Interview für die Prüfung öffentlich-privat-finanzierter Bauprojekte ausgesprochen.

Rügemer hält das für kurzsichtig, weil - Beispiel Kindergärten - oft untransparente Mieterhöhungen vereinbart und im Streitfall private Schiedsgerichte eingesetzt würden. Er geißelte ebenso wie Susanne Rohde vom Netzwerk Friedenskooperative die städtische Wohnungsmarktpolitik der vergangenen Jahrzehnte. Die Verkäufe städtischen Eigentums hätten zu einer Schieflage auf dem Bonner Wohnungsmarkt geführt, so Rohde. Die Stadt sei nun gefragt, eigene Grundstücke flächendeckend selbst zu entwickeln, "in gemischten Quartieren, nicht in Großanlagen", so Rohde.

Das alles wollte nun gar nicht zu den Forderungen einzelner Bürgerinitiativen passen, die gegen Nachverdichtungen und Erweiterungen ihrer Wohnanlagen in der Didinkirica-Siedlung (Ortsteil Castell), an der Straße "Im Wingert" (Poppelsdorf) und am Meßdorfer Feld (Dransdorf) sprachen und bessere Luft für Bonn forderten. Das stellte auch der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Bernhard von Grünberg in seiner Rede als Vorsitzender des örtlichen Mieterbunds heraus. "Wir sollten alle darüber nachdenken, was wir wirklich wollen", sagte Grünberg. Aus seiner Sicht würde eine Stagnation beim Bau von Wohnungen bei einem prognostizierten Bevölkerungswachstum von 15 Prozent bis 2030 in Bonn bedeuten, "dass hier Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen nicht mehr leben können". Aber auch er unterstützt eine stärkere Entwicklung von Baugebieten durch die städtische Wohnbaugesellschaft Vebowag.

Ein weiteres Thema auf der Bühne vor dem Rathaus war die Bäderlandschaft. Richarda Siegert (BI "Kurfürstenbad bleibt!"), Anja Niemeier und Angela Trinkert (beide von der BI für den Erhalt des Frankenbads) machten sich für den Erhalt der alten Bäderlandschaft und gegen das neue Wasserland-Bad in Dottendorf stark. Und der ADFC forderte die Kappung des City-Rings vor dem Hauptbahnhof, um das Hofgartengelände an die Innenstadt anbinden zu können. Susanne Gura vom Verein Lebenswerte Siebengebirgsregion sprach sich gegen den Bau der Südtangente als Straßenspange zwischen A3 und A565, für eine Seilbahn auf den Venusberg aus. Der Ausbau für alternative Verkehrsmittel wie das Rad habe Priorität, um auch künftig eine lebenswerte Stadt vorzufinden. Deutlich für einen kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr sowie die Seilbahn hatte sich auch der Verkehrsexperte Rainer Bohnet in seiner Rede ausgesprochen.

Zum Abschluss trug der Chor der Bonner Bürger, der seit vergangenem Jahr in wechselnder Besetzung das Theaterstück "Bonnopoly" begleitet, seine wütende Klageansprache vor. Letztlich war es die Zusammenfassung dessen, was die Damen und Herren der Bürgerinitiativen zuvor in Prosa vorgetragen hatten. Bis dahin hatten auch die störenden Abbauarbeiten für den Europatag nebenan eine Ende gefunden.