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Nachtspeicheröfen als Reservoir: RWE probt Energiewende in Meckenheim

Nachtspeicheröfen als Reservoir : RWE probt Energiewende in Meckenheim

Wie der Konzern alte Nachtspeicheröfen als Reservoir für überschüssigen Strom aus Wind- und Solaranlagen testet.

Beim Thema Nachtspeicherheizung kommt Norbert Tebrügge schnell auf Betriebstemperatur. "Die wurde uns 25 Jahre lang als besonders umweltfreundlich und wirtschaftlich angepriesen, war hier sogar in vielen Neubaugebieten Vorschrift", erzählt der 75-Jährige. "Doch dann hieß es auf einmal, wir heizten nicht mehr zeitgemäß und umweltschädlich." Ein Bundesgesetz sah bis vor Kurzem sogar ein teilweises Verbot dieser in Meckenheim zwischen 1967 und 1992 installierten Stromheizungen vor. Doch jetzt wittern Tebrügge und mit ihm mehr als 4000 andere Meckenheimer Haushalte Morgenluft. Der Energiekonzern RWE testet in einem Pilotprojekt, inwieweit sich die alten Stromöfen als Speicher für überschüssige Wind- und Solarenergie eignen. Die Erfahrungen nach einer Heizperiode sind positiv.

Seit Ende Oktober vergangenen Jahres hängt im Keller von Tebrügges Einfamilienhaus ein grauer Kasten, von dem eine Leitung nach außen zu einer Antenne führt. An sie sendet RWE Projektleiter Jörg Rummeni von seiner Zentrale in Dortmund aus Signale, die den Stromfluss in die Heizkörper steuern. Ziel ist es, die Elek-troöfen immer dann aufzuladen, wenn etwa bei starkem Wind und Sonnenschein viel Strom ins Netz kommt und dort für Probleme sorgt. "Eine hundertprozentige Einspeisung von Ökostrom wird allerdings nicht möglich sein", bremst Rummeni allzu große Euphorie. Denn dann müssten Tebrügge und seine Frau an kalten, windstillen Wintertagen frieren.

Mit der schwankenden Stromeinspeisung fühlen sich die Tebrügges wohliger als zuvor. "Es ist nicht mehr morgens knallheiß und abends kalt wie früher bei der Nachtaufladung, sondern viel gleichmäßiger warm", freut sich der frühere Soldat über den größeren Wohnkomfort. Auch seine Heizkosten, die sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt haben, lägen wieder niedriger. "Dies liegt an der gleichmäßigen Raumtemperatur, die zu geringerem Stromverbrauch führt. Bei einzelnen Teilnehmern verhält es sich jedoch anders. Die Gründe analysieren wir gerade", berichtet Rummeni auch von anderen Erfahrungen. Insgesamt beteiligen sich 80 Haushalte in Essen und Meckenheim an dem Versuch, der zunächst auf zwei Jahre angelegt ist, aber anschließend wohl verlängert werden soll.

Als größtes technisches Problem bezeichnet Ingenieur Rummeni die "Fernsteuerung" der Stromzähler. Es sei häufig aufwendig, die einzelnen Zähler per Kabel oder Funk anzuschließen. Tebrügge fordert, den Strom für Nachtspeicheröfen von der EEG-Umlage zu entlasten: "Warum müssen wir das zahlen, wenn wir bei der Energiewende helfen?" Die Nachtstromheizung sei lange verteufelt worden, jetzt stelle sich heraus, dass "wir hier eine Ware haben, die knapp ist, und das ist Speicherkapazität". Auch Rummeni glaubt, dass die Öfen einen nennenswerten Beitrag zur Energiewende leisten könnten: "Bundesweit gibt es 1,4 Millionen dieser Speicher, da passt der Strom Tausender Windräder und Photovoltaikanlagen hinein. Wir müssen nur herausfinden, wie wir sie am besten nutzen können."

Hinzu komme eine wachsende Zahl an Wärmepumpen, die nach dem gleichen Prinzip mit Strom versorgt werden könnten. Rummeni: "Bei den Stromöfen ist auch technologisch noch Einiges drin, speziell bei der Steuerung, da wurde jahrelang nichts Neues mehr entwickelt." Sollte sich im Pilotprojekt herausstellen, dass Nachtspeicheröfen die Stromnetze tatsächlich wirkungsvoll entlasten, soll sich das für die Kunden auch auszahlen. RWE schätzt, dass der Strom für Nachtspeicheröfen dann rund zehn Prozent billiger werden könnte.

Das Potenzial der Stromheizung ist umstritten - Wärmepumpen können ebenfalls als Stromspeicher dienen

Eine Stromheizung gilt als energetisch ineffizient. Zwar liegt der Wirkungsgrad bei der Umwandlung von Strom in Wärme bei 100 Prozent, doch die Stromerzeugung selbst etwa aus Kohle weist nur Werte von maximal rund 50 Prozent auf. Davon gehen noch Transportverluste ab. Bei der Stromerzeugung aus regenerativen Energien wie Wind, Wasser oder Solarenergie fallen weder Brennstoffkosten noch Kohlendioxid an. Ein schlechter Wirkungsgrad spielt daher keine so große Rolle.

In Ländern mit viel Wasserkraft wie der Schweiz oder Norwegen sind deshalb Stromheizungen verbreitet. Stromheizungen benötigen im Haushalt keine Tanks oder Silos, Brenner und Rohre, was Kosten spart. Kritiker wenden jedoch ein, dass die Vollversorgung von Heizung und Warmwasser mit Ökostrom derzeit nicht machbar ist. Wegen der Notwendigkeit, mindestens zur Hälfte "konventionellen" Strom zuzusteuern, bleibe die Ökobilanz insgesamt schlecht. RWE beschränkt sich deshalb auch darauf, die bestehenden Öfen als Speicher zu nutzen.

Von einer "Renaissance" der Elektroöfen spricht Norbert Verweyen, Geschäftsführer der für das Projekt "Ökostromheizung" zuständigen RWE Effizienz GmbH, deshalb ausdrücklich nicht. Es gehe lediglich darum, das vorhandene gewaltige Speicherpotenzial zu nutzen. Bundesweit stehen rund 1,4 Millionen Nachtspeicherheizungen mit jeweils etwa zehn Kilowatt Leistung zur Verfügung - allerdings nur während der Heizperiode. Als Speicher der Zukunft könnte die wachsende Zahl an elektrischen Wämepumpen (derzeit knapp 600.000) infrage kommen, die im Ganzjahresbetrieb laufen, da sie auch für Warmwasser sorgen.