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Besseres Honorar gefordert: Musiklehrer protestieren vor Rathaus in Sankt Augustin

Besseres Honorar gefordert : Musiklehrer protestieren vor Rathaus in Sankt Augustin

Die Honorarkräfte an der Musikschule Sankt Augustin wollen mit einem Flashmob vor dem Rathaus auf prekäre Beschäftigungssituation hinweisen. Seit mehr als zehn Jahren kämpft die Branche um bessere Verhältnisse.

Seit der Antike gehört die Musik zu den sieben großen freien Künsten. Eine Kunst, die mitunter brotlos sein kann. Darauf weisen Lehrkräfte an Musikschulen und Gewerkschaften bereits seit Jahren hin. Als Honorarkräfte arbeiten sie zumeist in der Selbstständigkeit – mit allen dazugehörigen Risiken und Pflichten zur unternehmerischen und finanziellen Absicherung. Verhandlungsspielräume für ein aus ihrer Sicht angemessenes Honorar haben sie dabei an kommunalen Musikschulen in der Regel nicht. Mit einem offenen Brief an die Politik und die Stadtverwaltung sowie einen Flashmob vor dem Rathaus will das Forum für Honorarkräfte der Musikschule Sankt Augustin auf die schwierige Beschäftigungssituation hinweisen. Der Flashmob erfolgt an diesem Dienstag ab 17.30 Uhr vor dem Rathaus. Anschließend werden die Honorarkräfte ihre Sorgen und Forderungen im Kulturausschuss, der ab 18 Uhr im kleinen Ratssaal tagt, vortragen.

Auf das Problem der Honorarkräfte an Musikschulen machte schon vor mehr als zehn Jahren die Dienstleistungsgewerkschaft verdi aufmerksam und warnte vor „Musikschullehrern im Prekariat“. Eine regelmäßige verdi-Umfrage unter Musiklehrern untermauerte zuletzt im Dezember 2017 diese These: Das durchschnittliche Jahreseinkommen der Honorarkräfte lag 2017 bei 13.359,74 Euro. Für 30,2 Prozent der Befragten war es das einzige Einkommen, für 30,5 Prozent das wichtigste von mehreren Einkommensquellen, für 39,3 Prozent „ein zusätzliches Einkommen“.

Musiklehrer in Sankt Augustin schreiben offenen Brief

Das Statistische Bundesamt erfasste im Mikrozensus 2016, dass 59 Prozent der Musikpädagogen selbstständig tätig seien. Der Anteil der Selbstständigen unter den Mitarbeitern an Musikschulen lag im Bundesdurchschnitt bei 49 Prozent. „In der Musikschule Sankt Augustin sind von ungefähr 60 Mitarbeitern gut zwei Drittel als Honorarkräfte tätig“, erklärt Laura Oetzel, Sprecherin des Forums für Honorarkräfte.

Mit einem offenen Brief fordert das Forum von der Stadt eine Umwandlung von Honorarverträgen in feste Tarifverträge sowie kurzfristig eine Erhöhung der Honorare auf 40 Euro je Zeitstunde Einzelunterricht. Zwar hatte erst vergangenen Freitag NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen auf der Mitgliederversammlung des Landesverbands der Musikschulen eine Verdreifachung der Mittel für die öffentlichen Musikschulen bekanntgegeben – um insgesamt sieben Millionen Euro bis zum Jahr 2022. Dieses Geld werde allerdings nicht bei den Honorarkräften ankommen, befürchtet das Forum. Oetzel setzt daher auf die Politik und den Dialog über die zum Teil prekäre Beschäftigungssituation: „Uns geht es darum, Spielräume innerhalb des Haushaltssicherungskonzepts und die absehbare Zeit nach der Haushaltssicherung zu finden.“