Eine bezaubernde Entzauberung

"Dreisprung" bietet anregenden deutsch-rumänischen Dialog im Bonner Künstlerforum - Spektrum von Sozialkritik bis malerischem Experiment

Eine bezaubernde Entzauberung
Foto: Fischer

Bonn. Erst ganz am Ende ihres starken Videostreifens verrät Regisseurin Aurelia Mihai ihren Drehort: "Unter freiem Himmel" gibt es, erhaben über Hamburg, eine Plattform, wo sich in gemeinschaftlicher Eintracht zwei Kulturkreise, westliche Gegenwartstrends und Spuren islamischer Traditionen, begegnen.

Diese Gegenwelten vermittelt eine Art von Traumpoesie: über eine graublaue Eisfläche gleiten, tanzen in schlafwandlerischer Akrobatik ein vertraut anmutender Pulk Jugendlicher und ein junger, authentisch kostümierter Derwisch. In wenigen Minuten bringt die rumänische Nachwuchskünstlerin das Zentralanliegen der Initiative "ArtDialog e.V., Gesellschaft zur Förderung der Europäischen Integration durch Kunst" präzise auf den Punkt.

Darüber hinaus klingen in einer sensiblen, dynamischen Choreografie jene Brennpunkte an, die in der niveaureichen Schau "Dreisprung" alias "Interkultureller Dialog zwischen Deutschland, Rumänien und Slowenien" das Sagen haben. Das aktuelle Projekt von "ArtDialog" hat insgesamt zwölf handverlesene rumänische und deutsche Künstlerinnen und Künstler gewissermaßen an den grünen Tisch der Künste gebeten, um zeitrelevante Veränderungen oder Umbrüche schlechthin ins Bild zu setzen.

Symptomatische Statements zum Kapitel "Transformation auf verschiedenen Ebenen" (Kuratorin Uta Miksche) findet man eingangs gleich im expressiven Fotomosaik der Dresdener Meisterschülerin Stefanie Busch (Jahrgang 1977), im sozialkritischen, gleichwohl malerisch grundierten Video von Dan Acostioaei. Während hier teils eklatante Umwälzungen in Architektur oder Natur sichtbar werden, verlagert Tomaz Krizisnik seine Mischwelten in die geistreichen Suchbilder seiner kolorierten Reisenotizen ("Travelogues").

Der Jüngste im Team, Bostjan Purcelj, bündelt derweil seine fotografische Nachlassbearbeitung zu einer tiefgründigen Spurensuche. Veränderungsprozesse malerischer, sinnlicher Natur komprimiert ein zweiter Ausstellungsabschnitt. Frappierend sind jene hyperrealistisch pointierten Bildwelten, die Volker Leyendecker (Nürnberg) quasi als Science-Fiktion-Stillleben seinem Computer entlockt.

Gegenüber den phantomartigen Städtelandschaften von Maler Miha Strukelj liefern sich in der gestischen Malerei von Dan Fabini "Emotionalität und Identität" (Miksche) dramatische Gefechte. Bezaubernde Entzauberungen entfesselt Malerin und Münsteraner Meisterschülerin Stephanie Pech (Bonn) etwa anhand von prismatischen Spiegelungen und amorphen Menschenschattengebilden, die den freien Fall eines magentatrunkenen "Sepia" begleiten.

Prickelnde Spannung verbreiten malerische Experimente von Stephanie Jünemann, (Berlin) oder die ebenfalls raffinierten Bildmetamorphosen eines Saso Vrabic (mit Sohn Erik, Ljubljana) auf der Empore. Ein stiller Magnet sind die zwischen Poesie, Kitsch und Bedrohung sowie Horror angesiedelten Gemälde von Elian, wo die Schwelle zwischen Jungmädchendasein und Erwachsenwerden eindringlich in Szene gesetzt wird.

Künstlerforum, Hochstadenring 22-24; bis 18. Mai. Di-Fr, Sa 14- 17, So 11-17 Uhr. Katalog 10 Euro

Meistgelesen
Neueste Artikel
Sind wir bald alle in Roboter verliebt?
Debatte über Künstliche Intelligenz in der Harmonie Sind wir bald alle in Roboter verliebt?
Zum Thema
Aus dem Ressort