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Klimatag im Rhein-Sieg-Kreis: Moderne Technik in altem Gemäuer

Klimatag im Rhein-Sieg-Kreis : Moderne Technik in altem Gemäuer

Regenerative Energien nutzen und sparen: Dass das auch für Privatleute möglich ist, will die Projektgruppe „Erneuerbare Energien – Energieeffizienz und Klimaschutz“ mit dem Klimatag am 5. November zeigen.

Ein Jahr Planungszeit und mehr als ein Jahr Bauzeit liegen hinter Sven Arcan. Dennoch möchte er sich noch nicht festlegen, wann er wohl mit Frau und Kind in sein neues Zuhause einziehen kann. Denn immer noch ist viel zu tun, um aus der historischen Hofanlage in Lüftelberg ein zeitgemäßes Wohlfühlhaus für die junge Familie zu machen.

Als das alte Gebäudeensemble mit dem abgeschlossenen Innenhof und dem wunderschönen Garten zum Verkauf stand, war es für den Bonner Arzt keine Frage, dass er hier zukünftig leben möchte. Die Herausforderung bestand jedoch darin, beim Umbau auf die eigenen Bedürfnisse respektvoll mit dem denkmalgeschützten Gebäude und den alten Materialien umzugehen, erläutert Arcan beim Rundgang durch die Baustelle.

Zahlreiche Maßnahmen sind möglich

Das ursprüngliche Fachwerk-Wohngebäude datiert aus dem Jahr 1756, hat niedrige Raumhöhen und wurde über die 260 Jahre seines Bestehens immer wieder erweitert. Bereits 1980 war das Haus durch einen Anbau mit den ehemaligen Nutzgebäuden, der Scheune und den Ställen verbunden worden. Dort soll jetzt der neue Lebensmittelpunkt entstehen. Der alte Fahrzeugunterstand wird zur Küche, der Pferdestall zum Esszimmer. Moderne Stahlträger ergänzen nun das alte Eichenholzfachwerk, wo es morsch war. Auch unterstützen Stahlträger nun die Dachkonstruktion – aus dem alten Sparrendach ist inzwischen ein Pfettendach geworden.

Vor allem sei es bei den Planungen darum gegangen, Licht ins Haus zu holen, erläutert Arcan und weist auf einige neue Dachfenster in giebelhoch geöffneten Räumen hin und auf die große Glasfläche, die jetzt das alte Scheunentor ersetzt. Bei allen Umbauten hat Arcan auf ökologische Baustoffe gesetzt, Holzfaserdämmplatten verwendet und zudem zur Dämmung Zwischenwände eingezogen und den so entstandenen Leerraum mit Zelluloseflocken gefüllt. Die Fußbodenheizung, die mit einer Gas-Brennwerttherme betrieben wird, wird von einer Wandheizung unterstützt.

Enge Zusammenarbeit mit Denkmalschutzbehörde

Arcan lobt die Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden. Bei der Restaurierung unterstützt wird Arcan vor Ort von seinem Vater. Unterstützung hat er jedoch auch vom Rheinbacher Energieberater Wolfgang Rösler erfahren, der ihn bei der Auswahl geeigneter Baustoffe beraten hat und mit dem er gemeinsam beim Klimatag 2016 auf der Lüftelberger Baustelle Auskunft über das komplexe Projekt geben wird.

Zu einer Hausführung laden am Samstag zwischen 14 und 17 Uhr auch Renate und Wolfgang Paulus nach Bornheim-Kardorf in ihr Haus an der Altenberger Gasse ein. Um frische Luft ins Haus zu bekommen, muss das Ehepaar nicht die Fenster aufreißen. Denn ihr Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche ist ein sogenanntes „Passivhaus“: Eine Lüftungsanlage sorgt für gleichbleibend frische Luft. Ein Wärmetauscher gibt die Wärme der verbrauchten Luft im Haus an die kalte Frischluft ab. Eine Heizung sucht man vergeblich, sieht man von dem Handtuchhalter im Bad ab.

Die Wärme kommt zum einen von der Abwärme der Personen und elektrischen Geräte: „85 Prozent der Wärmeenergie wird drinbehalten“, sagt Wolfgang Paulus, der Leiter des Umwelt- und Grünflächenamts in Bornheim ist. Zum anderen hilft die Sonneneinstrahlung. Das drei Jahre alte Haus hat an der Südseite große Fensterfronten. Schließlich nutzt das Ehepaar auch die bodennahe Erdwärme: Im Garten ist ein 100 Meter langer Schlauch mit einer Sole-Wasser-Lösung verlegt, der in einen Wärmetauscher mündet und die Frischluft vortemperiert: Im Sommer wird so die Außenluft etwas gekühlt, im Winter erwärmt. Die einzige „nichtpassive“ Wärmequelle ist eine kleine Wärmepumpe in der Lüftungsanlage, die die Luft im Winter zusätzlich aufheizt. Diese habe aber nur 450 Watt, etwa so viel wie ein Föhn, so Wolfgang Paulus.

Neben der Lüftungsanlage ist die gute Dämmung des von dem Wachtberger Architekten Kay Künzel geplanten Hauses entscheidend. Die Außenwände sind 40 Zentimeter dick und bestehen aus einem Holzgerüst mit Zelluloseflockung als Dämmschicht. Für ein Holzhaus hat das Ehepaar sich aus Gründen der Nachhaltigkeit entschieden. Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage installiert. So produziert das Ehepaar mehr Energie als es verbraucht. Paulus: „Wir haben ein Plusenergiehaus.“