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Demonstration für Klimaschutz: 1300 Teilnehmer bei "Fridays for Future" in Bonn

Demonstration für Klimaschutz : 1300 Teilnehmer bei "Fridays for Future" in Bonn

Für mehr Klimaschutz demonstrierten 1300 Teilnehmer von "Fridays for Future" am Freitag in Bonn. Dabei waren auch auffallend viele Kinder im Grundschulalter.

Menschengemachter Klimawandel? Für einen Mann, der am Freitagmorgen auf dem Münsterplatz stand, ist das alles Lüge. „Das Wetter kommt von Gott“, sagte der überzeugte Christ. Dagegen könne man gar nichts machen, das habe schon die biblische Sintflut gezeigt. Die vielen Menschen um ihn herum teilten diese Ansicht nicht. Sie versammelten sich, um gegen den Klimawandel auf die Straße zu gehen. Denn der macht keinen Sommerurlaub – und die Bewegung Fridays for Future auch nicht.

Mit 1500 Menschen hatten die Veranstalter gerechnet, die Polizei schätzte 1300. Sie wollten etwas gegen den Klimawandel tun – Kanu-Urlaub und Wildcampen statt Flug- oder Schiffsreisen, auf Plastik verzichten, Wasser sparen, mit Bus und Bahn fahren – aber auch zeigen, dass sie keine Schulschwänzer sind, sagten Nicolas, Karl (beide 15) und Jonathan (14) von der Waldorfschule in Tannenbusch. Sie hatten auch schon früher mitdemonstriert. „Die Schule unterstützt das.“ Anders als bei Clara (14) und Camille (15) vom Hardtberg-Gymnasium, die bislang nicht mitmachen konnten: Einer ihrer Lehrer hatte auf die Demotermine Klausuren gelegt. „Wir haben aber vor, nächstes Jahr in der Schulzeit demonstrieren zu gehen.“

Auffallend viele Kinder im Grundschulalter waren dabei. Die Zwillinge Gesa und Inga sowie ihr Freund Marlo (alle 8) forderten auf ihrem Plakat Autofahrer auf: „Geht mal wieder zu Fuß!“. Und sie setzten sich für den Tierschutz ein, deshalb waren sie in Kostümierung gekommen: als Schildkröte, Giraffe und Krokodil. „Wir wollen, dass die Erde bleibt, wie sie ist“, sagte Marlo. Gesa ergänzte: „Wir haben ja nur die eine.“

Gegen Abgase durch Autos, Flugzeuge und Schiffe demonstrierten Lilith (9), Milou (8), Fabian (10) und ihre Freunde, „weil das echt der Umwelt schadet“. Begleitet wurden sie unter anderem von Stephanie Ewald, Lehrerin in Rheinbach. „Es ist wichtig, dass die Jugend endlich mal wieder aufsteht und sich für ein Thema begeistern kann“, sagte sie. Aber nicht nur Schüler und ihre Eltern waren gekommen, sondern auch ältere Menschen: etwa Hossein Purkhassalian, 81 Jahre alt und Friedensaktivist seit den 68ern. Er wolle ein Vorbild für seine Enkel und andere sein.

Die Demo ging über den Bertha-von-Suttner-Platz, wo es eine Zwischenkundgebung gab, bis zum Abschluss auf der Hofgartenwiese, und hielten dabei kurzzeitig den Verkehr auf. „Ich finde es wichtig, dass sich junge Leute engagieren“, sagte Brigitte Knorr, Urlauberin aus München, die die Demo beobachtete. Ihrer Meinung nach sollte das Schulschwänzen nicht sanktioniert werden. Das fand auch Raimund Weber: Wenn die jungen Leute den Mut aufbrächten, eine solche Demo zu veranstalten, „dann können sie gerne demonstrieren“. Ob das was bringe, bezweifelte eine Rollstuhlfahrerin: „Die Politiker gehen ja gar nicht richtig darauf ein.“ Aber generell finde sie das Engagement gut.

Dieses Video ist Teil einer Kooperation von GA und WDR.