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Stadtjugendring Bad Honnef: Vorsitzender Andreas Roschlau fordert schnelle Nachbesetzung

Stadtjugendring Bad Honnef : Vorsitzender Andreas Roschlau fordert schnelle Nachbesetzung

Die Sache brennt dem Stadtjugendring unter den Nägeln: Seit dem 1. April gibt es im Bad Honnefer Rathaus keinen Jugendpfleger mehr. Und die Stelle wird wohl auch noch einige Zeit, wenn nicht gar Monate vakant bleiben - so war es am Montag bei der Delegiertenversammlung des Dachverbandes der in der Jugendarbeit engagierten Vereine zu hören.

Der Vorsitzende Andreas Roschlau nutzte den Abend im Haus der Jugend, um auf die Dringlichkeit der Neubesetzung hinzuweisen: "Hier besteht akuter Bedarf. Die professionelle Begleitung der Ehrenamtlichen durch das Jugendamt ist unverzichtbar."

Ein Beispiel: die Jugend-Partizipation, die laut Roschlau mit dem Projekt "Change" auf einem guten Weg war. "Das Projekt ruht zurzeit. Wir hoffen aber, es wiederbeleben zu können, wenn es wieder einen Jugendpfleger gibt."

Ein anderes Beispiel, so Roschlau: die Diskussion um eine Party der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) und der Alkoholkonsum der Jugendlichen. Roschlau: "Ganz unabhängig davon, wie die Sache gelaufen ist. Fakt ist, Jugendpflege ist wichtig. Ein Jugendpfleger könnte, um den Fall zu nehmen, einer KJG hilfreich zur Seite stehen." Jugendamtsleiterin Helga Martini, die an der Versammlung teilnahm, betonte, die Neubesetzung der Stelle sei "im Gange".

Bei einer Rathaus-internen Ausschreibung sei ein geeigneter Bewerber gefunden worden. Problem: Dessen aktuelle Stelle müsse nachbesetzt werden, und das dauere. Martini: "Jugendpflege ist eine Pflichtaufgabe der Stadt"; an der Notwendigkeit der Nachbesetzung bestehe kein Zweifel. "Wir fordern die baldige Besetzung", so Roschlau mit Nachruck.

Der Appell stand am Ende eines Abends, in dem das Positive überwog. Auf der Haben-Seite verbuchte Roschlau auch die einschneidende Änderung in diesem Jahr: die Gründung der Stadtjugendring Träger gGmbH, die fortan die Schulbetreuung unter ihren Fittichen hat. Wie mehrfach berichtet, hatte der Stadtjugendring, einziger Gesellschafter der gGmbH, sich zur Umstrukturierung entschlossen, um den personal- und kostenintensiven Sektor Schulbetreuung hauptamtlich zu führen.

Einen Eindruck gab auch der Kassenbericht, den Roschlau im Namen von Kassierer Marcelo Peerenboom verlas. Darin heißt es, dass das Berichtsjahr 2012 geprägt war von den Vorbereitungen der gGmbH, deren auch notarielle Einrichtung mit 7400 Euro zu Buche schlug. Und: Von den 1,7 Millionen Euro Bilanzsumme des Stadtjugendrings entfielen vor GmbH-Gründung fast 1,2 Millionen Euro auf den Sektor Schulbetreuung, also den Teil, der jetzt übertragen wird.

Weit geringer ins Gewicht fällt die verbandliche Jugendarbeit: die Feriennaherholung (FNE) etwa, durch 31.000 Euro durch Elternbeiträge und Zuschüsse zu 100 Prozent gedeckt, sowie "R(h)einspaziert", für das über zwei Jahre ein Defizit von 8000 Euro zu decken war. Summa summarum gilt: "Der Stadtjugendring steht finanziell auf gesunden Füßen."

Positiv stimmt eine Änderung, mit der sich laut Roschlau "der Kreis schließt zu unseren Anfängen": Das Aalkönigskomitee, das bisher stets einzelne Jugend-Projekte in der Stadt aus dem Erlös des Aalkönigsfestes gesponsert hatte, plant, mit dem Gesamterlös fortan ein "Leuchtturmprojekt" zu fördern. Koordination und Abwicklung will das Komitee komplett in die Hände des Stadtjugendrings legen, gewissermaßen als Netzwerk aller in der Jugendarbeit Tätigen in der Stadt.

Im kommenden Jahr soll das Thema "Gewaltprävention" lauten, Einzel- und Gemeinschaftsprojekte sind "unter dieser Klammer" möglich. Anfang 2014 soll die Planung anlaufen. Und es gibt auch Bewährtes, nicht nur die FNE und "R(h)einspaziert": Zur Kommunalwahl sind Aktionen für Jungwähler geplant. Auch "Bad Honnef tanzt" gehe als Kooperationsprojekt in die zweite Auflage, berichtete Koordinatorin Anna-Lu Masch, diesmal mit 350 Schülern und 13 Klassen. Bei der Premiere waren es 180 Schüler. Auch ein zweiter Sommerbiathlon, 2012 mit den Sebastianern gestartet, kommt.

Der Vorstand

Viel Lob für den Vorstand gab es nicht nur von Beiratsmitglied Cornelia Nasner, die auch die zeitaufwendige Vorbereitung der gGmbH-Gründung nannte. Auch die einstimmigen Neuwahl-Ergebnisse belegten das Vertrauen der Delegierten in das Team um Andreas Roschlau, der für zwei weitere Jahre zum Vorsitzenden gewählt wurde.

Der Wahl vorausgegangen war eine Satzungsänderung, geschuldet der Gründung der gGmbH: Fortan besteht der geschäftsführende Vorstand nur noch aus Vorsitzendem, einem Vize und dem Kassierer; hinzu kommen die Beisitzer. Neu ist auch, dass der Beirat zwei lediglich beratende Mitglieder in die Gesellschafterversammlung der gGmbH entsendet. Zum Vize-Vorsitzenden gewählt wurde Roman Gisbertz, bislang Beisitzer und langjähriger Aktivposten etwa bei der FNE. Als Kassierer bestätigt wurde Marcelo Peerenboom.

Beisitzer sind Sebastian Burdack, Benjamin Brodeßer, Frank Winkler, Jonas Hogrebe und Anna-Lu Masch. Verabschiedet wurde Regine Metzner, langjährige Vertreterin Roschlaus mit dem Schwerpunkt offene Jugendarbeit, die auf eigenen Wunsch nicht mehr zur Verfügung stand. Roschlau dankte der engagierten Wegbegleiterin, die dem Verein über den Beirat erhalten bleibt, mit einem Blumenstrauß.

Der Stadtjugendring von 1977 bis heute

Gegründet wurde der Stadtjugendring 1977 mit 13 Vereinen. Heute sind es 34, darunter als aktuelle Neuaufnahmen die Kinder- und Jugendtanzgarde "Rheindiamanten" sowie die Sankt-Sebastianus-Schützenbruderschaft. 1989 fand die erste Feriennaherholung mit 30 Kindern statt ; 2013 betreuten 80 Ehrenamtler etwa 200 Kinder an vier Standorten, darunter einer in Aegidienberg.

1990 startete "R(h)einspaziert", das jährlich bis zu 5000 Besucher anlockt; die 1995 eingeführten "Fun-Games" wurden in den Nachmittagsbereich des Festivals integriert. 1998 übernahm der e.V. das Haus der Jugend, 1999 den Jugendtreff Aegidienberg. Damit stieg der Verein in die offene Jugendarbeit ein.

1999 folgte die Übernahme der Betreuenden Grundschule, die 2005 in die Offenen Ganztagsschulen überging. 2007 kam "Sibi plus" hinzu. Aufgegeben werden musste der "Hit-Keller" im Feuerschlösschen. Nach wie vor in der Verantwortung des Vereines liegt die Verwaltung städtischer Jugendarbeits-Zuschüsse; die Anträge waren zuletzt rückläufig. 2013 wurde die gGmbH gegründet als hauptamtliches Dach für offene Jugendarbeit.