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Genetischer Zwilling: Lebensretter am Rhein-Ahr-Campus gefunden

Genetischer Zwilling : Lebensretter am Rhein-Ahr-Campus gefunden

Luca Schütz ermöglicht einem an Blutkrebs erkrankten Menschen die lebensnotwendige Stammzellen-Transplantation. Zuvor hatte der Student des Rhein-Ahr-Campus Remagen an einer Registrierungsaktion an der Hochschule teilgenommen.

Alle 15 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs. Dank einer Registrierungsaktion am Rhein-Ahr-Campus Remagen hat mindestens einer davon nun einen Stammzellspender gefunden: Luca Schütz, der im Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften im zweiten Semester Sportmanagement studiert, hat Stammzellen gespendet. Damit ermöglicht er einem an Blutkrebs erkrankten Menschen die lebensnotwendige Transplantation. Wer im Dezember nicht an der Registrierungsaktion am Rhein-Ahr-Campus teilnehmen konnte, hat noch bis zum 15. Juni die Gelegenheit, sich über www.dkms.de/gemeinsam ein Registrierungsset nach Hause zu bestellen.

Die Registrierungsaktion, bei der sich vor einem halben Jahr 150 Studenten am Campus als potenzielle Stammzellspender testen ließen, hatte Ipek Dindoruk initiiert. „Als im vergangenen Jahr die 17-jährige Freundin meiner Schwester an Blutkrebs erkrankte, wurde mir bewusst: Es kann jeden treffen. Ganz plötzlich“, erklärt die Studentin der Gesundheit- und Sozialwirtschaft, die kurz vor ihrem Abschluss steht.

Sie informierte sich über Hilfsmöglichkeiten und erfuhr, dass vor allem junge Spender mit ihrer Registrierung viel bewirken können. Menschen zwischen 18 und 30 Jahren werden am häufigsten für eine Stammzellspende angefordert, da sie weniger Vorerkrankungen haben und meist in einem besseren körperlichen Allgemeinzustand sind. „Deshalb hatte ich die Idee, an meinem Campus zur Registrierung aufzurufen“, so Ipek. Sie setzte sich mit der DKMS und mit der Hochschulverwaltung in Verbindung, die schon mehrere solcher Aktionen an allen Standorten unterstützt hatte und sofort damit einverstanden war.

Es wurde ein voller Erfolg: 150 Studenten machten mit, darunter auch Luca Schütz: „Tatsächlich hatte ich schon früher öfter mit dem Gedanken gespielt, mich registrieren zu lassen, doch kam nie wirklich dazu. Als ich die Aktion an der Hochschule sah und merkte, wie unkompliziert und schnell das geht, habe ich die Chance dann natürlich genutzt.“ Als dann ein Treffer auf Schütz fiel, zeigte er sich zunächst überrascht: „Ich wurde erst mal ein bisschen nervös, weil ich nicht damit gerechnet hatte, so schnell helfen zu können. Tatsächlich war ich jedoch auch sehr stolz, weil ich ja vielleicht meinem genetischen Zwilling das Leben retten könnte.“

Vor der Spende erfolgte eine gründliche Voruntersuchung. „Nach den ausführlichen Gesprächen mit den Ärzten, die mir alles erklärten, war meine Aufregung so gut wie weg. Ich merkte, wie professionell die Klinik war und dass nichts wirklich schiefgehen konnte“, sagt Schütz. Er musste vier Tage lang ein Medikament einnehmen, um die Produktion der Stammzellen anzuregen: „Der erste Tag lief völlig problemlos. Ab dem zweiten Tag merkte ich dann die Nebenwirkungen, fühlte mich ein bisschen schlapper und hatte leichte Gliederschmerzen, konnte jedoch meinen Alltag ganz normal weiterführen“, berichtet der Student.

Die Entnahme der Stammzellen sei ganz unkompliziert gewesen: „Während der Spende muss man eigentlich nur ganz ruhig dasitzen und sich irgendwie beschäftigen, da man die Arme nicht wirklich bewegen darf. Ich konnte mich sogar mit dem Handy per Audio in meine Sportvorlesung schalten“, so Schütz. Nach viereinhalb Stunden und knapp fünf Millionen Stammzellen weniger konnte er dann auch schon wieder heimfahren. „Relativ schnell meldete sich dann die DKMS bei mir und teilte mir die groben Daten zu meinem Patienten mit. Nach der Spende war ich einfach nur froh, dass alles geklappt hat und ich wirklich die Chance habe, einer Person das Leben zu retten. Dieser wünsche ich viel Glück und gute Besserung“, so der Student.

Auch Ipek Dindoruk und ihr 15-köpfiges Helferteam freuen sich über den ersten Stammzellspender aus ihrer Aktion: „Daran sieht man, dass wir hier am Campus gemeinsam eine Menge bewegt haben und vielleicht auch noch mehr bewegen können.“ Spontan hat sich die Studentin dazu entschlossen, erneut einen Aufruf zu starten, aufgrund der Corona-Einschränkungen diesmal jedoch ausschließlich online.