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Besucherrekord beim Klosterfest: Die Steyler feierten in Sankt Augustin international

Besucherrekord beim Klosterfest : Die Steyler feierten in Sankt Augustin international

Es war eine Geburtstagsfeier der Superlative: Trotz des verregneten Aprilwetters im Mai strömten am Wochenende so viele Besucher wie nie zuvor auf das sechste Klosterfest. Mehrere zehntausend Gäste waren gekommen. Das Fest war zum 100-jährigen Geburtstag des Klosters noch größer, vielfältiger und internationaler als bislang organisiert wurden.

"Als vor 100 Jahren dieses Haus gegründet wurde, sah die Welt noch anders aus," begrüßte Pater Rektor Martin Neuhauser die Besucher des Klosterfests am Samstagnachmittag: "Die Gründungsväter würden sich freuen, wenn sie sähen, wie es sich hier entwickelt hat. In unserem Haus leben Menschen aus 15 Nationen. Wir leben jeden Tag diese Multi-Kulti-Gesellschaft, von der viele nur träumen, über die sich andere vielleicht auch ärgern mögen."

Doch wenn eines feststehe, dann, dass die internationale Gemeinschaft eine große Bereicherung für alle sei. Gemeinsam feiern heiße daher natürlich auch, mit den Sankt Augustinern feiern, betonte Neuhauser: "Das Kloster ist ein Ort der Begegnung, Begegnungen mit den Steylern, mit Freundeskreisen und Nationen." Ein Motto, das sich durch das große Programm zog: Kunst und Kultur, Comedy und Musik, Kulinarisches aus Asien, Indien und auch aus Ungarn und dazu eine Übertragung des Champions League Finales am Samstagabend waren vor allen Dingen für das Organisationsteam unter Leitung von Bruder Heinz Günther Kleist eine Herausforderung.

"Wir haben über 500 Helfer, einige davon sind bereits zum sechsten Mal hier. Über die Jahre ist der Zulauf stetig gewachsen", berichtete Jürgen Welzel vom Organisationsteam. Noch vor allen anderen Aktionen begannen die Festtage in der Klosterküche: Um 6 Uhr morgens trafen dort Köche, ihre Helfer und Mentalitäten aus 35 Nationen aufeinander, um die kulinarischen Spezialitäten von Frühlingsrollen über Saté-Spieße und Nudelpfannen oder indische Gerichte bis zur ungarischen Eintopfvariante des Bigos zuzubereiten.

Gewichtige Probleme hatte derweil Bruder Paul Heider in der Turnhalle zu stemmen: Der Leiter der Steyler Buchhandlung hatte zum Bücherflohmarkt eingeladen. Verkauft wurde dabei nach Kilopreis, "denn anders geht das gar nicht. Wir haben über 300 000 Bücher, viele aus der Auflösung einer Bücherei in Österreich, aber auch Nachlässe und Schenkungen." Die Nachfrage war riesig, die Schlangen vor den Waagen lang - und Paul Heider zufrieden: "Letztes Mal haben wir allein damit 5000 Euro eingenommen. Jetzt wird es vermutlich erheblich mehr, obwohl wir den Kilopreis sogar noch gesenkt haben."

Man überlege nun, den Flohmarkt zur festen Institution zu machen. Als solche dürfen die zahlreichen Konzerte in der Klosterkirche bereits bezeichnet werden. Nur die Orgel blieb immer öfter stumm. Ihre Restauration ist längst überfällig. Daher wollen die Steyler einen kleinen Teil der Erlöse des Klosterfestes für ihre Orgelsanierung nutzen, kündigte Pater Rektor Martin Neuhauser zur Eröffnung des Festes an.

Im Fokus des Festes stand aber die Hilfs- und Missionsarbeit von Pater Heinz Kulüke, der auf den Philippinen Kindern, die auf Müllkippen leben, eine bessere Zukunft mit einem Haus, regelmäßigen Speisen und einem Zugang zu Bildung ermöglicht. Warum das so wichtig ist, zeigte das von der katholischen Universität Eichstätt komponierte und zum Klosterfest aufgeführte Musik-Drama "Lieder der Müllbergkinder" auf ergreifende Weise.

Verständlich war die auf dem Fest kursierende Empörung über den vergeblichen Versuch eines Besuchers am Samstagnachmittag, eine der bereits üppig gefüllten Spendendosen an einem Bierwagen zu entwenden. Um eben jene Spendendosen zu füllen, hatten viele der Künstler aus aller Welt ganz oder auf einen großen Teil ihrer Gage verzichtet, darunter auch Künstler wie Star-Trompeter Bruce Kapusta oder das Israel Brass Quintet.

Einen bitteren Wermutstropfen erlebten die Besucher, die TV-Comedian Markus Maria Profitlich am Sonntagnachmittag sehen wollten, doch vor verschlossenen Türen standen: Künstler und Management hatten einen Umzug in die Aula für einen Auftritt vorausgesetzt und dort die Zuschauerzahl streng limitiert. So drohte der Gute-Laune-Künstler mit Abbruch seiner Show, sollte auch nur ein Gast ein Foto seines Auftritts machen.