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Protest gegen mögliches Massaker: Spontane Kurdendemo in der Innenstadt

Protest gegen mögliches Massaker : Spontane Kurdendemo in der Innenstadt

Während des Rosenmontagszugs demonstrieren bis zu 200 Menschen in der Bonner Innenstadt. Die Polizei reagiert spontan und stellt Beamte des Karnevalszugs für die Begleitung der Demo zur Verfügung.

Nur wenige Meter Luftlinie trennten den Bonner Karneval von einer kurdischen Demonstration, die am Rosenmontag spontan vor Ort angemeldet wurde. Während an der Kölnstraße „Alaaf“ und „Kamelle“ gerufen wurden, schallten an der Beethovenhalle Schmährufe gegen den türkischen Präsidenten Recep Erdogan und prokurdische Parolen.

Grund für die Demonstration war ein mögliches Massaker an kurdischen Zivilisten durch die türkische Armee in der türkischen Stadt Cizre. Das türkische Militär gibt laut Deutsche Presse-Agentur hingegen an, Terroristen getötet zu haben. Nach Angaben der Polizei waren 150 bis 200 Kurden durch die Bonner Innenstadt gezogen. Bereits in der Nacht zu Montag hatten rund 60 Kurden aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis spontan vor dem Bonner Hauptbahnhof demonstriert.

Laut Polizei wurde die Kundgebung um 14.20 Uhr spontan angemeldet und ohne große Abschlusskundgebung um 15.45 Uhr beendet. Die Demonstration sei friedlich verlaufen. Rund 30 Beamte hätten den Demonstrationszug begleitet. Dazu seien laut Polizeisprecher einige der insgesamt 400 Polizisten abgezogen worden, die für den Rosenmontagszug im Einsatz waren. Zudem sei aus einsatztaktischen Gründen eine geringe Zahl an Beamten aus dem Rheinland als Verstärkung angefordert worden.

Die Demonstranten hatten sich an der Viktoriabrücke versammelt und waren über die Bornheimer Straße, Hauptbahnhof, Kaiserplatz, Adenauerallee und Belderberg zur Beethovenhalle gezogen. Zu sehen waren unter anderem Fahnen mit dem Emblem des Kurdenführers Abdullah Öcalan und der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG. Mousa Jamal, der die Demonstration angemeldet hatte, gab an, sich damit europaweiten Demonstrationen gegen das Vorgehen der Türkei anzuschließen. Die kurdische Gemeinde sei gut vernetzt und habe sich über das Internet und per Telefon spontan zu der Kundgebung zusammengeschlossen.