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Kapazitätsgrenze zur Unterbringung von Flüchtlingen fast erreicht: Wohnraum ist das größte Problem

Kapazitätsgrenze zur Unterbringung von Flüchtlingen fast erreicht : Wohnraum ist das größte Problem

Auch die Gemeinde Grafschaft bekommt den aktuellen Flüchtlingszustrom immer stärker zu spüren. Das berichteten Bürgermeister Achim Juchem und Ordnungsamtsleiter Edgar Schwanz dem Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. "In den ersten Monaten des Jahres haben wir in kurzer Zeit so viele Flüchtlinge zugewiesen bekommen, wie nie zuvor", sagte der Bürgermeister.

Derzeit seien in der Gemeinde 50 Flüchtlinge untergebracht, die maximale Aufnahmekapazität liege bei 87 Personen. Zum Vergleich: In den vergangenen zehn Jahren habe der Schnitt immer bei etwa 20 Personen pro Jahr gelegen.

Die meisten Flüchtlinge gibt es derzeit in Gelsdorf, von den 24 Plätzen in der Flüchtlingsunterkunft sind 19 besetzt. Zehn weitere Asylbewerber sind in Bengen untergebracht, sechs in Vettelhoven, vier in Niederich, zwei in Lantershofen und einer in Oeverich.

Außerhalb der Gemeinde Grafschaft bei jeweiligen Familienangehörigen hat die Gemeindeverwaltung acht Personen untergebracht, etwa in Bad Neuenahr, Köln und Bonn. Wenn in der kommenden Woche noch, wie angekündigt, sechs weitere Personen zugewiesen würden, werde es knapp mit der Kapazität.

Dabei sei überhaupt nicht absehbar, so Schwanz, wie viele Flüchtlinge die Gemeinde Grafschaft bis zum Ende des Jahres überhaupt aufnehmen müsse. Sei man bis vor Kurzem noch von höchstens 71 ausgegangen, bewege sich derzeit die Prognose bei bis zu 199 Personen, wenn tatsächlich die mancherorts kolportierten 1,5 Millionen Flüchtlinge in Deutschland ankämen.

"Es ist ein fließender Prozess mit vielen Unbekannten, und anders als viele meinen, ist er am Jahresende noch lange nicht abgeschlossen", fasste Juchem die Lage zusammen. Der Gemeinde stehe ein Kraftakt bevor.

Hilfsbereitschaft innerhalb der Bevölkerung

Erfreulicherweise gebe es aber innerhalb der Bevölkerung eine riesige Hilfsbereitschaft. Beispielsweise wolle ein Arzt, der bereits im Ruhestand sei, mit zwei ebenfalls nicht mehr aktiven Kollegen kostenlos eine regelmäßige Sprechstunde für Flüchtlinge anbieten, wofür die Gemeinde im Altbau des Ringener Rathauses zwei Zimmer zur Verfügung stelle.

Als Glücksgriff habe es sich erwiesen, dass man einen gut Deutsch sprechenden Syrer als Praktikant in der Gemeindeverwaltung beschäftige, der in der täglichen Kommunikation mit den Flüchtlingen eine große Hilfe sei. Mittlerweile gebe es in der Gemeinde auch drei Deutschkurse für die Flüchtlinge, die von der Kreisvolkshochschule angeboten werden.

Das größte Problem derzeit: "Wir benötigen Wohnraum in jeder Größenordnung und Zimmerzahl." Juchem appellierte an alle Vermieter, leer stehenden Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Dabei trete die Gemeinde als Mieter auf und nicht der Asylbewerber, die Gemeinde garantiere die Mietzahlungen. Man bezahle eine ortsübliche Miete, die aber nicht über sechs Euro pro Quadratmeter liegen dürfe. Die Betreuung der Objekte durch Hausmeister und Verwaltung sei ebenfalls sichergestellt.

Außerdem benötige man jede Menge Lagerraum zur Unterbringung von Spenden, beispielsweise Lagerhallen oder Scheunen. Auch Sachspenden würde nach wie vor benötigt, so Schwanz. Vor allem mangele es an Elektrokleingeräten wie Wasserkocher oder Toaster, aber auch Staubsauger, Fernsehgeräte oder Elektrogroßgeräte wie Waschmaschinen würden gerne entgegengenommen.

Komplette Wohnzimmer-Einrichtungen seien ebenso willkommen wie einzelne Tische, Stühle oder Regale, und nicht zuletzt gibt es auch großen Bedarf für gesponserte Internetzugänge. Zudem wäre die Gemeinde dankbar für sprachkundige Helfer, die Arabisch, Albanisch, Türkisch, Persisch, Englisch, Französisch oder Russisch sprechen. Ansprechpartner sei Marie Riotte unter Tel. 0 26 41/80 07 33.