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Rhein-Sieg-Kreis: Landwirte ernten aufgrund der Witterung weniger Kartoffeln

Rhein-Sieg-Kreis : Landwirte ernten aufgrund der Witterung weniger Kartoffeln

Ob gebraten, gekocht oder als Pommes - Kartoffeln gehören in Deutschland dazu. In diesem Jahr müssen sich die Menschen vielerorts aber mit etwas kleineren Knollen und damit auch kürzeren Pommes zufrieden geben.

Denn: Das lange kalte Frühjahr und der heiße Sommer haben nicht gerade ideale Bedingungen für das anspruchsvolle Gewächs geboten. "Es wird für die Kartoffeln eng, wenn es zu trocken ist, weil sie viel Wasser brauchen", sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer.

Deshalb seien sie nicht nur kleiner, der Ertrag sei in diesem Jahr auch geringer. Im Umkehrschluss bedeutet das für die Landwirte allerdings: Sie bekommen höhere Preise für ihre Kartoffeln. Laut Rüb können die Erzeuger derzeit mit 80 Euro pro 100 Kilo rechnen. Die Jahre davor waren es 40 bis 50 Euro.

"Wir profitieren aber nur vom Preis, wenn die Ausfälle nicht zu hoch sind", sagt Landwirt Reinhold Decker aus Hersel. Die schätzt der 46-Jährige auf 20 Prozent. Zudem sei die Sortierung eingeschränkt, weil kaum große Kartoffeln dabei seien.

"Bei den Frühkartoffeln hatten wir noch größere, bei den späteren Sorten ist das nicht mehr gegeben", sagt Decker, der auf 13 Hektar seines Betriebes Kartoffeln anbaut und diese direkt vermarktet. Seine Kunden müssen in diesem Jahr etwa 25 Prozent mehr zahlen. Dabei ist die Preisentwicklung völlig offen, weil die Haupterntephase noch aussteht.

Insgesamt ist es laut Decker für die Kartoffelbauern kein einfaches Jahr: Zuerst verzögerte der lange Winter die Anpflanzung, dann entwickelten viele Pflanzen im kalten Boden nur wenige Knollen. Und schließlich setzte die Hitze ein, in der die Kartoffeln zwar schnell reifen, aber nicht mehr wachsen.

Der Hitze und Trockenheit hat Georg Rheindorf (51), der seit 2010 in Heimerzheim Speisekartoffeln anbaut, mit Wasser getrotzt. "Wir haben den Vorteil, dass wir unsere Kartoffeln bewässern konnten", sagt er. Beim Ertrag rechnet er deshalb nur mit einem geringen Rückgang. In den kommenden Wochen will er mit der Ernte starten.

"Was man so hört, ist der Preis nicht schlecht", sagt der Landwirt und ergänzt: "Irgendwann müssen wir ja mal gute Preise haben." Vor ein paar Jahren hätten die Kartoffelbauern eine richtige "Minusrunde" eingefahren.

Mit Qualität und Menge zufrieden ist Landwirt Johannes Schmitz (45) aus Buschhoven. Er baut die Knollen auf einem Hektar Fläche an und verkauft sie in seinem Hofladen. "Es gab bisher keine Ausfälle", sagt Schmitz. Vom hohen Preis profitiert auch er. Als Direktvermarkter mache er allerdings seinen eigenen Preis, der derzeit nicht ganz so hoch liege wie der Marktpreis, sagt er.

Für ein Kilogramm handgeerntete Frühkartoffeln zahlen die Kunden bei ihm derzeit 90 Cent. Schmitz: "Wir merken unterschwellig, dass wir mehr absetzen als vergangenes Jahr."

Das könne auf die höheren Preise auch in den Geschäften zurückzuführen sein. 86 Cent kostete ein Kilo vorwiegend festkochende Kartoffeln in der vergangenen Woche durchschnittlich. Zum Vergleich: 2012 seien es zur gleichen Zeit 57 Cent gewesen, sagt Hans-Christoph Behr, Abteilungsleiter Gartenbau der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft aus Bonn. "Das ist zwar nicht völlig aus der Welt, aber schon ein sehr hoher Preis."

Kartoffelanbau

Im Rhein-Sieg-Kreis macht der Kartoffelanbau nur einen geringen Teil der landwirtschaftlichen Fläche aus. Lediglich 217 der 20 200 Hektar würden für die Knollen genutzt, sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW.

Im Rheinland hat sich der Kartoffelanbau laut Rüb vor rund 30 Jahren wieder etabliert, als in Holland die Pommes-frites-Kartoffeln knapp wurden. Verarbeitungskartoffeln für Pommes und Chips machen im Gegensatz zu Speisekartoffeln demnach auch die Masse der Kartoffeln in Nordrhein-Westfalen aus.