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Kommentar zur Zinswende in den USA: Trumps Taktik

Kommentar zur Zinswende in den USA : Trumps Taktik

Der US-Präsident möchte den Boom verlängern aus wahltaktischen Gründen. Wenn die Wirtschaft auch zum Zeitpunkt der Präsidentschaftswahl noch läuft, dann dürfte er diesen Erfolg für sich in Anspruch nehmen, kommentiert Brigitte Scholtes.

Eine Zinssenkung wäre eigentlich noch nicht unbedingt nötig gewesen. Dass die amerikanische Notenbank Fed sich dazu durchgerungen hat, kann man aus bestimmten Gründen aber nachvollziehen.

Es dürfte weniger die Angst vor den Wutanfällen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump sein: Der möchte ja am liebsten niedrige Zinsen, weil dann mehr Geld in die Aktienmärkte fließt. Das schiebt die Wirtschaft weiter an – obwohl sie in den USA eigentlich noch recht gut läuft. Das haben die letzten Daten gezeigt. Trump aber möchte den Boom verlängern aus wahltaktischen Gründen. Wenn die Wirtschaft auch zum Zeitpunkt der Präsidentschaftswahl im kommenden Herbst noch läuft, dann dürfte er diesen Erfolg für sich in Anspruch nehmen.

Umgekehrt könnte er die Schuld sonst der Fed und vor allem ihrem Präsidenten Jerome Powell zuschieben. Doch noch zeigt die Fed sich unabhängig. Den kleinen Zinsschritt hatte Powell als Vorsichtsmaßnahme begründet, vor allem gegen die Auswirkungen durch die Handelskonflikte. Doch sollten diese Folgen deutlicher zum Tragen kommen, dann muss die Fed doch noch mehrmals die Zinsen senken, um Wirkung zu erzielen. Tut sie das ohne erkennbaren Grund, dann wäre sie vor Trump eingeknickt.

Das also sollte man genau beobachten – falls nicht doch der Präsident zur Vernunft kommt und seine Handelspolitik ändert. Das nämlich wäre die beste Voraussetzung dazu, dass die Wirtschaft nicht nur in den USA weiter wächst. Ob er so viel Einsicht zeigt, darf man aber nach den Erfahrungen der letzten Jahre bezweifeln.