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Leitung des Philharmonischen Chores: Ein Dirigent in den Startlöchern

Leitung des Philharmonischen Chores : Ein Dirigent in den Startlöchern

Der Philharmonische Chor Bonn sei sehr gut aufgestellt, findet Paul Krämer: organisatorisch, strukturell und musikalisch. An grundsätzlichen Dingen muss der Mittzwanziger also gar nicht arbeiten, wenn er im kommenden Jahr Thomas Neuhoff als Leiter des Ensembles ablösen wird.

Auch wenn bis dahin noch ein paar Monate ins Land ziehen, pflegt der 1990 in Oberhausen geborene Musiker schon jetzt eine enge Zusammenarbeit mit dem Philharmonischen Chor und ist bereits in die Probenarbeit eingebunden. Wenn morgen beim "Chor um elf"-Konzert des Beethoven Orchesters Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy gesungen werden, zeichnet er bereits gleichberechtigt neben Neuhoff verantwortlich für die Einstudierung.

Das Programm beginnt mit der Hymne "Hör' mein Bitten, Herr" für eine Sopranstimme mit Chor und Orgelbegleitung (1844) und endet mit der von Stefan Blunier dirigierten zweiten Sinfonie "Lobgesang". Solisten sind Johanna Winkel, Sopran, Sophie Harmsen, Mezzosopran, und Mirko Roschkowski, Tenor.

Geplant hat Thomas Neuhoff die kommende Saison noch allein. Doch erste Spuren wird auch Krämer da schon hinterlassen. So überlässt Neuhoff ihm die Einstudierung und Leitung des Bach'schen Weihnachtsoratoriums, dessen erste drei Teile Krämer am 5. Dezember in St. Marien (Adolfstraße) dirigieren wird. Dass mit dem Concerto con Anima ein Ensemble mit authentischen Barock-Instrumenten begleiten wird, ist ihm wichtig. "Das Konzert soll zeigen, in welche Richtung meine Klangvorstellungen gehen", erläutert er. Krämer, der unter anderem bei Marcus Creed in Köln studierte und heute künstlerischer Leiter der Kartäuserkantorei in Köln ist, möchte einen schlanken Chorklang, der sich an der historischen Aufführungspraxis orientiert. Aber der Neue will auch den "ganz großen Chorklang" weiter pflegen, wie man ihn etwa für die neunte Sinfonie von Ludwig van Beethoven benötigt.

Mit diesem Werk wird der Chor am 9. und 13. September zu hören sein, allerdings nicht in der Beethovenstadt, sondern im Konzerthaus Dortmund und in der Kölner Philharmonie. Es handelt sich dabei um eine Wiedereinladung des Philharmonia Orchestra, mit dem der Chor im vergangenen Jahr in Köln und Luzern gastierte. Diesmal dirigiert Christoph von Dohnányi.

Ein ganz besonderer Schwerpunkt für die nächste Saison ist die Aufführung von Leonard Bernsteins "Mass" zum Abschluss des Acht-Brücken-Festivals am 10. Mai in der Kölner Philharmonie. Das Werk, das Bernstein im Untertitel als "A Theatre Piece for Singers, Players and Dancers" beschreibt, ist in Köln in einer halbszenischen Version (Regie: Martin Füg) zu erleben. Einen Vorgeschmack erhält man schon während der langen Kölner Musiknacht am 19. September und in einem Einführungskonzert am 17. April im Bonner Beethoven-Haus. Bernstein "Mass" ist Thomas Neuhoffs letztes großes Orchesterprojekt.

Mit weiteren, kleiner dimensionierten Konzerten wird er noch in Bonn präsent sein: Etwa mit zwei Konzerten auf dem Alten Friedhof am 16. August. Sehr spannend dürfte der Abend am 21. Oktober im Schumannhaus werden, den Neuhoff dem zu den Überlebenden des Armenier-Genozids von 1915 zählenden Komponisten Komitas Vardapet widmet. Bei zwei großen Bonner Auftritten des Chores steht Neuhoff nicht am Pult: An Karfreitag, 25. März 2016, dirigiert Bonns früherer Generalmusikdirektor Marc Soustrot im Rahmen der Freitagskonzerte des Beethoven Orchesters ein französisches Programm mit Trauermusik von Ravel, Poulenc und Fauré.

Die Aufführung von Hans Pfitzners Eichendorff-Kantate "Von deutscher Seele" beim Freitagskonzert des Beethoven Orchesters am 8. Juli 2016 markiert zugleich den Abschied von Stefan Blunier als Generalmusikdirektor und das offizielle Debüt Krämers als Leiter des Philharmonischen Chores.

Infos im Netz: philharmonischer-chor-bonn.de