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Wichtiger Posten besetzt: Pascal Kaczun ist wieder Löschgruppenführer in Odendorf

Wichtiger Posten besetzt : Pascal Kaczun ist wieder Löschgruppenführer in Odendorf

Die Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf ist oft schwierig: Aus diesem Grund gab Pascal Kaczun sein Amt im vergangenen Jahr auf. Wie es dazu kam, dass er den Posten wieder bekleidet, erzählt Juliane Hornstein.

Auf eines können sich die Odendorfer verlassen: Wenn es brennt, wenn das Wasser im Keller steht oder sonst irgendwo Not am Manne ist, dann kommt ihre Feuerwehr. Etwas komplizierter wurde es in den vergangenen Monaten hingegen bei der Frage, unter welcher Leitung die Gruppe steht.

Eine Weile war der Posten des Löschgruppenführers nur kommissarisch besetzt. Jetzt hat Pascal Kaczun ihn übernommen – und das nicht zum ersten Mal. Schon von September 2016 bis April 2017 war er Löschgruppenführer, gab das Amt dann aber auf. „Ich habe das mit dem Beruf nicht unter einen Hut bekommen“, erklärt er. Die Löschgruppenführung umfasst schließlich weitaus mehr als Einsätze und Übungen.

Ein wichtiger Faktor im Dorfleben

Alles, was Material und Organisation betrifft, läuft hier zusammen. Unterlagen waren zu prüfen, Kameraden für Lehrgänge zu melden, Nachweise einzuholen. Und dann ist die Feuerwehr noch ein wichtiger Faktor im Dorfleben. Sie beteiligt sich an Festen und Umzügen, stellt Brandwachen für Veranstaltungen im Dorfsaal. Der Löschgruppenführer muss sich daher auch im Ortsausschuss einbringen und mit den anderen Vereinen abstimmen. Der 35-jährige Servicetechniker verbrachte jede Woche etliche Stunden damit. Bis es nicht weiterging.

Das Problem: Nicht jeder Feuerwehrmann kann einfach die Löschgruppenführung übernehmen. Man braucht den sogenannten BF-Gruppenführerlehrgang, der in Münster absolviert werden muss und zwei Wochen dauert. „Dazu kommen zahlreiche andere Lehrgänge wie Funk, Maschinist, ABC-Lehrgang“, so Kaczun. Der Kreis der Kandidaten war daher klein, und alle probierten Lösungen funktionierten nicht reibungslos. Am Ende kam die Wehrleitung der Gemeinde Swisttal nach knapp einem Jahr schließlich doch auf Kaczun zurück.

Es war Glück, dass sich bei ihm unterdessen beruflich ein paar Dinge entspannt hatten. Aber vor allem traut er sich die Aufgabe nun wieder zu, weil innerhalb der Feuerwehr etliches umstrukturiert wurde. Aufgaben wurden klarer benannt und auf mehr Schultern verteilt. „Jetzt geht es wieder“, so der Brandmeister.

Neuer Start mit Stellvertreter Elmar Hees

Ein wichtiger Aktivposten ist nun sein Stellvertreter, Oberbrandmeister Elmar Hees. Der 54-Jährige ist nicht nur ein routinierter Freiwilliger, sondern auch im Hauptberuf bei der Feuerwehr. Vor zwei Jahren zog er von Ahrweiler nach Odendorf und trat der Gruppe bei. Hees kümmert er sich beispielsweise um den Themenbereich Atemschutz. Er kontrolliert, ob alle Kameraden in diesem Bereich ihre regelmäßigen Übungen machen und die Tauglichkeitsnachweise einreichen. „Das ist schon ziemlich zeitaufwendig“, sagt Hees dazu.

Die Koordination zwischen Feuerwehr und Ortsvereinen liegt nun bei den Mitgliedern, die schon sehr lange im Ort leben und daher gut vernetzt sind. Kaczun ist erst vor acht Jahren an den Orbach gezogen, wie er betont, wenn auch aus dem nicht gerade weit entfernten Oberdrees. Dort war er seit seinem elften Lebensjahr in der Freiwilligen Feuerwehr, leistete später den Ersatzdienst. Zur Odendorfer Löschgruppe lud ihn nach seinem Umzug ein Bekannter ein.

Damit es in der Leitung zukünftig noch einfacher wird, bereitet die Löschgruppe Odendorf jetzt schon ihren Nachwuchs vor. Die ersten Kameraden haben begonnen, die verschiedenen Lehrgänge, die zum Löschgruppenführer berechtigen, zu besuchen.

Generell gilt, dass es eher schwierig geworden ist, Feuerwehr und Beruf zu verbinden, nicht nur in Führungspositionen. Viele der freiwilligen Feuerwehrleute arbeiten tagsüber in Köln oder Bonn. Keine Chance, da in acht Minuten am Einsatzort zu sein. Zu diesen Zeiten unterstützen sich die Swisttaler Löschgruppen gegenseitig.

„Die größte Stärke haben wir zwischen 18 und 6 Uhr“, so Löschgruppenführer Kaczun. Grundsätzlich muss der Arbeitgeber die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr freistellen und bekommt den Arbeitsausfall ersetzt. Aber es gilt auch: „Er muss einverstanden sein.“ Einfacher sei das oft in großen Firmen oder bei öffentlichen Arbeitgebern. Kompliziert wird es, wenn die Kameraden das Gefühl haben, durch ihr Engagement im Job benachteiligt zu sein, weil sie für Einsätze oder Fortbildungen hin und wieder ausfallen.

Jede Hilfe ist Willkommen

In der Gruppe gibt es da viel Rückhalt, genauso wie bei beruflichem Stress, denn Hees betont: „Der Beruf geht immer vor.“ Und natürlich gilt auch: Wer irgendwie kann, kommt selbstverständlich angerast, wenn der Alarm geht. Genauso gilt: Freiwillige werden immer gesucht und gebraucht. Über Frauen in der Truppe würde man sich freuen. Die Löschgruppe Odendorf umfasst derzeit 18 Aktive, die 2017 zu 38 Einsätzen ausrücken mussten.

Einsteigen muss man übrigens nicht über die Jugendfeuerwehr. Auch Quereinsteiger mit über 50 Jahren haben in Odendorf schon erfolgreich die Grundausbildung absolviert. Mit 67 Jahren wird man allerdings in die Ehrenabteilung überstellt – das ist in NRW gesetzlich so geregelt. Einzige Einschränkung laut Kaczun: „Wenn jemand es körperlich nicht kann, hat er im aktiven Dienst nichts zu suchen – leider.“ Als Kamerad und Helfer bei Festen wäre aber jeder und jede willkommen.