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Tag der offenen Tür im Rheinischen Mineralienkontor: Auf Schatzsuche

Tag der offenen Tür im Rheinischen Mineralienkontor : Auf Schatzsuche

Beim Tag der offenen Tür des Mineralienkontors in Dransdorf stöbern Wissenschaftler und Hobbysammler in dem riesigen Archiv.

Der Schritt über die Türschwelle bringt gefühlt ein Jahrhundert Zeitunterschied: Aus dem modernen Verkaufsraum des Rheinischen Mineralienkontors an der Fraunhofer Straße geht es hinein in ein verschachteltes Reich aus antiken Vitrinen und Schubladenschränken, das von schmalen Gängen durchzogen ist.

Versteinerte Wirbel eines Stegodon- Dinosauriers, Markasiten und Pyromorphiten liegen in Schaukästen, darunter verheißen Hunderte von Schubfächern mit Klebeschildchen weitere mineralogische Entdeckungen.

Nur an den Tagen der offenen Tür - gestern und heute - ist das tennisplatzgroße Archiv Besuchern zugänglich. Marcus Lueg kniet vor einer Schublade und studiert ihren Inhalt. Mehr noch als die Beschaffenheit der Mineralien interessieren ihn die vergilbten Zettel, auf denen handschriftlich, oft noch in Sütterlin, über die Herkunft der Exponate informiert wird. "Hier finden sich Stücke aus Gruben, die vielleicht schon 1920 oder noch früher geschlossen wurden, oder aus japanischen Provinzen, die heute keiner mehr kennt. Wenn ich etwas kaufe, recherchiere ich später die dazugehörige Historie im Internet."

Tatsächlich ist an diesem Ort, unspektakulär im Dransdorfer Gewerbegebiet gelegen, der Hauch der Geschichte spürbar. Schon 1833 wurde das weltweit älteste geologische Warenhaus im sächsischen Freiberg gegründet, im Jahr 1850 zog es nach Bonn um - zunächst in eine Villa an der heutigen Adenauerallee.

Mit kundigen Blicken durchforsten Petra Becker und Ladislav Bohaty, Professorin und Professor an der Uni Köln, die Schubladen nach Kristallen, anhand derer sich "nichtlineare optische Eigenschaften" untersuchen lassen.

180 Jahre zuvor war es ihr Kollege Alexander von Humboldt, der zu Forschungszwecken bei Händler Krantz einkaufte und ihm seinerseits unbekannte Gesteinsproben zuführte. "Die Krantzens hatten immer schon viel Kontakt mit Professoren und Universitäten.

Da wurde auch schon mal gesagt: Wenn du deine Expedition machst, dann bring mir etwas mit." Das erzählt Nachfahrin Ursula Müller-Krantz, die den Familienbetrieb gemeinsam mit Tochter Cornelia, einer Geologin, und dem kaufmännisch ausgebildeten Sohn Sebastian in vierter und fünfter Generation weiterführt.

Längst hat die Moderne Einzug gehalten. Im Online-Vertrieb finden sich Schleifmaschinen und Laserdistanzmesser. Dagegen erscheinen die ausgestellten Meteoriten und Fossilien wie eine andere Welt.

Die beiden Tage der offenen Tür sorgen bei der Inhaberin deshalb für gemischte Gefühle: "Was da jetzt rausgeht an historischen Stücken, kann man nicht mehr ersetzen. Deshalb lehne ich manchmal Kaufwünsche ab und nehme die aufgestöberten Teile für meine private Sammlung."

In manche der Schubladen, die die Mineralienfans wie Schatzsucher öffnen, hat jahrzehntelang niemand hineingeschaut. Nicht einmal Geologe Ralph Vetter, seit 20 Jahren im Dienste der Firma tätig, hat einen vollständigen Überblick.

Dafür kennt er beinahe alle Kunden: "Manche sind Lokalsammler, die schauen nach Mineralien aus bestimmten Regionen. Anderen geht es vor allem um die Ästhetik, oder sie suchen eine bestimmte Art." Zwei ältere Herren haben ihre Köpfe über kleine Plastikdöschen gebeugt und unterhalten sich auf Englisch.

Horst Geuer aus Königswinter ist mit seinem italienischen Freund Claudio Albertini gekommen, der eigens zum Sichten und Kaufen angereist ist. Denn in den hölzernen Laden schlummern sogar Reste aufgelöster italienischer Sammlungen.

Von 9 bis 17 Uhr ist auch am Samstag, 18. April, noch Tag der offenen Tür im Rheinischen Mineralienkontor, Fraunhofer Straße 7 in Dransdorf.