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Türkisch-Islamische Gemeinde zeigt Witterschlicker Gotteshaus: Neue Moschee ist offen für alle

Türkisch-Islamische Gemeinde zeigt Witterschlicker Gotteshaus : Neue Moschee ist offen für alle

Der Neubau ist als erledigt abgehakt, Moschee und Gemeindezentrum in Witterschlick füllen sich nach innen und außen mit Leben. "Jetzt beginnt die Zeit für soziale Projekte und Integration", beschreibt Hamdi Uzun, Vorstandsmitglied im Verein "Türkisch-Islamische Gemeinde zu Alfter-Witterschlick", die Entwicklung des Gemeindelebens, in das die Tage der offenen Tür am Wochenende auch Nichtmitgliedern einen umfassenden Einblick boten.

"Bisher waren wir überwiegend unter uns", erläutert Uzun und bezieht sich damit auf die alten und beengten Räumlichkeiten an der Nettekovener Straße in Witterschlick. Wegen der steigenden Gemeindegliederzahlen wurde deshalb bereits 2003 ein Neubau ins Auge gefasst, der dann 2013 schließlich an der Raiffeisenstraße bezogen werden konnte (der GA berichtete). Für das Grundstück an der Nettekovener Straße gibt es bereits einen Kaufinteressenten, der dort ein Mehrfamilienhaus errichten möchte. Noch ist der Vertrag aber nicht unter Dach und Fach.

Die Bauphase und die Einrichtung der neuen Moschee mit Gemeindehaus banden viel Energie bei den Vereinsmitgliedern, doch nach der Fertigstellung entfaltet das neue Zentrum seine ganze Anziehungskraft weit über die Grenzen der Gemeinde Alfter hinaus. "Vielleicht liegt es an unserer offenen Willkommenskultur, die auch Menschen anderer Religionen einschließt", unternimmt Necat Sertkaya einen Erklärungsversuch. Er ist Vorsitzender des Moscheevereins, dessen Einzugsbereich sich nicht nur auf Alfter, Bornheim, weitere linksrheinische Kommunen und Bonn erstreckt. Zahlreiche der mehr als 1000 Mitglieder kommen auch aus Wesseling, Euskirchen oder wie Sertkaya aus der Grafschaft.

Bei den Tagen der offenen Tür, zu denen die Gemeinde regelmäßig am Pfingstwochenende einlädt, herrscht aber nicht nur ein reges Treiben aufgrund der hohen Zahl der eigenen Gemeindeglieder. Auch die einheimische Nachbarschaft kommt gern und zahlreich zu Besuch. Es gibt Führungen durch die Moschee, türkische Spezialitäten, Unterhaltungsangebote für die Kinder und Gelegenheit zum zwanglosen Austausch. Sertkaya schätzt, dass rund zehn Prozent der Besucher aus der nichtmuslimischen Bevölkerung kommen. Dazu gehören am Wochenende auch wieder Bürgermeister Rolf Schumacher und der sogenannte Kontaktbeamte für muslimische Einrichtungen des Polizeipräsidiums Bonn, Michael Kirschstein.

Die Restarbeiten rund um die Moschee und das zweistöckige Gemeindezentrum sind überschaubar: Im Außenbereich müssen noch Rasen eingesät und ein Spielplatz errichtet werden. Der Schotterplatz, derzeit von der Gemeinde gepachtet, soll gekauft und gepflastert werden. Nun ist also Zeit und Raum für die Belebung der Gemeindearbeit und die Öffnung nach außen.

In diese Richtung weisen nicht nur die Zusammenarbeit mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS, die am Wochenende bei den Besuchern um eine Speichelprobe für die Registrierung als Spender im Kampf gegen Blutkrebs warb. Etwa 60 Freiwillige ließen sich innerhalb von drei Stunden registrieren. Der Gemeindeverein plant auch einen Blutspendetermin mit dem DRK Alfter und einen Themenabend zur Betreuung von Demenzkranken. Und wenn Großveranstaltungen anderer Vereine in der Nachbarschaft anstehen, werde die Moscheegemeinde gern ihren Parkplatz zur Mitnutzung freigeben. Auch die Jugendarbeit soll ausgeweitet werden. Gedacht ist daran, im Souterrain unter der Moschee ein Art offenes Jugendzentrum mit eigenem Eingang einzurichten, das auch Jugendliche besuchen können, die nicht muslimischen Glaubens sind.