Pegida "Dunkle Gestalten"

BERLIN · Die anderen sind schuld, vor allem natürlich die Medien. So stellt die Pegida-Spitze selbst die Rücktritte ihrer Führungsspitze dar. Zwar will man sich nicht offiziell äußern. Das soll erst heute geschehen.

Aber auf der Facebook-Seite, die in der Vergangenheit stets das Mittel der Wahl war, wenn es darum ging, für die Demonstrationen zu mobilisieren, stand gestern Folgendes über den Rücktritt von Kathrin Oertel zu lesen: "Fakt ist, Kathrin hat vorerst ihr Amt als Pressesprecherin niedergelegt."

Als Grund werden "massive Anfeindungen, Drohungen und berufliche Nachteile" genannt. "Wenn nachts schon irgendwelche Fotografen und dunkle Gestalten und andere komische Gestalten um ihr Haus schleichen, da kann man es der stärksten Frau nicht übel nehmen, wenn sie eine Auszeit braucht." Bestätigt wird in dem kurzen Text auch, dass sich mit Thomas Tallacker ein weiterer Vorständler zurückzieht.

Die ganze Wahrheit ist das aber noch nicht. Neben Oertel und Tallacker sind auch der Wirtschaftsberater Bernd-Volker Lincke das AfD-Mitglied Achim Exner zurückgetreten, vor allem aber Vereinsvize René Jahn. Oertels Rücktritt ist ein schwerer Schlag für Pegida.

Sie entwickelte sich schon zum weiblichen Gesicht von Pegida, als Lutz Bachmann noch der uneingeschränkte Frontmann der Gruppe gewesen war. Nachdem er über eine im Netz aufgetauchte Hitler-Parodie, vor allem aber über unsägliche Beschimpfungen von Asylbewerbern gestolpert war, schien Oertel die ideale Nachfolgerin. Sie äußerte sich moderater, trat für eine dialogorientierte Linie ein, versperrte sich nicht dem Kontakt mit den Medien und ging sogar in Günther Jauchs ARD-Talkshow.

Ist dem Pegida-Text also zu glauben, wonach ihr "Anfeindungen" zu viel geworden sind? So viel ist klar: Oertel hatte schon häufiger geklagt. Aus einigen Äußerungen ließ sich durchaus erkennen, dass ihr der Rummel über den Kopf zu wachsen drohte. Sie hatte darauf hingewiesen, dass sie auch noch beruflich - in der Immobilienbranche - engagiert sei, dass sie Kinder habe und diese mitunter unschöne Bemerkungen anhören müssten. Auf einer Pegida-Pressekonferenz sagte sie offen, es sei nicht ihre Absicht, künftig "jeden Montag durch Dresden zu marschieren". Dennoch ist auch dies sicher nicht die ganze Wahrheit.

Der Facebook-Text spricht von einer "Auszeit". Könnte sie also wiederkommen? Es gibt Vermutungen, der Rückzug der vier Führungspersönlichkeiten sei ein gezielter Vorstoß, um Lutz Bachmann endgültig auszubooten. Dieser hatte nämlich zum Erstaunen des Spitzengremiums zuletzt intern deutlich gemacht, dass er hinter den Kulissen durchaus noch mitzumischen gedenke.

Tatsächlich hat es in den letzten Tagen in der Pegida-Führung Richtungskämpfe gegeben. Oertel und der als gemäßigt geltende René Jahn hatten auf eine scharfe Abgrenzung zum Leipziger Ableger Legida bestanden, dessen Führung als stark von rechtsradikalen Elementen durchsetzt gilt. Jahn hat die Kontroverse gestern bestätigt.

Hintergrund der Rücktritte sei Bachmanns Verbleib im Organisationsteam von Pegida gewesen, aber auch die "mangelnde Abgrenzung von Legida in Leipzig". Ganz ausgeschlossen scheint also bei eindeutiger Klärung der Sachfragen die Rückkehr der Gemäßigten an die Pegida-Führungsspitze nicht.

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