Zu Gast auf dem Sofa in Rheinbach Orientalisches Dolce Vita

RHEINBACH · Je mehr unterwegs schief läuft, desto besser wirkt sich das im Nachhinein aufs Schreiben aus, hat Reiseschriftsteller Helge Timmerberg im Laufe seines Lebens für sich festgestellt.

 Schweift gerne ein bisschen ab: Helge Timmerberg berichtet dem Publikum ebenso von seinen chaotischen Alltagserlebnissen wie auch von seinen Schwärmereien und Tagträumen.

Schweift gerne ein bisschen ab: Helge Timmerberg berichtet dem Publikum ebenso von seinen chaotischen Alltagserlebnissen wie auch von seinen Schwärmereien und Tagträumen.

Foto: Wolfgang Henry

Insofern dürfte sich sein Auftritt als "Gast auf dem Sofa" in Rheinbach fruchtbar auf künftige Schreibflüsse auswirken, hatte er doch bereits am Morgen etliche Widrigkeiten hinter sich gebracht und begann seine abendliche Lesung im Hörsaal des hiesigen Hochschulcampus mit einem Sturz seines Stuhles wegen eines ominösen Bodenlochs.

Mit entsprechendem Humor nahm Timmerberg das kleine Malheur zum Anlass, das Publikum gleich über seinen bis dahin schon chaotischen Tag in Kenntnis zu setzen und es bei dem ein oder anderen Glas Wein direkt ins Reich seiner weit verzweigten Geschichten mitzunehmen.

Moderatorin Susanne Kundmüller-Bianchini von der Hochschul- und Kreisbibliothek Bonn-Rhein-Sieg hatte zur eigenen und der Erheiterung des Publikums ihre liebe Not, die abschweifende Erzählfreude des Autors zu bändigen. Und am Ende der Lesung aus seinem neuesten Buch "Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich" kannten die rund 80 Gäste zwar immer noch nicht das Märchen von der "Perlenkarawane", um das sich alles dreht, dafür wohl aber sämtliche Widrigkeiten, die sich dem geplanten Drehbuch in den Weg stellten.

Denn seit Helge Timmerbergs erster Bekanntschaft mit dem orientalischen Märchen und seiner Erfinderin, Elsa Sophia von Kamphoevener, ist er von beiden fasziniert. Und träumte von seinem eigenen Durchbruch mit einem Film über den Stoff, der alle Register orientalischen Zaubers und der Magie Hollywoods ziehen sollte.

Die biografische Spurensuche wurde zur langen orientalischen Reise und schließlich zu dem vorliegenden Buch - nur eben nie zum Drehbuch über die 1878 geborene Märchenbaronin, die in der Türkei aufgewachsen war und als Mann verkleidet in den Karawansereien den Geschichtenerzählern lauschte.

Vom heftigen Liebeskummer über die orientalische Version von Dolce Vita inklusive Haschisch-Rausch bis hin zum unverhofften Vater-Besuch - dem Drehbuch kam immer etwas in die Quere. Nicht jedoch der Erzählfreude Timmerbergs, der sein Publikum mitnahm bis in seine beseelten Träume von an Balustraden gelehnten schönen Frauen.

Die Hochschul- und Kreisbibliothek Bonn-Rhein-Sieg veranstaltet die Reihe "Zu Gast auf dem Sofa" gemeinsam mit der Buchhandlung Kayser und dem General-Anzeiger.