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Geplantes Hotel nahe der Beethovenhalle: Deshalb wird am Erzbergerufer in Bonn gesprengt

Geplantes Hotel nahe der Beethovenhalle : Deshalb wird am Erzbergerufer in Bonn gesprengt

Nahe der Bonner Beethovenhalle gehen die Abbrucharbeiten für ein neues Hotel nach einer Zwangspause weiter. Der Bagger mit dem riesigen Meißel hatte Gasleitungen derart in Schwingung versetzt, dass die Rohre hätten Leck schlagen können.

Dieser Bunker ist hartnäckiger als gedacht. Mitte Februar musste die Baufirma Becker aus Oberhausen den Abbruch am Erzbergerufer für einen neuen Hotelbau vorerst stoppen. Seit dem 13. Mai ist Bauleiter Uwe Groh mit seiner Mannschaft wieder vor Ort in direkter Nähe zur Beethovenhalle. Die Zwangspause hatte folgenden Grund: Der Bagger mit dem riesigen Meißel hat die in der Nähe verlaufenden Gasleitungen der Stadtwerke Bonn mit dem weiteren Abbruchfortschritt vom Rheinufer weg derartig im Schwingung versetzt, dass die SWB-Mitarbeiter, die ständige Messungen durchführten, erklärten, eine Leitung könnte Leck schlagen.

„Am Anfang sind wir noch ohne Probleme durchgekommen, aber das ist nichts, womit wir nicht umgehen könnten“, sagte Groh auf der Baustelle. Die Umplanung nahm allerdings drei Monate Zeit in Anspruch. Nun ist ein neuer Mann auf der Baustelle zwischen Flussufer, Theaterstraße, Windmühlenstraße und An der Windmühle hinzugekommen: Rolf Wunderlich, Sprengmeister bei der Deutschen Sprengunion mit Sitz in Hückeswagen, ist ein nicht unwesentlicher Teil des neuen Konzepts. Zweimal am Tag bohrt er mit Hilfe der Bauarbeiter Löcher in die oberste Decke des früheren Luftschutzbunkers. 1,30 Meter dick ist der stahlbewehrte Beton. Dann schiebt Wunderlich Dynamitstangen in die Löcher, die täglich aufs Neue aus einem sicheren Tresorlager angeliefert werden.

An diesem Tag sind es elf Löcher, die er mit 6,6 Kilogramm Sprengstoff füllt. Der Bagger legt jeweils 1,5 Tonnen schwere Gummimatten, zusammengesetzt aus gebrauchten Autoreifen, über den explosiven Inhalt. Täglich um 10 und 14 Uhr kann man dann recht gut beobachten, welchen Hintersinn dieser Schutzmantel hat. Zu diesen Zeiten rummst es nämlich, nachdem Wunderlich zuvor mit einer Tröte Signal gegeben hat und der Verkehr (nur) in den direkt anliegenden Straßen für einen Augenblick unterbrochen wird.

Zweimal sprengen an den Werktagen

Die schweren Gummiteppiche heben sich mit der Detonation ein wenig, es staubt je nach Wetterlage mal mehr oder weniger. Und wieder können die Bauarbeiter abgesprengte Stücke der Decke beiseite schaffen. Sie werden zunächst genutzt, um auf der Baustelle Wege für den Bagger zu befestigen. Bis zum Juli wird das wohl so gehen, schätzt Groh: zweimal sprengen an den Werktagen, Bauschutt räumen, weitermachen, bis die oberste Decke abgetragen ist.

Die Anwohner wurden nach Absprache mit der Stadt über die Detonationen informiert. Bisher habe es laut Groh und Presseamt diesbezüglich keine Beschwerden gegeben. Darunter haben die Bunkerbauer von einst zwar eine Zwischendecke gegossen, aber die 35 Zentimeter bekomme das Abbruchunternehmen mit einer sogenannten Schere geschnitten. Das Fundament des Bunkers bleibt. „Auch die Außenmauern“, so Groh. Darauf werde der künftige Hotelbau entstehen, den die Landmarken AG bis zum Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 errichten will. Das dritte Quartal bleibt nach Auskunft von Landmarken-Pressesprecher Kolja Linden trotz der Verzögerungen angepeilt.

Das alte Studentenwohnheim am Erzbergerufer ist bereits im vergangenen Jahr dem Erdboden gleichgemacht worden. Dort lebten zuletzt Flüchtlinge. Entstehen soll ein Drei-Sterne-Hotel mit 210 Zimmern und einem Tiefgaragen-Parkplatz mit 40 Stellplätzen. Die Landmarken AG hatte den Zuschlag für den Kauf des 3100 Quadratmeter großen Grundstücks nach einem Investorenwettbewerb erhalten.