Glosse : (K)einen Tag Urlaub

Gewinnbenachrichtigungen sollen Senioren zu Verkaufsveranstaltungen mit Ramsch zu horrenden Preisen locken. Darum rät GA-Redakteur Mario Quadt: Steigen Sie bloß nicht am Dienstag, 13. November, in Morenhoven oder Heimerzheim in einen Bus.

Was nicht alles im guten alten Briefkasten zu finden ist: Da heutzutage ja vieles nur noch via E-Mail oder Whatsapp auf digitalem Weg versandt wird, freuen sich gewiss viele Menschen wie jetzt in der Gemeinde Swisttal über ein Schreiben, welches sie auf dem Postweg erreicht. Es ist die Nachricht, dass sie Bargeld gewonnen haben und dieses am Dienstag, 13. November, während einer Gratisausflugsfahrt „in eines der schönsten Naherholungsgebiete Deutschland's“ ausgehängt bekommen – garantiert werde „der 1. Preis in Bar“ ausgezahlt.

Aber Vorsicht: Nicht nur das im Deutschen nicht gebräuchliche „Apostroph-S“ lässt aufhorchen. Verbraucherzentralen und die Polizei warnen immer wieder davor, an solchen Fahrten teilzunehmen. Mit Recht, können wir nach der Lektüre des Gewinnschreibens sagen: Es ist eine Aneinanderreihung von Unbekannten. Die angeschriebene Swisttalerin, die uns ihre Glückspost zusandte, erhält zwar eine Information, wann und wo am Dienstag ein Bus in Morenhoven und Heimerzheim anhält, um all die vermeidlichen Gewinner einzuladen, die nie an einem entsprechenden Gewinnspiel mitgemacht haben.

Unbekannt bleiben aber der Wert des „Hauptpreises“ und das Ziel der Reise. Klar ist: Das eigentliche Ziel der Reise besteht darin, Unbedarfte zu einer Verkaufsveranstaltung zu lotsen, wo sie Pseudomedikamente, Rheumadecken oder andere „Wundermittel“ zu horrenden Preisen erwerben sollen. Untrügliches Zeichen dafür, dass Scharlatane am Werks sind, ist die Tatsache, dass auf der Gewinnbenachrichtigung kein Firmenname oder eine Adresse des vermeidlichen Wohltäters zu finden ist. Allenfalls an ein Postfach in Bremen ist die Platzreservierung postalisch an eine „Reservierungszentrale“ zu senden. Von „Gönnen Sie sich am 13.11.2018 einen Tag Urlaub und Erholung“ ist in jedem Fall dringend abzuraten. Die Glückspost ist ein Fall für die Papiertonne – garantiert.