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Kommentar: Verkauf der Postbank - Bilanzkosmetik

Kommentar : Verkauf der Postbank - Bilanzkosmetik

Ein echter Kurswechsel sieht anders aus: Mit ihrem Teilausstieg bei der Postbank versucht die Deutsche Bank, sich gesundzuschrumpfen, ohne die Strategie des Hauses auf neue Grundlagen zu stellen.

Entgegen der bisherigen Spekulationen hat sie sich gegen die radikale Lösung entschieden, die Postbank oder gar ihr gesamtes Privatkundengeschäft abzustoßen. Auch beim Investmentbanking - der hausinternen Konkurrenz der Privatkundensparte - soll gespart werden. Es hört sich nach einer klassischen Kompromisslösung an.

Dabei ist fraglich, ob das Konzept der Universalbanken auch in Zukunft trägt. Dass ein Geldinstitut gleichzeitig das Sparschwein der Kinder betreut, den milliardenschweren Börsengang begleitet, an den Finanzmärkten auf eigene Rechnung mit schwindelerregenden Summen spekuliert und dem Häuslebauer Kredite verkauft - die Idee hat zwar Charme, aber in Deutschland scheint sie derzeit nicht besonders gut zu funktionieren.

Die Deutsche Bank musste das schmerzhaft erkennen: Das Institut ächzt immer noch unter den Lasten, die ihm aus den Zockereien seiner Investmentbanker in den vergangenen Jahren entstanden sind. Gleichzeitig dümpeln die Erträge im Privatkundengeschäft.

Die klassischen Banken geraten zunehmend unter Druck: Zum einen schmälern die niedrigen Zinsen ihre Gewinnmargen, ein Ende der Phase scheint nicht in Sicht. Zum anderen drängen neue, wendige Konkurrenten auf den Markt, die den einst unangefochtenen Platzhirschen das Geschäft streitig machen: Internetfirmen wie Paypal, Google oder Apple arbeiten mit Hochdruck an immer besseren Lösungen zur Abwicklung von Zahlungsverkehr über PC, Tablet oder Smartphone. Die Großbanken können hier kaum mithalten. Außerdem machen ihnen die immer stärkeren rechtlichen Vorschriften zu schaffen. In Folge der Bankenkrise müssen die Institute mehr eigenes Geld als Sicherheit zurücklegen.

Mit der Trennung von der Mehrheit an der Postbank befreit sich die Deutsche Bank auch von einem Teil der Ansprüche an ihr Eigenkapital und verschafft sich so neuen Handlungsspielraum. Gleichzeitig will sie sich vom Privatkundengeschäft nicht lossagen. Das nennt man Bilanzkosmetik.

Auch wenn der Postbank mit der Minderheitsbeteiligung der Deutschen Bank zumindest eine gewisse Sicherheit bleibt - sie wird sich ebenfalls den Umwälzungen der Branche anpassen müssen.

Der Trend zum Internetbanking setzt sich fort. Filialen werden in ihrer jetzigen Form und Zahl nicht mehr rentabel sein. Wie jeder Strukturwandel kostet diese Entwicklung voraussichtlich Stellen. Die gestrige Entscheidung der Deutschen Bank dürfte den Postbank-Beschäftigten, die derzeit für die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze auf die Straße gehen, bestenfalls einen Zeitgewinn verschafft haben.

Einen Vorteil hat der Schrumpfkurs der deutschen Großbanken für die Steuerzahler: "Too big to fail" - zu groß zum Scheitern - hieß es in der Finanzkrise oft als Begründung dafür, dass Banken aus der Staatskasse gerettet wurden. Das könnte sich eines Tages ändern.