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Beitrag in Sankt Augustin: Vereine lehnen Sportstättengebühr ab

Beitrag in Sankt Augustin : Vereine lehnen Sportstättengebühr ab

Die seit Jahren andauernde Finanzmisere der Stadt Sankt Augustin könnte die Sportvereine teuer zu stehen kommen: Denn ein Punkt auf der Sparliste, die die Verwaltung auf Wunsch der Politik erstellt hat, betrifft eine Sportstättennutzungsgebühr.

So könnte die Stadt nach vorläufigen Berechnungen 70 000 Euro jährlich erlösen - sofern die Politik den Vorschlag absegnet. "Wir lehnen das ab", sagte Herbert Homge, Vorsitzender des TuS Niederpleis. "Das hätte unweigerlich viele Austritte zur Folge."

Laut Stadt wäre eine Beteiligung von drei Euro für Erwachsenengruppen pro Stunde und 1,50 Euro für Gruppen mit Kindern und Jugendlichen pro genutzter Stunde in Sporthallen und auf Sportplätzen denkbar. Bei den Bädern gibt es schon eine Gebühr, dort wäre laut Stadt eine Erhöhung möglich. "Wir hatten den Auftrag, im Bereich der finanziellen Leistungen Einsparmöglichkeiten aufzuzeigen, und zwar ohne Tabus", sagte Stadtsprecherin Eva Stocksiefen. "Am Ende muss die Politik das entscheiden."

Karlheinz Meffert, Vorsitzender des VfL Sankt Augustin, hat die vorgestellten Zahlen für seinen Verein umgerechnet. "Das hört sich zunächst harmlos an, aber das wäre für unseren Verein eine herbe Geschichte." Bei 40 bis 45 Gruppen, davon etwa zehn Kindergruppen, mache das wöchentlich rund 120 Euro aus. Bei 40 Wochen Nutzung pro Jahr - die Ferien ausgeklammert - bedeute das Mehrkosten in Höhe von rund 4800 Euro. "Das stecken wir nicht so einfach weg. Das sind sieben bis acht Prozent unserer Mitgliedsbeiträge, die rund 60 000 Euro betragen."

Eine zunehmende Unzufriedenheit bei den Vereinen befürchtet Jürgen Kamp, Geschäftsführer des TV Menden. Auch weil einige Hallen als Flüchtlingsunterkünfte dienen und für die Vereine gesperrt sind. "70 000 Euro machen den Kohl doch nicht fett, da lache ich drüber. Da muss es doch andere Möglichkeiten geben", sagte Kamp. Auch Homge sagte: "Was die Finanzierung betrifft, soll die Stadt andere Wege gehen."

Eine Möglichkeit, um die Anhebung abzufangen, sind höhere Mitgliedsbeiträge. Doch Meffert vom VfL schließt diese Option aus. "Wir haben die erst vor zwei Jahren erhöht, das können wir jetzt nicht schon wieder machen." Zumal die Vereine ohnehin mit Problemen kämpfen, wie Kamp sagt. "Durch die gesperrten Hallen haben wir in den letzten sechs Wochen mehr als acht Prozent Mitglieder verloren."

Noch hat die Politik nicht über die Idee der Verwaltung beraten, im Unterausschuss zur Haushaltskonsolidierung vorige Woche war das Kombibad das beherrschende Thema. Stefanie Jung, Fraktionsvorsitzende der FDP, sagte: "Ich finde nicht, dass wir die Vereine zusätzlich mit einer Sportstättennutzungsgebühr belasten sollten." Marc Knülle (SPD) sagte: "Wir haben zu keinem Sparvorschlag derzeit eine abschließende Meinung, in der Vergangenheit waren wir immer gegen die Gebühr." Ähnlich sieht es Martin Metz von den Grünen: "Grundsätzlich gibt es keine Denkverbote, aber ich habe erhebliche Zweifel, ob es politisch sinnvoll und angesichts des Aufwands finanziell lohnenswert ist." Und Georg Schell (CDU) sagte: "Wir müssen das erst mal prüfen und im Zusammenhang mit dem Gesamthaushalt sehen."

Ohnehin, so Stocksiefen, seien die 70 000 Euro nicht bis ins Detail ausgerechnet. "Es geht um einen Fingerzeig, was man zusätzlich einnehmen könnte." Die Stadt hat sich bei den Gebühren an anderen Kommunen wie Bad Honnef orientiert, dort sorgte die Einführung im April für reichlich Unmut bei den Vereinen. Das wäre in Sankt Augustin vermutlich nicht anders. Jürgen Kamp vom TV Menden sagte: "Wenn ich drei Meter Straße aufreiße, kostet das schon 70 000 Euro. Ob es diese Summe wirklich bringt?" Das muss nun die Politik entscheiden.