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WDR-Kabarettfest im Pantheon: Poesie, Ironie und ein Nestléhäkchen

WDR-Kabarettfest im Pantheon : Poesie, Ironie und ein Nestléhäkchen

Soweit sei es schon gekommen, sagt Tobias Mann am Tag nach den Landtagswahlen in Sachsen und in Brandenburg.

"Wir freuen uns darüber, dass die AfD nur zweitstärkste Kraft geworden ist." Der Moderator der 102. Ausgabe des WDR-Kabarettfests im Pantheon präsentiert sich - wieder einmal - in bestechender Form.

Mann ist nicht bloß der ideale Gastgeber des Formats, das wie immer für WDR 5 aufgezeichnet wird, er ist zugleich der Maßstab des Abends.

Weder Kai Magnus Sting vermag sich mit dem aus Mainz stammenden Ex-Comedian zu messen, der längst wie kein Zweiter das moderne Politkabarett definiert, noch "Schlachtplatte"-Urgestein Robert Griess.

"Hass und Vorurteile sind das Benzin, mit dem die Karre AfD läuft", fasst Mann zusammen. Das Dilemma: "Die Menschen wollen ja grüne und soziale Politik, aber dafür müssen langfristige Weichen gestellt werden - und das ist blöd für Politiker, die nur von einer Legislaturperiode zur nächsten denken." Formidabel gerät auch seine Abrechnung mit der alerten Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, dem "Nestléhäkchen".

In seinem zweiten Part wechselt Mann auf die philosophische Ebene, rät in Zeiten der alles erdrückenden Digitalisierung zu mehr Reflexion.

"Die Trennung zwischen Welt und Internet ist aufgehoben, das säkulare Netz ist Geschichte." Eine nicht ungetrübte Betrachtung: "Mein Glaube an den Humanismus hat inzwischen etwas Palliatives bekommen."

Griess benötigt einen langen Anlauf mit kölscher Folklore, um schließlich über die Kölner Silvesternacht 2015/16 den Bogen zur Fremdenfeindlichkeit zu spannen.

Und Barbara Ruscher serviert harmlos-sympathische Schnurren rund um Kindergeburtstagsfeiern. Eine Klasse für sich ist jedoch die Liedermacherin Uta Köbernick. Ihr gelingt ein ebenso substanzieller und nachdenklich stimmender wie heiterer Tiefgang ohne erhobenen Zeigefinger.

Dafür mit einigen wunderbaren Statements: "Wenn die Poesie nur noch mit Ironie gepaart dem Publikum zuzumuten ist, dann ist das witzig - aber traurig."

Beim 103. WDR-Kabarettfest am 8. Dezember (20 Uhr) im Pantheon: Tobias Mann, Carmela de Feo, Christoph Sieber, Nils Heinrich und Severin Groebner.