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200 Jahre Kreis Ahrweiler: Der Baron und die Brücke

200 Jahre Kreis Ahrweiler : Der Baron und die Brücke

Widerstandskämpfer Philipp Freiherr von Boeselager aus Kreuzberg und der Durchmarsch der Amerikaner in Remagen.

200 Jahre Kreis Ahrweiler: Da dürfen in einer Betrachtung der schwärzesten Zeit, der Zeit des Nazi-Terrors und des Zweiten Weltkrieges ein Mensch und ein Bauwerk, die Geschichte schrieben, nicht fehlen: Widerstandskämpfer Philipp Freiherr von Boeselager aus Kreuzberg und die in die Filmhistorie eingegangene Brücke von Remagen.

„Pirat und Konservativer, Rebell und Demokrat, Soldat und Widerständler, gelegentlich auch Sturkopf, Rennreiter, Ritter, Jäger, Naturliebhaber, Büchernarr, Erzähler zahlloser Geschichten und vor allem Familienvater.“ – So beschrieb Johannes Freiherr Heereman, Regent des deutschen Subpriorates des Souveränen Malteser Ritterordens beim Staatsakt in der Ahrweiler Laurentius-Kirche 2008 Philipp Freiherr von Boeselager.

Der Letzte aus dem Kreis der Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944 war in der Nacht zum 1. Mai im Alter von 90 Jahren gestorben. Vertreter von Bundes- und Landesregierung gaben dem Mann das letzte Geleit, der am 15. Juni 2005 zum ersten und einzigen Ehrenbürger des Kreises Ahrweiler ernannt worden war. Eine Würdigung, die in ganz Rheinland-Pfalz einzigartig war. Frankreich ernannte von Boeselager zum Offizier der Ehrenlegion. Die Realschule in Ahrweiler ist nach ihm benannt, dito mehrere Bundeswehrkasernen nach ihm und seinem Bruder Georg, der ebenfalls zur Gruppe der Widerstandskämpfer gehörte.

Von Boeselager gehörte zu der Gruppe, die das Hitler-Attentat verübte

Seine verdeckte Arbeit gegen Adolf Hitler und den Nationalsozialismus machten von Boeselager berühmt. Der Baron, wie der Herr auf Burg Kreuzberg bei Altenahr bis zu seinem Tode liebevoll von seinen Mitbürgern genannt wurde, gehörte zum Kreis der Männer um Generalmajor Henning von Tresckow, die das Attentat auf Hitler verübten. Von Boeselager hatte dazu Sprengstoff und Zünder nach Ostpreußen transportiert.

Daraus entstand die Bombe, die Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Führerhauptquartier Wolfsschanze deponierte und zur Detonation brachte. Boeselager und seine Männer sollten, so der Plan, die Attentäter nach einem gelungenen Anschlag absichern. 1200 Mann setzte der Reiteroffizier in Marsch; nach Hitlers Tod sollten sie in Berlin die Kontrolle übernehmen. Die als „Ritt der 1200“ in die Geschichte eingegangene Aktion blieb ob der Wirren an der Ostfront unbemerkt, wurde für eine taktische Truppenbewegung gehalten. „Ich hatte Glück. Keiner verriet mich. Auch nicht unter Folter“, sagte von Boeselager einmal im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Nach dem Krieg studierte der Ritterkreuzträger Volkswirtschaft, übernahm 1949 den Forstbetrieb auf Burg Kreuzberg. Von Boeselager gehörte zu denjenigen, die beim Aufbau der Bundeswehr als Berater tätig waren. Fast wöchentlich war Philipp von Boeselager zu Gast in Schulen, zog junge Menschen als Zeitzeuge in seinen Bann.

Die Brücke von Remagen schrieb Filmgeschichte

Filmgeschichte schrieb hingegen die Brücke von Remagen, nachdem sie vorher schon Geschichte geschrieben hatte. Es war der 7. März 1945, als es einer kleinen Vorhut der 9. US-Panzerdivision unter Führung des deutschstämmigen Leutnants Karl H. Timmermann gelang, die letzte unzerstörte Rheinbrücke zu erobern: die Ludendorff-Brücke bei Remagen.

Die Einnahme der Rheinquerung, an der nach fehlgeschlagenen Sprengungen durch das deutsche Brückenkommando neben amerikanischen auch belgische und englische Soldaten beteiligt waren, ging als das „Wunder von Remagen“ in die Annalen der Kriegsgeschichte ein. General Dwight D. Eisenhower wird der Ausspruch zugeschrieben: „Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert.“ Die deutsche Heeresleitung versuchte in den folgenden Tagen verzweifelt, die Brücke durch Bombenangriffe, Beschuss mit V2-Raketen von Holland aus und Kampfschwimmern zum Einsturz zu bringen. Das misslang.

Am 17. März stürzte die schwer beschädigte Brücke schließlich wegen Überlastung ein, riss dabei 28 amerikanische Soldaten in den Tod. Doch bis dahin hatten Tausende von Soldaten und Fahrzeuge der US-Streitkräfte bereits übergesetzt. Erhalten sind heute nur noch die Brückentürme, in denen auf der Remagener Seite seit 1980 das Friedensmuseum untergebracht ist. Das Museum geht auf eine Initiative des damaligen Remagener Bürgermeisters Hans Peter Kürten zurück, der heute noch Vorsitzender des Vereins Friedensmuseum ist.

Die Ereignisse um die Brücke von Remagen kamen mit dem US-Spielfilm unter mit dem Originaltitel „The Bridge at Remagen“ 1969 in die Kinos und machten als Kriegsfilm Furore. Die Filmbrücke stand allerdings in Davle an der Moldau in Tschechien, hatte aber große Ähnlichkeit mit dem Original. Immer wieder gab es aber auch Briefmarken mit dem Motiv der Einnahme der Brücke.