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Michael Borchard stellt in Rhöndorf Buch über Konrad Adenauer und David Ben-Gurion vor

Vortrag beim Adenauer-Forum : Autor Michael Borchard stellt Buch in Rhöndorf vor

Autor Michael Borchard hat in Rhöndorf sein Buch über die Freundschaft zwischen Konrad Adenauer und David Ben-Gurion vorgestellt.

Das berühmte Foto mit den beiden älteren Herren, die sich freundlich zulächelnd im 35. Stock des New Yorker Edelhotels Waldorf Astoria gegenüber sitzen, ist auf dem Schutzumschlag zu sehen. Wie so oft, wenn es in Veröffentlichungen um die Beziehungen von Konrad Adenauer und David Ben-Gurion geht.

Die gelöste Atmosphäre, der israelische Patriarch, der seine Hand auf den Arm des deutschen Bundeskanzlers legt, sprechen Bände. „Auch dieses Buch konnte offenbar dieser Versuchung nicht entkommen“, sagte Michael Borchard, als er im Forum der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus sein 384 Seiten starkes Werk „Eine unmögliche Freundschaft – David Ben-Gurion und Konrad Adenauer“ vorstellte. „Ich hätte mir für die Präsentation keinen schöneren Ort wünschen können“, so der Autor.

Zweimal begegneten sich die beiden Staatsmänner. In den USA und im Mai 1966 in Israel. Und noch ein Foto ist bezeichnend: Ben-Gurion und Adenauer in der Wüste, als der Deutsche den zehn Jahre jüngeren Freund in dessen Zuhause im Kibbuz Sde Boker im Negev besuchte. Eigentlich wollte der Gastgeber Adenauer mit auf einen Spaziergang nehmen, aber seine Frau Paula Ben-Gurion verhinderte das, um den mittlerweile 90-Jährigen zu schonen. Und so waren es nur einige Schritte, „sorgsam inszeniert für die Fotojournalisten“, wie Borchard schreibt.

Die Szene gab der Bad Honnefer Künstlerin Marita Klöckner die Vorlage für ihr Werk „Auf Augenhöhe – von Mensch zu Mensch“, zwei Porträts in Acryl auf Leinwand, die sie bereits 2015 gemalt hatte zum 50-jährigen Bestehen diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. „Das Thema deutsch-israelische Beziehungen liegt mir am Herzen, ich möchte künstlerisch ein Statement setzen“, so Klöckner. Damals war es wegen der Umbauarbeiten in der Stiftung nicht zu einer Ausstellung gekommen, nun brachte sich die Malerin erneut in Erinnerung, so Stiftungs-Geschäftsführerin Corinna Franz bei ihrer Einführung in den Abend. Und so bildete das Doppel-Portrait den Hintergrund für die Buchvorstellung.

Adenauer mit Weste und Anzugjacke in der Hitze, Ben-Gurion im Hemd. „Ich habe dafür die Wüstenfarbe gewählt“, so Klöckner, die in Anlehnung an den Kubismus ihre Linien zieht. Kantig wirken die Köpfe, die Gesichtszüge. Auf Augenhöhe hat sie beiden Staatsmänner trotz der Größenunterschiede angeordnet, aber mit etwas Abstand dazwischen. „Nach dem heutigen Vortrag würde ich sie wohl etwas enger zueinander rücken, ich hatte das eher als schwierige Beziehung, nicht als vertrauensvolle angesehen.“

Das Buch klärt auf. Borchard, der promovierte Historiker und Politikwissenschaftler, verstand es, die zahlreichen Besucher im Forum mit seinem Vortrag zu fesseln. Dass die beiden Staatsmänner sich bei ihrem ersten Zusammentreffen im März 1960 mit einer solchen Herzlichkeit begegneten, „ist nichts anderes als ein kleines Wunder“, formulierte es Borchard. Damit meint er ausnahmsweise nicht das Wunder, „dass sich ein deutscher und ein israelischer Staatsmann so kurz nach der Shoah so herzlich begegnen können“, sondern er sieht es „in der persönlichen Kompatibilität der beiden Patriarchen“. Borchard: „Wie kann es sein, dass zwei Menschen, die so unterschiedlich sind, sich in so kurzer Zeit so augenscheinlich nahekommen konnten? Wie kann es sein, dass sich der katholische Konservative aus dem Rheinland und der sozialistische jüdische Skeptiker und Zionist David Ben-Gurion so gut verstanden?“ Borchard setzt in seinem Buch das Leben der beiden in Beziehung, schildert die parallelen Lebenswege, die Geschichte ihrer ungewöhnlichen Beziehung und die Wirkung dieser Freundschaft.

Detailliert, aber spannend zu lesen ist der Stoff. Es sind die großen historischen Momente und Entscheidungen wie etwa das Wiedergutmachungsabkommen 1952, die der Autor anführt. Aber er vergisst auch nicht Ereignisse wie die Hungersnöte, bei denen beide Staatsmänner mit ihrer Kreativität auf der einen Seite das Adenauer-Brot und auf der anderen den Ben-Gurion-Reis erfanden. In der Diskussion ging es auch um die Probleme von heute. Borchard: „Die Lösung muss aus der Region kommen.“