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Die Olympischen Spiele in der Antike: Die Wurzeln der Spiele

Die Olympischen Spiele in der Antike : Die Wurzeln der Spiele

Am kommenden Freitag hätten die Olympischen Spiele in Tokio beginnen sollen. Wir werfen in der Serie „Best of Olympia“ einen Blick zurück. Den Start macht die Antike.

Die Frage ist nicht: Sport oder Kultur? Hier ist Sport Kultur. Für den einen mögen es nur alte Steine sein, für den anderen ist es eine historische Stätte, an der die Vergangenheit ihre Aura noch immer verströmt: Olympia. Unspektakulär. In gewisser Weise. Eine knapp 200 Meter lange Sandzunge, umrandet von leicht ansteigenden Wiesen. Ein paar stehende Säulen, reichlich umgestürzte Säulen, einige Steine. Das ist das Olympiastadion.

Hier liegen die Wurzeln der Spiele, die am kommenden Freitag in Tokio hätten eröffnet werden sollen. Aus bekannten Gründen verlassen die weltbesten Sportler den olympischen Vierjahresrhythmus und messen sich erst im Spätsommer 2021 in der japanischen Metropole. Vielleicht. Die Zustimmung in der Bevölkerung schmilzt. Eine am Wochenende veröffentlichte landesweite Umfrage der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo wies die nur noch sehr überschaubare Zustimmungsquote von 23,9 Prozent aus, 36,4 Prozent der Befragten waren für eine weitere Verschiebung, 33,7 Prozent für die komplette Absage.

Zurück ins Stadion: Es ist nicht ganz klar, seit wann hier die „elischen Olympien“ stattfanden. Erste archäologische Nachweise gibt es ab 700 vor Christus, schon 776 beginnen die Überlieferungen. Es existiert sogar eine Sage, nach der Zeus selbst die Olympischen Spiele begründet haben soll. Nach einem Sieg über Kronos und die Titanen soll er aus Dankbarkeit und Freude Kampfspiele in Olympia – weil namensverwandt mit dem sagenhaften Wohnsitz der Götter – angeordnet haben. Das Who-is-who der Götter war am Start. Soll am Start gewesen sein. Apollo rannte mit Hermes um die Wette und besiegte Ares im Faustkampf.

Ein wenig Göttliches ist allerdings tatsächlich verbrieft. Denn neben der körperlichen Ertüchtigung und dem Wettbewerb  gehörte die Götterverehrung zu den Zwecken des griechischen Sportfestes. Im Stadion verbanden sich Sport und Kult, Weihehandlung und Wettbewerb. Die Olympischen Spiele der Antike waren kulturell und politisch von unvergleichbar großer Bedeutung. Neben den sportlichen Wettbewerben wurden auch Theateraufführungen geboten, rund ums Stadion feierten die Menschen ein Volksfest.

Eine Frau in einem antiken Gewand entzündet am Hain des historischen Olympia in Griechenland mit ihrer brennenden Fackel die olympische Fackel eines Läufers (Archivfoto vom am 09.05.2000). Zuvor wurde die Fackel während einer feierlichen Zeremonie in der Ruinenanlage auf traditionelle Weise mit Hilfe eines die Sonnenstrahlen bündelnden Spiegels in Brand gesetzt. Foto: Louisa Gouliamaki dpa (zu dpa-Themenpaket "Olympia" vom 14.07.2004) | Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb/Louisa Gouliamaki

Teilnehmen durften nur freie Männer, zusehen nur freie Männer und unverheiratete Frauen. Es gab Trainingslager, Monate vor Beginn der Wettbewerbe, Wettkampfrichter, Strafen bei Regelverstößen und ein Bekleidungsverbot für Teilnehmer der gymnischen Wettbewerbe (gymnos heißt nackt): Leicht- und Schwerathletik sowie Fünfkampf.

Ursprünglich war der Stadionlauf die einzige Sportart gewesen. Gelaufen wurde von der einen zur anderen Seite des Stadions 192,27 Meter weit – was dem Längenmaß ein Stadion oder 600 Fuß entspricht. Es ging nur geradeaus, die Stadionrunde war noch nicht erfunden. Erst später, bei den 15. Spielen, kamen Ringen und Faustkampf, Reiten und Wagenrennen sowie der Fünfkampf mit den Disziplinen Diskuswerfen, Weitsprung, Speerwerfen, Stadionlauf und Ringkampf hinzu. Alles eingebettet in einen festen Programmablauf.

Allesamt Sportarten, von denen historische Darstellungen existieren. Skulpturen, Vasen, Amphoren oder Teller mit Abbildungen der antiken Helden. Medaillen gab es noch nicht, nur der Sieger wurde geehrt. Mit einem Palmzweig, einem Stirnband und einem Siegerkranz. Und mit entsprechendem Heldenstatus bei der Rückkehr in die Heimat.Obwohl die Panhellenischen Spiele, von denen die Olympischen Spiele nur ein Teil waren, in voller Kriegsmontur ausgetragen wurden, gehörte zu den olympischen Selbstverständlichkeiten lange die Waffenruhe. Doch irgendwann wirkten sich politische Konflikte und der Einfluss des Römischen Reichs auf Hellas und die Spiele aus. Zum letzten Mal, so wird vermutet, fanden die antiken Wettbewerbe 393 nach Christus statt, im Jahr darauf ließ der römische Kaiser Theodosius alle heidnischen Zeremonien verbieten. Inzwischen haben Ausgrabungen aber auch Hinweise geliefert, dass Wettbewerbe auch bis ins 6. Jahrhundert ausgetragen wurden.

Die olympische Idee überlebte. Im 17., 18. und 19. Jahrhundert organisierten Sportler Wettkämpfe nach dem antiken Vorbild. Die Entdeckung der olympischen Tempel­anlagen brachte auch der Idee von organisierten Wettkämpfen der besten Sportler Rückenwind. Bis Pierre de Coubertain im Juni 1894 während eines Kongresses an der Sorbonne in Paris der internationalen Zuhörerschaft seine Idee von der Wiederaufnahme Olympischer Spiele im größeren Stil präsentierte. Am letzten Tag beschlossen die Kongress-Teilnehmer, dass die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen stattfinden – und von dort aus alle vier Jahre auf Reisen gehen sollten.