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Schule in NRW: Bilanz nach einer Woche ohne Masken im Unterricht

Corona-Pandemie : Ernüchternde Bilanz nach einer Woche ohne Maske im Unterricht

Nach einer Schulwoche in NRW ohne Maskenpflicht am Sitzplatz im Klassenraum ist die Bilanz ernüchternd. Vielerorts wird berichtet, dass Schülerinnen und Schüler ihren Mund-Nasen-Schutz trotzdem anlegen. Die Landeselternkonferenz macht Unsicherheit aus.

Seit einer Woche muss in NRW auf den Sitzplätzen im Klassenraum keine Maske mehr getragen werden. Die Bilanz ist durchwachsen: Freude, aber auch Sorgen, Unsicherheit, Kritik. Die Schülervertretung spricht von fatalen Folgen.

Die Landesschülervertretung beklagt ausgefallene Stunden und in einigen Fällen auch ein erneutes Ausweichen auf Online-Unterricht. Der Philologenverband fürchtet, dass der Präzenzuntericht ohne strikte Maskenpflicht bei steigenden Infektionszahlen bald wieder aufgegeben werden muss.

„Die meisten Schüler haben ihre Masken anbehalten“, sagte Johanna Börgermann von der Landesschülervertretung NRW der Deutschen Presse-Agentur. Frust und Sorgen um die Gesundheit seien groß. Seit zum 2. November die Maskenpflicht am Platz gefallen sei, zeigten sich bereits „fatale Folgen“.

So dürften zum Beispiel an ihrem Gymnasium schwangere Lehrerinnen jetzt nicht mehr in Präsenz unterrichten, sagte Börgermann. Zwei Mathe-Leistungskurse würden deshalb zu einem zusammengelegt. Teilweise sei man wieder beim Online-Unterricht. In unteren Stufen falle Unterricht aus, weil Lehrkräfte Lücken in den Oberstufen schließen sollten. Die Schülervertreterin forderte: „Wir brauchen eine Anpassung von Lerninhalten und Prüfungsinhalten, aber keine wochenlange Diskussion über eine Maskenpflicht.“

Nach mehr als einem Jahr ist die Pflicht seit vergangenem Dienstag auf den Sitzplätzen wieder abgeschafft. Schüler müssen den Mund-Nasen-Schutz aber nach wie vor im übrigen Gebäude tragen - und auch anlegen, wenn sie ihren festen Platz verlassen.

Bei den Eltern gebe die ganze Bandbreite von Freude, Sorge, Kritik, sagte die LEK-Vorsitzende Anke Staar der dpa. „Einige Schulleitungen haben die Eltern angeschrieben und gebeten, Rücksicht zu nehmen und die Masken freiwillig weiter zu tragen.“ Andere hätten sich erleichtert gezeigt und „gefreut, wieder in die Gesichter der Kinder blicken zu können“. Grundsätzlich sei angesichts steigender Infektionszahlen aber „eine wieder wachsende Verunsicherung“ spürbar.

Kritik vom Philologenverband

Das Auslaufen der Maskenpflicht passe nicht zum Bekenntnis des Schulministeriums zum Präsenzunterricht, kritisierte der Philologenverband, der die Gymnasiallehrer vertritt. Mit dem Masken-Aus am Platz seien die Quarantäneregelungen verschärft worden. Das führe zwangsläufig zu mehr Quarantänefällen in den Schulen und bedeute folglich, dass wieder Schüler in Distanzunterricht gehen müssten. „Diesen geht mehr wertvolle Zeit für den Präsenzunterricht verloren“, kritisierte Sprecher Olaf Steinacker.

Der Verband Bildung und Erziehung sprach von einer eher unaufgeregten Woche. „Die Stimmung erstreckt sich von Freude über den persönlicheren Austausch bis zur Sorge um die eigene Gesundheit. Einige zeigen sich erleichtert über das Ablegen der Maske am Sitzplatz, andere können mit Blick auf die aktuellen Daten die Entscheidung nicht nachvollziehen“, berichtete der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau. „Letztlich ist die Maske die geringere Zumutung im Vergleich zur Quarantäne oder Unterrichtsausfall.“

Schulministerium sieht keinen Anlass, die Regelung zu hinterfragen

Aus dem Schulministerium in Düsseldorf hieß es, es bestehe kein Anlass, die neue Regelung wieder zu hinterfragen. „Gleichwohl beobachtet die Landesregierung das Infektionsgeschehen in Nordrhein-Westfalen weiter sehr genau.“ Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bekräftigte, die Lockerung sei „verantwortbar“. Schulen seien weiterhin sichere Orte. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sagte der „Rheinischen Post“ (Samstag): „Wenn wir merken, dass das Infektionsgeschehen in den Schulen besondere Auffälligkeiten hat, wird die Landesregierung angemessen reagieren.“

(dpa)