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Kommentar zu Abiturprüfungen: Sieg der Vernunft

Kommentar zu Abiturprüfungen : Sieg der Vernunft

Gut, dass es den Schulministern der Länder weitgehend gelungen ist, Ordnung in das Verfahren zu bringen. Die Leidtragenden wären sonst die Schüler gewesen.

Der Wert des Föderalismus wird zurzeit oft beschworen. Die Bildungspolitik allerdings war dafür zuletzt kein gutes Beispiel. Erst preschte Bayern vor und verlegte die Abiturprüfungen nach hinten. Dann wollte Schleswig-Holstein sie gleich ganz ausfallen lassen. In Rheinland-Pfalz und Hessen hingegen laufen die Prüfungen bereits. Nordrhein-Westfalen wartete erst einmal ab. Und die Kultusministerkonferenz (KMK) musste nun Ordnung in das Chaos bringen. Gut, dass dies den Schulministern der Länder heute weitgehend gelungen ist. Das Wichtigste: Die Länder untereinander verpflichten sich, die Abschlüsse gegenseitig anzuerkennen. Prüfungen sollen nicht ausfallen, sondern allenfalls verschoben werden – sofern das Infektionsschutzgesetz das zulässt. Mit diesem Nachsatz allerdings bleibt eine gewisse Unsicherheit bestehen. Der Streit der Bundesländer um das Abitur in Corona-Zeiten war von vornherein so unverständlich wie überflüssig. In den meisten Ländern fehlen den Abiturienten nur wenige Wochen bis zu den Osterferien, in NRW nur ganze drei. Ohne die so genannte Motto-Woche sind es sogar nur zwei. Dann wäre ihre Unterrichtszeit ohnehin beendet gewesen. Was die Lehrer ihren Abiturienten bis dahin nicht vermittelt haben, können sie per Mail oder Chat leicht nachholen. Auch die Prüfungssituation kann so organisiert werden, dass die Schüler im Abitur größtmöglichen Abstand wahren, um Ansteckungen zu vermeiden. Schließlich stehen die Schulen zurzeit leer, die meisten Räume sind unbenutzt. Am Aufsichtspersonal dürfte es auch nicht scheitern – Lehrer, die zurzeit nicht unterrichten müssen, können diese Aufgabe übernehmen. Hätten sich die Länder nicht geeinigt, wären die Abiturienten zu den Leidtragenden geworden. Jetzt hat die Vernunft gesiegt.